
Whose history?
| Beitrag vom 18. Juni 2026
Wie erinnern wir uns an die Geschichte eines Ortes, der wie kaum ein anderer für Propaganda, Ausgrenzung und Diktatur steht? Welche Bedeutung haben dieser Ort und seine Vergangenheit heute für die Menschen, die in Nürnberg leben – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Sprache oder Biografie?
Im Rundgang „Whose history?“ möchten wir gemeinsam mit unseren Gästen neue Perspektiven auf das ehemalige Reichsparteitagsgelände werfen. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte des Nationalsozialismus, die Nürnberger Reichsparteitage und die Wirkung von Architektur und Propaganda. Gleichzeitig geht es aber auch um die Frage, welche Bedeutung diese Vergangenheit für unser heutiges Zusammenleben hat. Neben historischen Fakten sind deshalb vor allem persönliche Perspektiven, Dialoge und gemeinsames Nachdenken gefragt.
Entstanden ist das Angebot aus einem Kooperationsprojekt von Geschichte Für Alle e.V., der Stabsstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände, dem Nürnberger Elternbüro für Schulerfolg und Teilhabe sowie dem Inter-Kultur-Büro der Stadt Nürnberg. Ziel war es, ein Angebot zu schaffen, das insbesondere Nürnbergerinnen und Nürnberger mit Migrationserfahrung anspricht und einen dialogischen Zugang zur Geschichte Nürnbergs im Nationalsozialismus ermöglicht. Interaktive Elemente fördern dabei den Austausch und bieten viel Raum für Gespräche, persönliche Gedanken und Erfahrungen. Die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände richtet den Blick jedoch nicht nur zurück: Sie zeigt, wie Diktaturen entstehen, wie Propaganda funktioniert und wie wichtig es heute ist, unsere demokratischen Werte zu schützen. Wir freuen uns auf alle Interessierten!
Der öffentliche Rundgang findet an insgesamt acht Terminen statt und ist kostenfrei:
18. Juli 2026, 11.00 Uhr und 14.30 Uhr
19. Juli 2026, 11.00 Uhr und 14.30 Uhr
17. Oktober 2026, 11.00 Uhr und 14.30 Uhr
18. Oktober 2026, 11.00 Uhr und 14.30 Uhr
Dauer: 90 Minuten
Treffpunkt: Vor dem Eingang des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, Bayernstraße 110, 90478 Nürnberg
Bild: Arkadengang auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände © S. Meyer

Kommentare
Mich beschäftigt vor allem die Idee, Geschichte ausdrücklich nicht nur zu erklären, sondern mit den heutigen Bewohnern einer Stadt darüber ins Gespräch zu kommen.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Historische Orte werden gern behandelt, als läge ihre Bedeutung sauber konserviert in einer Vitrine. Dabei verändert sich die Stadtgesellschaft ständig – und damit auch die Frage, wer eigentlich mit welchem Vorwissen, welcher Familiengeschichte und welchem Blick vor diesen Steinen steht.
Gerade beim Reichsparteitagsgelände scheint mir das interessant. Die Architektur wollte einst möglichst eindeutig festlegen, wer dazugehört und wer nicht.
Heute nutzt man denselben Ort, um unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich nebeneinanderzustellen.
Das ist beinahe eine architektonische Form verspäteter Widerrede. 🦌