Aktuelle und spannende Beiträge:


Historische und lokale Rezeptideen zum Nachkochen

| Beitrag vom 19. Mai 2020, von Kathrin Lehnerer

Da unsere kulinarischen Führungen in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg momentan nicht stattfinden können, wollen wir Ihnen auf diesem Weg unsere Rezeptkarten mit lokalen Rezepten zum Nachkochen ans Herz legen. Wir wünschen viel Erfolg und ein besonderes Geschmackserlebnis.

  • REZEPT RAIFIOLLA aus der Führung "Rotes Bier und blaue Zipfel - Ein kulinarischer Spaziergang"

75 Jahre „Tag der Befreiung“

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die nationalsozialistische Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa. Jährlich erinnert der Gedenktag an die tiefe Zäsur von 1945 und an den damit verbundenen Neuanfang. Die bedingungslose Kapitulation wurde am 7. Mai im Hauptquartier der Alliierten im französischen Reims von Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnet und trat am folgenden Tag in Kraft. Am 9. Mai unterzeichnete unter anderem Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel im sowjetischen Hauptquartiert in Berlin-Karlshorst die dortige bedingungslose Kapitulation. Bis heute wird der „Tag der Befreiung“ in zahlreichen europäischen Ländern als Gedenktag begangen.

Nürnberg wurde bereits am 20. bzw. am 22. April 1945 von den US-Streitkräften erobert. Die Eroberung war für die Alliierten vor allem ein wichtiger symbolträchtiger Sieg. „Die Stadt der Reichsparteitage“ war für Adolf Hitler und für die Nationalsozialisten ein Zentrum der NS-Ideologie und der NS-Propaganda. Neben den Reichsparteitagen, die zwischen 1933 und 1938 auf dem eigens hierfür errichteten Reichsparteitagsgelände stattfanden, wurden hier 1935 die Rassegesetze verabschiedet.

Am 16. April erreichten amerikanische Panzerverbände den Osten Nürnbergs und eroberten die Stadt am 22. April 1945. Eine erste Siegesfeier wurde am 20. April 1945 auf dem Hauptmarkt (in der NS-Zeit „Adolf-Hitler-Platz“) als „Flag Raise Ceremony“ durchgeführt. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April wollte man mit der Einnahme Nürnbergs einen symbolischen „Geburtstagsgruß“ senden. In der Südstadt wurde zu dem Zeitpunkt noch gekämpft, bevor auch hier die Waffen am 22. April niedergelegt wurden. Die offizielle Siegesfeier fand dann am 22. April auf dem Zeppelinfeld statt und endete mit der Sprengung des Hakenkreuzes auf dem Zentralbau der Zeppelintribüne.

Der Schweizer Sender SRF hat zu dem Thema einen spannenden Beitrag produziert. Unsere langjährige Rundgangsleiterin Nina Lutz führt hierbei als Historikerin durch die Geschichte Nürnbergs.

Abb.: Siegesparade US-Army auf der Hauptmarkt, 1945, Stadtarchiv Nürnberg


Geschichtsvermittlung in der Krise: Was bedeutet Corona für Geschichte Für Alle e.V.?

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Magdalena Prechsl

An einem schönen Sonntag im Herbst letzten Jahres staunten die Bewohner*innen der Wohnsiedlung Rangierbahnhof nicht schlecht, als sich ein Zug von 135 Personen durch die Straßen bewegte. Handelte es sich dabei um eine Demonstration im sonst eher gediegenen Wohnviertel? Nein, die vielen Menschen waren gekommen, um sich bei einem Stadtteilrundgang unseres Vereins mit der Geschichte der gartenstädtischen Siedlung zu beschäftigen. Für den von dem Ansturm durchaus überraschten Rundgangsleiter war es nicht nur eine stimmliche Höchstleistung, der riesigen Gruppe spannende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Doch viel größer sind die Herausforderungen, denen wir als Verein und in erster Linie als begeisterte Geschichtsvermittler*innen nun ausgesetzt sind. Einen stärkeren Kontrast zu der geschilderten Situation im Herbst könnte es fast nicht geben: Seit Mitte März ist das Durchführen von Stadtführungen untersagt. Die Museen, in denen wir sonst als pädagogischer Partner Workshops und Führungen anbieten, haben geschlossen. Die Absolutheit, mit der die Corona-Pandemie die Möglichkeiten der unmittelbaren, personellen Geschichtsvermittlung unterbunden hat, trifft uns hart.
Unsere Arbeit lebt davon, Menschen jeden Alters – egal ob alteingesessen oder nur für wenige Stunden zu Besuch in der Stadt – ebenso fundiert wie auch unterhaltsam Zugänge zur Geschichte zu ermöglichen. Dabei sind wir überzeugt, dass der beste Weg für einen kritischen Umgang mit der (eigenen) Vergangenheit die selbsttätige Auseinandersetzung mit ihren Zeugnissen ist. Wir wollen den Menschen durch Gespräche mit unseren Expert*innen ermöglichen, sich die Stadt anzueignen und im Stadtbild mehr zu sehen, als Gebäude und Plätze.

