Lernort Reichsparteitagsgelände

| Beitrag vom 04. Oktober 2026

Wie kann ein Rundgang über das ehemalige Reichsparteitagsgelände aussehen, der Jugendliche wirklich erreicht? Einer, bei dem nicht zwei Stunden lang zugehört wird, sondern bei dem die Gruppe selbst beobachtet, entdeckt, diskutiert und Fragen stellt?

Aus diesen Fragen ist unser neuer Rundgang für Jugendliche über das ehemalige Reichsparteitagsgelände entstanden. Er richtet sich an Schulklassen der 8. bis 13. Jahrgangsstufe und wurde inhaltlich und methodisch gezielt auf diese Zielgruppe zugeschnitten.

 

Geschichte lässt sich nicht nur erzählen

Das ehemalige Reichsparteitagsgelände bietet dafür besondere Möglichkeiten. Vieles ist bis heute sichtbar: monumentale Bauten, unvollendete Planungen und Spuren der nationalsozialistischen Inszenierung. Gleichzeitig ist das Gelände längst Teil des gesellschaftlichen Lebens und wird heute vielfältig genutzt.

Der neue Rundgang nimmt diesen Ort deshalb nicht nur als Kulisse für historische Erklärungen. Stattdessen heißt es: genau hinschauen, beobachten, vergleichen, Fragen stellen. Was fällt auf? Was überrascht? Wie wirkt der Ort? Was erzählen Bilder und Bauwerke – und was verschweigen sie? Wie wirkten die Massenveranstaltungen auf die Menschen?

Die Rundgangsleitung gibt Impulse, moderiert Gespräche und greift die Beobachtungen der Gruppe auf. So entsteht Geschichte im Austausch – und jeder Rundgang verläuft ein bisschen anders. Das Konzept ist bewusst dialogisch und handlungsorientiert angelegt. Historische Bilder, kleine Aufgaben und gemeinsame Diskussionen sorgen immer wieder dafür, dass aus Zuhörenden Beteiligte werden.

Dabei geht es nicht darum, in zwei Stunden möglichst viele Fakten unterzubringen. Viel wichtiger ist, dass zentrale Zusammenhänge verständlich werden und die Jugendlichen eigene Fragen und Gedanken entwickeln können.

 

Und was hat das mit uns heute zu tun?

Der Rundgang endet deshalb auch nicht im Jahr 1945. Immer wieder geht es um die Frage, was nach dem Nationalsozialismus mit diesem riesigen Gelände geschehen ist – und wie wir heute damit umgehen.

Was macht man mit den baulichen Hinterlassenschaften einer Diktatur? Wie verändert sich ihre Bedeutung, wenn dort heute Konzerte, Sportveranstaltungen oder andere Events stattfinden? Und warum beschäftigen uns diese Orte überhaupt noch?

So verbindet der Rundgang historische Vermittlung mit Fragen der Gegenwart und gibt Jugendlichen Raum, eigene Positionen zu entwickeln.

Unser neuer Rundgang „Lernort Reichsparteitagsgelände – Interaktive und zielgruppengerechte Geländebegehung“ ist ab sofort für Schulklassen der Jahrgangsstufen 8 bis 13 buchbar.

 

Bildnachweis: Nürnberg, Reichsparteitag, HJ-Aufmarsch (ca. 1937/1938). Bundesarchiv, Bild 146-2004-0014 / Fotograf: August Priesack.

 

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