Auch wenn digitale Angebote wie auch das altbewährte Buch hierfür in der gegenwärtigen Situation gute Ausweichmöglichkeiten bieten, so sind alle Medien nicht in der Lage, die gewaltigen Potentiale der personellen Vermittlung bei Stadtführungen zu ersetzen.
Für uns bedeutet die Corona-Krise also gerade in erster Linie viel Geduld zu haben und dabei nicht im Stillstand zu verharren, sondern unsere Konzepte konsequent weiterzuentwickeln. Wir wollen, dass auch in Zukunft ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg die Beschäftigung mit Stadtgeschichte „auf der Straße“ ist. Kurzum: Wir freuen uns sehr auf den Zeitpunkt, zu dem wir wieder Führungen anbieten können.

Magdalena Prechsl sprach in einem Interview mit Franken Fernsehen über die aktuelle Lage bei Geschichte Für Alle e.V.


Die Geschichte des 1. Mai als "Tag der Arbeit"

| Beitrag vom 1. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Nürnberg entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur größten Industriestadt Süddeutschlands und wurde so eine Hochburg der Arbeiterbewegung in Bayern. Die Arbeiterkultur zeigte sich in zahlreichen Vereinen, Festen und Zeitschriften und prägte das Leben in der Stadt. Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ und damit verbunden der Kampf für die Rechte der Arbeiter*innen war und ist ein wichtiges Thema in Nürnberg.

Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ hat eine lange Tradition und geht auf eine Demonstration in den USA zurück. Dort war der 1. Mai der Stichtag, an dem viele Arbeitsverträge ausliefen oder neu geschlossen wurden. 1886 demonstrierten über 400.000 Arbeiter*innen in den USA am 1. Mai in mehreren Städten friedlich für die Einführung des Acht-Stunden Tages. Zwei Tage später kam es jedoch bei den anhaltenden Demonstrationen zu einem einem Zwischenfall, bei dem mehrere Streikposten von der Polizei erschossen wurden. Dadurch heizte sich die Stimmung immer weiter auf und während einer Kundgebung gegen das brutale Vorgehen der Ordnungskräfte am 4. Mai auf dem Haymarket in Chicago, mit rund 1000 Arbeiter*innen, eskalierte die Situation erneut. Sieben Polizisten und vermutlich vier Demonstranten kamen durch eine Explosion und eine anschließende Schießerei ums Leben. Die Vorfälle in den USA fanden in der internationalen Arbeiterschaft starken Wiederhall.

Während des zweiten Internationalen Arbeiterkongresses 1889 in Paris beschlossen die sozialistischen Gewerkschaften und Parteien eine große internationale Demonstration am 1. Mai 1890 zu begehen. Hiermit wollte man den Opfern des Haymarket-Massakers gedenken und für die Einführung des Acht-Stunden Tages sowie für die Rechte der Arbeiter*innen demonstrieren.

Im Kaiserreich beschloss die SPD 1889 zwar den 1. Mai als Feiertag der Arbeit zu begehen, allerdings sprach man sich gegen einen allgemeinen Streik aus. In den folgenden Jahren etablierte sich der Tag als Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber erst 1919 von der Weimarer Nationalversammlung einmalig zum gesetzlichen Feiertag bestimmt; und zwar nur für das Jahr 1919. Unter der Herrschaft der NSDAP wurde der 1. Mai ab 1933 in Deutschland als gesetzlicher Feiertag eingeführt, mit dem Ziel, ihn als Propagandamittel zu instrumentalisieren und so die Arbeiterbewegung für die nationalsozialistische Idee zu gewinnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der 1. Mai 1946 durch den Alliierten Kontrollrat als Feiertag bestätig und danach sowohl in der BRD als auch der DDR begangen. Bis heute ist der 1. Mai nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen Ländern ein gesetzlicher Feiertag.

 

Abb.: Kanalarbeiten an der Ziegelsteinstraße, Fotografie 1919, Siedlungswerk Nürnberg GmbH


 

Pest oder Cholera? Katastrophen in der Geschichte Nürnbergs

| Beitrag vom 30. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Ein Ort, um Geschichte hautnah zu erleben, ist der Nürnberger Egidienberg: Dort zeugt die barocke Kirchenfassade vom Großbrand des alten Schottenklosters, die in eine Wand eingemauerte Kanonenkugel nebst Inschrift erinnert an den Zweiten Markgrafenkrieg und die Einschusslöcher am Kaiser Wilhelm-Denkmal stammen aus dem Häuserkampf in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Neben Brand, Kriegen und auch Hochwasser waren es vor allem Epidemien, die der Stadt im Laufe der Jahrhunderte zusetzten. Allen voran die Große Pest, die seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadt immer wieder heimsuchte. Auch hierfür findet sich ein Zeugnis am Egidienberg: Ein kläglicher Ruinenrest neben dem Pellerhaus zeugt noch von dem stattlichen „Peststadel“, der sich früher hier befand. Das mächtige Gebäude, 1481 als  Kornspeicher gebaut, diente zum Unterstellen der Karren, auf denen die Pesttoten hinaus auf den Friedhof transportiert wurden.

Die Einwohner Nürnbergs hatten großen Epidemien an medizinischen Mitteln nichts entgegenzusetzen: Man wusste weder, was die Krankheiten verursachte, noch hatte man Medikamente, um sie zu behandeln. Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die Behandlungsmöglichkeiten auf diätetische Maßnahmen, Urinbeschau oder Aderlass beschränkt. Wer es sich leisten konnte, floh aus der Stadt.

Umso wichtiger waren die Maßnahmen, die der Rat ergriff, um die Seuchen einzudämmen. Seit 1518 war es nicht mehr erlaubt, Tote innerhalb der Stadtmauern zu bestatten: Neben dem Johannisfriedhof, bereits im späten 14. Jahrhundert zum Pestfriedhof erweitert, entstand nun der Rochusfriedhof für die Toten der Lorenzer Stadtseite. Am Pegnitzufer außerhalb der Mauern stiftete die Patrizierfamilie Topler das Sebastiansspital als erstes Pesthaus in Deutschland, fertiggestellt 1528.  All dies konnte nicht verhindern, dass es 1633/34 zur schlimmsten Epidemie der Nürnberger Geschichte kam: Mitten im 30jährigen Krieg, als sich Einheimische, Soldaten und Flüchtlinge innerhalb der engen Mauern drängten, verstarb die Hälfte der Einwohner an der Pest, die Rede ist von 20.000 Toten. Von diesem Bevölkerungsverlust hat sich die Stadt bis zur Industrialisierung nicht mehr erholt.

Eine Seuche, die im 19. Jahrhundert erheblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung hatte, war die Cholera. Da das Nürnberger Trinkwasser hauptsächlich aus dem Grundwasser bezogen wurde und die Abwasserentsorgung mittels Sickergruben unzureichend war, kam es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen. 1854 war die allgemeine Mobilität der Bevölkerung bereits so groß, dass sich die Cholera sehr schnell verbreiten konnte. Nach einem Ausbruch in München erreichte die Krankheit wenig später Nürnberg, unter anderen durch den Industriellen Johann Wilhelm Spaeth, der einer der ersten von 300 Choleratoten (bei 600 Erkrankten) war, damit war man glimpflich davongekommen. Auch hier ergriff die Stadt schnell Maßnahmen, da man eine Einschränkung der Aktivitäten in Verkehr und Handel fürchtete. Eher unwirksam war das Verbot von Jahrmärkten (wegen der Menschenansammlungen) und längeren abendlichen Biergartenbesuchen (wegen der Unterkühlung). Auf lange Frist waren dagegen kommunale Maßnahmen zur besseren Wasserversorgung und -entsorgung von entscheidender Bedeutung.

Mit dem Anwachsen zur Industriestadt hatte Nürnberg weitere Epidemien zu überstehen. Eine der schlimmsten traf die Stadt am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Bevölkerung ohnehin mangelhaft ernährt und medizinisch schlecht versorgt war. Ein erster Ausbruch der sogenannten "Spanischen Grippe“ im Sommer 1918 verlief relativ milde. Im Herbst des Jahres kehrte die Krankheit jedoch zurück. Nun kam das öffentliche Leben zum Erliegen, die Schulen wurden geschlossen. Vom 12.-18. Oktober gab es rund 3.000 Neuinfektionen, Tag für Tag wurden hunderte von Influenzafällen gemeldet. Das große, erst 1897 eingeweihte Krankenhaus hatte Hochbetrieb. Besonders erschreckend war, dass gerade jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren an der Krankheit starben. Insgesamt waren etwa 20.000 Menschen erkrankt, die Zahl der Toten lag bei 1.400. Von den 94 Pflegern im städtischen Krankenhaus starben fünf Krankenschwestern und eine Pflegeschülerin, zudem erlagen noch fünf Hausangestellte der Grippe. Weltweit forderte die Grippepandemie von 1918/19 mehr Tote als der gesamten Erste Weltkrieg.

Medizinischer Fortschritt und steigender Wohlstand haben die Wahrscheinlichkeit von Epidemien bzw. – bei weltweitem Auftreten – Pandemien zwar eindämmen, aber nicht gänzlich verhindern können.  Dass im Winter 2019/20 ein neuartiges Coronavirus globale Verbreitung finden würde, hatte kaum jemand auf dem Schirm. Auch die Stadt Nürnberg ist davon betroffen – unmittelbar mit Erkrankten und Toten sowie in Bayern und Deutschland durch einen nie gekannten Stillstand des öffentlichen Lebens, der Reiseaktivitäten und der persönlichen Freiheiten, aber auch mittelbar durch die Störung von Wirtschaftsaktivitäten und das komplette Einfrieren des Tourismus. Wir erleben gerade die größte Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vielleicht ist es gut, dabei die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren, um das heutige Geschehen besser bewerten zu können.


Entdeckertouren mit der Nürnberger Zeitung

| Beitrag vom 28. April 2020, von Bernd Windsheimer

Gemeinsam mit der Nürnberger Zeitung, machen wir uns seit vielen Jahren auf "Entdeckertour". Die inhaltlichen Beiträge zu spannenden Plätzen, Stadtteilen und historisch bedeutsamen Orten, haben unsere Historiker*innen aufgearbeitet und wurden von der Nürnberger Zeitung als Reihe publiziert. Schauen Sie doch mal rein:


Raten Sie mit und testen Sie Ihr Geschichtswissen

| Beitrag vom 08. April 2020, von Kathrin Lehnerer

Bei der beliebten Reihe "Hä? Das Straßenquiz" auf Franken Fernsehen stehen wir als Geschichtsexpert*innen regelmäßig vor der Kamera. Lust auf Mitraten?


Virtuelle Ausflüge in die Vergangenheit:

| Beitrag vom 06. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Momentan müssen wir mit virtuellen Ausflügen vorlieb nehmen. Dabei sind wir nicht auf die nähere Umgebung beschränkt: Nürnberger Luft ist auch außerhalb der Stadtgrenze zu atmen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Heiligkreuzmünster in Schwäbisch Gmünd.

 

 


Geschichten aus dem Henkerhaus:

| Beitrag vom 01. April 2020, von Magdalena Prechsl

In der 1817 veröffentlichten „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“ macht Clemens Brentano „Meister Franz“, wie sich der berühmteste Nürnberger Henker selbst bezeichnete, zur literarischen Figur.

Dass Brentano die 1801 im Druck erschienen Memoiren von Franz Schmidt kannte, belegt nicht nur die Existenz eines Exemplars in seiner Bibliothek, sondern auch die detailgetreue Schilderung der Örtlichkeiten und der Materie: Die in der Novelle beschriebene „Scharfrichterei“, die Wohnung des Henkers, befindet sich am Rande der Stadt.

 

 

Wie auch Franz Schmidt, der als Wundarzt tätig war, wird der literarische Meister Franz wegen heilender Kräuter aufgesucht. Neben dem seit dem Sturm und Drang häufig verarbeiteten Motiv des Kindesmords thematisiert Clemens Brentano hier die volkstümliche Vorstellung, dass das Richtschwert durch ein Erzittern eine drohende Hinrichtung vorhersagt.

 

Laufend aktuelle Beiträge finden Sie auf unseren Social Media Kanälen: