Aktuelle Beiträge:


Liebe Geschichtsinteressierte,

wir freuen uns, Ihnen bei unseren öffentlichen Stadtführungen in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg  faszinierende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Unser Rundgangsangebot finden Sie in unserem Webshop. Neben unseren öffentlichen Veranstaltungen können Sie sehr gerne hier für Ihre Gruppe eine Führung zu einem Thema Ihrer Wahl an Ihrem Wunschtermin buchen.

Alle weiteren Informationen rund um unsere Führungen bzgl. der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Herzliche Grüße

Ihr Team von Geschichte Für Alle e.V.

 


Gibt es in der Fürther Altstadt tatsächlich noch Unbekanntes zu entdecken?

| Beitrag vom 05. Juli 2021, von  Claudia Oehm

„Hast du gewusst, dass es in Fürth die Studentenverbindung Corps Baruthia Fürth gab?
Und dass einst ein Gebäude des Pfarrklösterleins mitten in der Heiligenstraße stand?“

Unser erfahrener Rundgangsleiter Norbert Autenrieth versetzte uns übrige Fürther Rundgangsleitungen vor zwei Jahren ordentlich in Erstaunen. Für die Stadt(ver)führungen 2019 stellte er Anekdoten, Kuriositäten und Wissenswertes zusammen und präsentierte diese in den Straßen rund um die Fürther Altstadtkirche St. Michael. Sein Angebot stieß auf außergewöhnlich großes Interesse und so wurde auch unser aller Ehrgeiz geweckt: Wir wollten einen neuen Stadtrundgang entwerfen, der sich einerseits mit weniger bekannten Geschichten und Ereignissen befasst, und andererseits sich auf Straßenzüge konzentriert, die in anderen Stadtspaziergängen eher stiefmütterlich behandelt werden. Es gründete sich schnell eine „SOKO Geheimnisse“ (bestehd aus den Ehrenamtlichen Norbert Autenrieth, Christian Fritsche, Claudia Oehm, Andy Schirm und Brigitte Wünsche). Wir recherchierten in Archiven, Veröffentlichungen verschiedener Vereine und Autoren, im Internet und bei alteingesessenen Fürther:innen, verteilten die Aufgaben und planten und verwarfen Routen, bis wir zufrieden waren mit der Kombination aus Standorten und Laufwegen.

Sage und schreibe 20 „Geheimnisse“ werden wir auf dieser Tour lüften. Und wir hoffen natürlich auch, dass wir durch unsere Teilnehmer:innen das Rätsel der einen oder anderen „harten Nuss“, die wir selbst nicht haben knacken können, lösen können.

Der Rundgang wird u.a. über eines der größten und ältesten Mietshäuser Süddeutschlands berichten; erklären, woher die Namen der Weinstube „Duckla“ oder der Kneipe „Keimling“ kommen; ein – heute fast vergessenes – Mitglied der kurzen Räterepublik Fürth vorstellen; zeigen, wie glücklich wir uns schätzen können, dass der der sog. Schächterle-Plan nicht umgesetzt wurde; erklären, warum Fürth zwar nie eine Stadtmauer hatte, dafür heute aber Stadtmauerhäuser besitzt; die schönste Bedürfnisanstalt zeigen; von einer Naturkatastrophe im Jahre 1909 erzählen.

Wir freuen uns, dass wir nach einer langen Durststrecke endlich wieder auf Tour gehen können und in unserem neuen Rundgang kleine und große Geheimnisse einem geschichtsinteressierten Publikum präsentieren dürfen. Termine und Tickets für den neuen Rundgang finden Sie hier.

 


Neues digitales Programm zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände in der Testphase - jetzt dabei sein!

| Beitrag vom 03. Juni 2021

Virtual Reality Rundgang über das ehemalige Reichsparteitagsgelände

Digitale Führung

– Pilotphase im Juni und Juli 2021 mit vergünstigten Preisen –

Die Reichsparteitage waren Massenveranstaltungen mit Hunderttausenden an Teilnehmern. Weder diskutierten die Nationalsozialisten dabei ihre Politik, noch stellten sie sie zur Abstimmung. Stattdessen führten sie eine gigantische Inszenierung auf. Als Bühne für das Spektakel ließ Hitler mit dem Bau eines eigenen Geländes mit Aufmarschplätzen, Sportstadien und einer zentralen Halle beginnen. Allerdings wurden viele Bauwerke, wie zum Beispiel die Kongresshalle oder das Deutsche Stadion, nicht fertiggestellt oder existierten gar nur auf dem Reißbrett. Andere Teilbereiche, vor allem das Zeppelinfeld, konnten intensiv genutzt werden und sind auch heute noch weitgehend erhalten.

An den Überresten dieser steingewordenen Weltanschauung lassen sich in der Nachbetrachtung die Mechanismen nationalsozialistischer Selbstdarstellung ablesen. Mit Hintergrundinformationen und Interaktivität vermittelt die Rundgangsleitung den Stellenwert der Architektur in der Propaganda und durch virtuelle 3D Darstellungen wird auch aus der Ferne die Dimension des Areals deutlich. Gerade in der aktuellen Zeit sind neue Wege der historisch-politischen Bildungsarbeit gesucht und Geschichte Für Alle e.V. schafft in Zusammenarbeit mit Blickwinkel Tour durch dieses Programm eine innovative Auseinandersetzung mit dem braunen Erbe. Auf Grundlage einer sachlichen Darstellung und Moderation kann man sich in dieser Tour auch ohne physische Präsenz ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen, denn der Einsatz aktueller Technologien erlaubt die digitale Rekonstruktion und Betrachtung von Bauwerken, die in der Realität nicht (mehr) existieren.

Für die Teilnahme eignet sich am besten eine VR-Brille. Aber auch am PC, Laptop, Tablet oder Smartphone kann man am virtuellen Rundgang teilnehmen und alle 360° Ansichten betrachten. Die digitale Führung ist als Gruppenerlebnis konzipiert. Die Teilnehmer können untereinander und mit der Rundgangsleitung kommunizieren. Interaktion und Teilhabe sind erwünscht. Nach der Buchung erhalten Sie von uns einen Link und weitere Informationen zugeschickt. Es muss keine zusätzliche Software installiert werden.

Die technische und visuelle Realisierung des virtuellen Rundgangs entstand in Kooperation mit dem Nürnberger Unternehmen Blickwinkel Tour.

Organisatorisches

Dauer: ca. 90 Minuten

Teilnehmer:innen: bis zu 15 Personen beziehungsweise Endgeräte

Vergünstigter Preis: 120,- EUR für Schulklassen / 150,- für Erwachsenengruppen

Systemvoraussetzungen

  • Laptop / PC mit Windows 10 oder MacOS mit einer aktuellen Browser-Version von Google Chrome oder Mozilla Firefox
  • Aktuelle Tablets oder Smartphones mit Android oder iOS Betriebssystem
  • VR Systeme: Oculus Go/Quest und alle kabelgebundenen PC-VR-Systeme mit SteamVR/Oculus Kompatibilität
  • Stabile Internetverbindung mit DSL-Geschwindigkeit (Achtung: bei mobilen Daten kann erhöhter Datenverbrauch entstehen.

Für Teilhabe und Interaktion werden zusätzlich Kopfhörer und Mikrofon empfohlen.

Sie möchten das Programm buchen? Nehmen Sie hier Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

 


Auf jüdischen Spuren durch die Marienvorstadt

| Beitrag vom 13. April 2021, von Daniel Gürtler

Im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ führt Geschichte Für Alle e.V. - sobald das Pandemiegeschehen es zulässt - auf jüdischen Spuren durch die Marienvorstadt. Die Marienvorstadt entstand in den 1860er Jahren im Bereich zwischen der Bahnhofstraße und der Pegnitz als erste planmäßige Stadterweiterung Nürnbergs außerhalb der Stadtmauern. Wenige Jahre zuvor war es erstmals - seit mehr als 350 Jahren - Juden und Jüdinnen wieder erlaubt, sich in Nürnberg niederzulassen und das Bürgerrecht zu erwerben. In der Folge zog in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine größere Zahl jüdischer Familien, meist mit ihrem gesamten Unternehmen, nach Nürnberg um. Die Marienvorstadt als Neubauviertel für die gehobene Bürgerschicht entwickelte sich, auch wegen der Nähe zum 1847 eröffneten Centralbahnhof, zu einem der bevorzugten Quartiere für viele der jüdischen Neubürger:innen und ihre Gewerbebetriebe. In ganzen Wirtschaftszweigen wie der Fahrrad- oder der Blechspielwarenindustrie und ganz besonders dem Hopfenhandel waren jüdische Unternehmer lange Zeit führend. Jüdische Familien wie die Bings, Ottenstein, Krakenberger oder Hopf, alle wohnhaft in der Marienvorstadt, hatten einen maßgeblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Aufschwung Nürnbergs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aber auch durch ihr politisches, kulturelles und soziales Engagement prägten diese Familien ihre neue Heimat ganz grundlegend.

Lesen Sie den ganzen Artikel zum jüdischen Leben in der Marienvorstadt in unserem aktuellen Geschichtsrundbrief oder kommen Sie zu einem unserer Rundgänge, die hoffentlich bald wieder stattfinden können.

 


Die Fleischbrücke als wandelbarer "Star" im Stadtrundgang

| Beitrag vom 16. März 2021, von Lena Prechsl

Während wir im Corona-Lockdown sehnlich auf sinkende Fallzahlen und damit auch auf eine Perspektive für den Neustart unserer Stadtführungen warten, beschäftigen wir uns selbstverständlich viel mit der Neukonzeption und Überarbeitung unserer Bildungsprogramme. Dabei freuen wir uns immer wieder, mit welch faszinierenden historischen Bauwerken wir uns in unserer täglichen Arbeit beschäftigen dürfen. Eines davon ist die Nürnberger Fleischbrücke, die in so vielen unserer Stadtrundgänge in der Altstadt besprochen wird. Etliche stadtgeschichtliche Aspekte werden an der Brücke deutlich: So steht sie als Bauwerk an sich für das hohe technische Verständnis, das bereits Ende des 16. Jahrhunderts den Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer in Zusammenarbeit mit den Zimmermeistern Mathes Herdegen und Peter Carl und Baumeister Jacob Wolff d.Ä. im Brückenbau anwendete. Dann lässt sich die im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit so wichtige Handelsverbindung nach Italien illustrieren, ist doch die Fleischbrücke der venezianischen Rialtobrücke nachempfunden. Und wenn eine italienisch anmutende Brücke ihren Platz mitten in einer fränkischen Reichsstadt findet, so zeigt sich, dass nicht nur Güter von Italien nach Nürnberg kamen. Es fand vielmehr auch ein bedeutender Kulturtransfer statt. Die vielen italienischen Einflüsse werden über die Brücke hinaus ja auch an den zahlreichen humanistischen Werken, die in Nürnberg entstanden sind, deutlich.

Doch nicht nur kunst- und kulturhistorisch ist die Brücke interessant. Bei unseren Stadtführungen dient sie auch mit dem an sie anschließenden Ochsenportal als Aufhänger für den Fleischkonsum im Wandel der Zeit. So sind Fleischbrücke und das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Fleischhaus wichtige Stationen unseres ernährungsgeschichtlichen Rundgangs „Rotes Bier und blaue Zipfel“. Die Brücke musste sogar darauf ausgelegt werden, dass ganze aus dem Osten importierte Ochsenherden, die im Fleischhaus geschlachtet werden sollten, das Bauwerk passieren konnten.

Auch rechts- und kriminalgeschichtlich ist die Brücke ein spannender Ort. Auf dem Vorgängerbau der heutigen, 1598 fertiggestellten Brücke befand sich der sogenannte Ohrenstock, in dem der Henker seine Instrumente zur Durchführung von körperlichen Strafen aufbewahrte. Und auch als Ort der Bestrafung „am Leib“ findet die Fleischbrücke ihren Platz in der Nürnberger Kriminalgeschichte und damit auch in unserer Stadtführung „Mörder, Fälscher, Messerstecher“. So wurde hier zum Beispiel einem Mann, der wegen Gotteslästerei verurteilt worden war, von Nürnbergs bekanntestem Henker Franz Schmidt 1591 die Zunge abgeschnitten.

In unserem Rundgang „Romantische Pegnitz?!“ erklären wir am Beispiel der Fleischbrücke hingegen, dass das Fragezeichen im Rundgangstitel völlig zurecht steht. Denn der heute so bekannte, steinerne Bau ist überhaupt erst entstanden, weil ein gewaltiges Hochwasser die hölzerne Vorgängerbrücke 1595 vernichtete. Damit findet die Fleischbrücke auch im Themenkomplex der Umweltgeschichte ihren Weg in unsere Bildungsarbeit.

Anhand der vielen historischen Dimensionen und Zusammenhänge, die an einem einzigen Bauwerk erläutert werden können, zeigt sich, wie faszinierend die Arbeit mit der Stadtgeschichte ist und wie viel es im öffentlichen Raum zu entdecken gibt. Es lohnt sich also immer, ob auf einem Stadtrundgang oder alleine, die Augen offen zu halten. Es gibt viel zu entdecken.

 


Schulprojekt zu Nürnberger "Euthanasie"-Opfern

| Beitrag vom 26. Februar 2021, von Dr. Pascal Metzger

Seit diesem Schuljahr führt Geschichte Für Alle e.V. ein lange geplantes Projekt mit einem P-Seminar des Hermann-Kesten-Kollegs durch. Gemeinsam recherchieren wir die Biografien von Nürnberger*innen, die im NS-Staat Opfer von „Euthanasie“ oder Zwangssterilisationen wurden. Die Seminartreffen finden als Videokonferenzen statt, die Archivrecherchen wurden teilweise schon vor Corona durchgeführt, darüber hinaus sind zahlreiche Mitarbeiter*innen der (derzeit geschlossenen) Archive sehr hilfsbereit. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert und es werden Stolpersteine verlegt. Die Lokalpresse berichtete vor ein paar Tagen über das Vorhaben. Den Bericht finden Sie hier.

 


Nürnberg im Mittelalter: Ein Hörtipp für Geschichtsfans

| Beitrag vom 5. Februar 2021, von Lena Prechsl

Nürnberg war im Spätmittelalter eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reichs. Noch heute zeugt auf der einen Seite die Kaiserburg von der großen Nähe der Stadt zum Kaiser. Von diesem, genauer von Friedrich II., bekam Nürnberg 1219 ein erstes weitreichendes Stadtprivileg. Auf der anderen Seite symbolisieren beispielsweise die beiden mächtigen „Bürgerkirchen“ St. Lorenz und St. Sebald das große Selbstbewusstsein der städtischen Bürgerschaft. Diese etablierte eine ausgedehnte städtische Selbstverwaltung, die um 1400 schließlich die zollerischen Burggrafen aus der Stadt drängte. Nürnberg war damit zu einer Reichsstadt geworden, in der das städtische Patriziat eine sehr große politische Machtfülle auf sich vereinte.

In der Folge entwickelte Nürnberg im 15. Jahrhundert eine große Blütezeit. Noch heute lässt sich diese an kulturellen Schätzen wie den Schriften zahlreicher bedeutender Humanisten oder den Werken zahlreicher sehr bekannter und auch weniger bekannter Künstler ablesen.

Grundlage für diese so positive kulturelle Entwicklung im Spätmittelalter (und auch darüber hinaus) war das geschickte Agieren der Großkaufleute (unter ihnen auch viele Patrizier) und der Einfallsreichtum der Handwerker. So war Nürnberg nicht nur Zentrum für beispielsweise den Textil- und Gewürzhandel, sondern auch viele bedeutende Erfindungen lassen sich in der Reichsstadt verorten. So wurde hier beispielsweise der mechanische Drahtzug, der sich der Wasserkraft bedient, erfunden, was die Stadt zu einem Zentrum der Drahtproduktion machte.

Viele dieser spannenden Aspekte der spätmittelalterlichen Nürnberger Stadtgeschichte lassen sich am besten in der Altstadt selbst ablesen. Wir können es kaum erwarten, unsere Rundgangsteilnehmer*innen vor Ort wieder auf kleine und große Zeugnisse der Vergangenheit aufmerksam zu machen. Wen auch die Sehnsucht nach einer Ladung Stadtgeschichte packt, der oder dem sei der schöne Radiobeitrag „Auf dem Weg zur Metropole“ von Bayern 2 zu Nürnberg im Mittelalter empfohlen. Neben dem langjährigen Leiter des Staatsarchivs Prof. Dr. Peter Fleischmann ist in dem Beitrag auch unsere Rundgangsleiterin Esther Guckenberger zu hören, die von Redakteur Michael Zametzer bei einem Rundgang durch die Altstadt begleitet wurde. Den Beitrag finden Sie hier.

 


Weihnachtsgruß des Vorstands

| Beitrag vom 22. Dezember 2020

Liebe Mitglieder, Mitarbeiter*innen und Geschichtsinteressierte,

ereignisreiche Monate liegen hinter uns. Noch nie in der Geschichte unseres Vereins ist ein Jahr so grundlegend anders verlaufen als wir es erwartet hätten. Die Coronakrise hat die Bildungsarbeit über Monate in weiten Teilen auf Eis gelegt. Auftragsflaute, Kurzarbeit und die nicht immer erfüllte Hoffnung auf staatliche Unterstützung sind nur einige der Folgen.

Und doch: Geschichte Für Alle e.V. lebt seit seiner Gründung vor 35 Jahren vom stetigen Wandel. Das ist, was uns als Institution und als Verein auszeichnet. Es war von Anfang an unser Ziel, neue Wege zu beschreiten: neue Wege in der Auseinandersetzung mit Geschichte, in deren Vermittlung und in der Zusammenarbeit zwischen ausgebildeten Historiker*innen und sog. „Bürgerforscher*innen“ (also historisch interessierten Laien). Das macht uns Mut, auch die großen Herausforderungen, die die gegenwärtige Krise mit sich bringt, langfristig positiv gestalten zu können. Wir haben Lust auf Neues, sei es in den Bereichen Digitalisierung, der Geschichtsvermittlung oder der Projektarbeit. Viele Grundlagen wurden in diesem Jahr gelegt und wir freuen uns darauf, sobald es die Pandemie wieder zulässt, gemeinsam den Geschichtsverein in die Zukunft zu bringen.

Um diesen Weg gehen zu können, waren und sind wir sowohl auf finanzielle als auch auf personelle Unterstützung angewiesen. Wir danken allen Mitarbeiter*innen, die sich mit großem persönlichem Einsatz auf die neue Situation eingestellt haben und einen Beitrag dazu leisten, dass auch in der Zukunft die so relevante Arbeit unseres Vereins sichergestellt ist. Wir danken auch ganz herzlich allen Mitgliedern, die durch ihre Teilhabe am Vereinsleben, aber auch ihre Mitgliedsbeiträge ein Bestehen unseres Vereins auf ideeller und finanzieller Ebene sichern. Ganz besonders sei denjenigen, die uns durch Spenden in der Krise unterstützt haben, gedankt. Die Bereitschaft, Geschichte Für Alle durch Spenden zu unterstützen, hat uns sehr bewegt.

Wir wünschen Ihnen schöne und entspannte Festtage und freuen uns schon, 2021 wieder mit Ihnen die Geschichte der Region zu entdecken. Bleiben Sie gesund und starten Sie glücklich in das neue Jahr!

Herzliche Grüße

Alexander Büttner, Wolf Hergert und Ruth Papadopoulos
Vorstand

 


Radiobeitrag zu den Hexenverfolgungen

| Beitrag vom 08. Dezember 2020, von Lena Prechsl

Unsere lange Erfahrung zeigt, dass Stadtführungen besonders dann auf großes Interesse stoßen, wenn es vor Ort (noch) richtig viele Spuren der Vergangenheit zu sehen gibt. Etwas anders ist die Lage in Bamberg. Hier ist die Führung, für die sich die meisten Menschen interessieren, unser Rundgang zum Thema Hexenverfolgung. Spuren zu diesem dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte finden sich in Bamberg kaum. Dort, wo sich im 17. Jahrhundert das Hexengefängnis („Malefizhaus“) befunden hat, schaut man heute auf eine Bäckereifiliale. Und doch kann man sich in Stadt, wo die Fürstbischöfe in der Frühen Neuzeit drei Verfolgungswellen mit über 1000 Toten verantworteten, anhand der überlieferten Schicksale ein eindrucksvolles Bild der Hexenverfolgungen machen.

Auch der Bayerische Rundfunk hat das Thema nun ein weiteres Mal aufgegriffen und einen Radiobeitrag zu den Hexenverfolgungen (schwerpunktmäßig in Eichstätt) gemacht, bei dem auch unsere Mitarbeiterin Franca Heinsch als Interviewpartnerin zu Wort kommt und die Aspekte der Bamberger Geschichte miteinbringt. Reinhören lohnt sich, den Link zum Beitrag finden Sie hier.

 


"Abgründe"-Podcast zu Gast im Henkerhaus

| Beitrag vom 27. November 2020, von Lena Prechsl

Die aktuelle Folge des „Abgründe“-Podcasts der Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung blickt tief zurück in die Vergangenheit. Unter anderem geht es um Franz Schmidt, den berühmtesten Nürnberger Henker (vermutl. 1555–1634) und sein Diensttagebuch „All mein Richten“.

Franz Schmidt bewohnte, während er als Henker – oder „Nachrichter“ – in der Stadt arbeitete, das Henkerhaus über der Pegnitz. Seit 2007 zeigt Geschichte Für Alle e.V. hier eine Ausstellung zur Rechts- und Kriminalgeschichte. Während sich das kleine Museum vor allem mit Nürnbergs reichsstädtischer Zeit beschäftigt, also dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, spannt die aktuelle Podcast-Folge den Bogen bis in die Gegenwart. Dabei geht es um u.a. um die spannende Frage, wie weit die Ermittlungsbehörden heute bei Verhören gehen dürfen, insbesondere wenn Menschenleben akut gefährdet sind.

Unser Henkerhaus wie auch unsere kriminalhistorischen Stadtrundgänge sind derzeit leider weiterhin in der Corona-Pause. Dennoch sind wir nicht untätig. Im nächsten Jahr wird sich einiges im Henkerhaus tun, bleiben Sie gespannt.

Falls Sie nach dem Hören des Podcasts noch mehr Lust auf die Kriminalgeschichte haben, haben wir hier Lesestoff für Sie. So kann man sich mit der Neuauflage des Tagebuchs von Franz Schmidt selbst auf eine Spurensuche in die Zeit um 1600 machen, Frühneuhochdeutsch inklusive.

 


75 Jahre Nürnberger Prozesse – 20 Jahre GFA im Saal 600 – 10 Jahre Memorium

| Beitrag vom 20. November 2020, von Dr. Pascal Metzger

Am 20. November 1945 begannen die Nürnberger Prozesse. Ein Meilenstein in der Entwicklung des Völkerrechts und Völkerstrafrechts: Zum ersten Mal mussten sich führende Staatsmänner persönlich vor Gericht dafür verantworten, Krieg geführt und Kriegsverbrechen begangen beziehungsweise unterstützt zu haben. Verbrechen gegen die Menschheit von unfassbarem Ausmaß wurden dabei aufgeklärt. Die Nürnberger Prozesse fanden lange keine Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung und keine Nachahmung auf zwischenstaatlicher Ebene, der Weg zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, 2003 konstituiert, war ein langer.

Geschichte Für Alle e.V. nahm im Jahr 2000 die historisch-politische Bildungsarbeit im Saal 600 auf und hielt dort fortan regelmäßig Vorträge für Besucher*innen aus der ganzen Welt. So wie heute waren es damals schon überwiegend Menschen aus den USA, die sich für den historischen Ort interessierten. Ein Besuch des Schwurgerichtssaals war allerdings nur unter der Woche möglich und nur, wenn dort gerade keine Gerichtsverhandlung stattfand, was man oft erst am Tag selbst erfuhr.

Mit einem Festakt am 21. November 2010 eröffnete das Memorium Nürnberger Prozesse seine Dauerausstellung. Als Kooperationspartner des Memoriums führten wir seit 2010 mehrere tausend Gruppen durch die Dauerausstellung und betreuten sie bei moderierten Programmen. In unserem Angebot finden sich Überblicksveranstaltungen ebenso wie individuell wählbare Schwerpunkte, zum Beispiel zu einem der Nachfolgeprozesse gegen Ärzte oder Juristen. Die Teilnehmer*nnen setzen sich dabei nicht nur mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen durch die Alliierten und später in West- und Ostdeutschland auseinander, sondern auch mit aktuellen Fragestellungen zum Völkerrecht und gegenwärtigen Konflikten.

Seit diesem Sommer bieten wir auch eine Außenführung rund um den Justizpalast und vor die Tore der Justizvollzugsanstalt an. Neben der Historie der Nürnberger Prozesse sprechen wir dabei über die Baugeschichte des seit seiner Eröffnung 1916 größten Gerichtsgebäudes in Bayern und über die Architektur und Nutzung des 1868 erbauten Zellengefängnisses. Weitere Infos zu dieser Führung finden Sie hier.

 


Buch-Neuerscheinung: Erlangen. Die Hugenottenstadt

| Beitrag vom 11. November 2020, von Hartmut Heisig

Die vielseitige Geschichte Erlangens von den mittelalterlichen Anfängen bis zur modernen Großstadt erzählt der neu erschienene 17. Band der Reihe „Historische Spaziergänge“.

Erlangen blickt auf über 1000 Jahre Stadtgeschichte zurück. Erstmals erwähnt als „Villa Erlangon“ im Jahr 1002 entwickelte sich vor allem östlich der Regnitz rasch die Siedlung, die später als Hugenottenstadt, Universitätsstadt oder auch Siemensstadt bekannt werden sollte. Insbesondere unter der Herrschaft der Hohenzollern, die von 1402 bis 1806 die Geschicke der Stadt lenkten, entwickelte sich die Erlangen enorm. Die wohl wichtigste Zäsur dieser Zeit war, dass 1686 Markgraf Christian Ernst französische Glaubensflüchtlinge einlud, sich in Erlangen anzusiedeln. Für die Hugenotten, die diesem Ruf folgten, wurde gar eine neue Stadt errichtet und nach einigen Startschwierigkeiten erwies sich das soziale Experiment des Zusammenlebens verschiedener Konfessionen als Motor für die Wirtschaft, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts florierte.

Als Erlangen 1810 an das Königreich Bayern angeschlossen wurde, war diese Blütezeit bereits vorüber und erhebliche Armut herrschte in der Stadt. Doch durch die 1743 gegründete Universität und die infrastrukturelle Anbindung an den Ludwigskanal und die Eisenbahn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Erlangen zu einer Industriestadt. Vor allem für den Export von Bier, Textilien und nicht zuletzt Produkten aus dem Bereich der Medizintechnik wurde Erlangen als Innovationszentrum bekannt.

Während der NS-Zeit wurden in Erlangen schwere Verbrechen begangen. Das bekannteste davon ist die Ermordung von über 2.000 geistig behinderten und psychisch kranken Menschen in der sog. Heil- und Pflegeanstalt. Anders als andere Städte in der Region wurde Erlangen im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört. Nach dem Krieg konnte man so schnell wieder an die wirtschaftlichen Erfolgszeiten anknüpfen und die Stadt an der Regnitz wurde zur „Medizinhauptstadt Deutschlands“.

Das neue, reichbebilderte Büchlein lädt dazu ein, diese und viele weitere Facetten der Erlanger Stadtgeschichte zu entdecken. Anhand von 17 Stationen werden die bekannten und unbekannten Seiten der Stadt unterhaltsam präsentiert. Gerade jetzt während des zweiten Lockdowns ist diese neue Publikation eine tolle Möglichkeit, bei einem Spaziergang Erlangen (besser) kennenzulernen oder gemütlich zu Hause auf dem Sofa in die Stadtgeschichte einzutauchen.

 Weitere Informationen zu der Publikation finden Sie hier.

 


Mit den Händen sehen – blinde und sehbehinderte Menschen erkundeten die Kongresshalle

| Beitrag vom 21. Oktober 2020, von Ulrike Hauffe

In Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände bot Geschichte Für Alle zum ersten Mal einen öffentlichen Rundgang zur Erkundung der Kongresshalle für blinde und sehbehinderte Menschen an.

Die Informationen zu den Reichsparteitagen der Nationalsozialisten in Nürnberg und dem unfertigen Bau der Kongresshalle wurden für die sehr interessierten 13 Teilnehmer*innen nicht nur über die Sprache plastisch. Tastmodelle verdeutlichten die Dimensionen des Geländes und der Bauten, die Fassadenstruktur der Kongresshalle und den Raumeindruck. Steinproben wie Granit oder Marmor ließen die beabsichtigte propagandistische Wirkung der Baumaterialien klarer werden. Mit dem Langstock ließen sich im Arkadengang die Proportionen Gebäude – Mensch nachvollziehen.

In angenehmem Austausch wurden Fragen beantwortet, wurde Wissen zusammengeführt, wurde gelacht und bei den Sehenden ein neues Verständnis für die Darstellung geweckt.

Diese Veranstaltung verstärkte die Motivation, Zielgruppen mit anderen Wahrnehmungsschwerpunkten im Rundgangsprogramm öfter anzusprechen.

Ein Dankeschön an alle, die kamen, die den Rundgang ermöglichten und die freiwilligen Begleitpersonen, die halfen, die kritischen Ecken sicher zu umgehen.

 

 

Das Zeppelinfeld als Geschichtsquelle ersten Ranges

| Beitrag vom 06. Oktober 2020, von Pascal Metzger

Am vergangenen Samstag führten der Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin (vormals Kulturreferat), das Dokuzentrum und Geschichte Für Alle e.V. zum siebten Mal seit dem Jahr 2011 einen Informationstag am Zeppelinfeld durch.

Als Ergebnis eines jahrzehntelangen Diskussionsprozesses mit der Bürgerschaft und Expert*innen entschied sich die Stadtverwaltung für den Erhalt und die Instandsetzung der Bauwerke auf dem Zeppelinfeld.

Geschichte Für Alle e.V. spricht sich ebenfalls dafür aus, das ehemalige Reichsparteitagsgelände nicht wie in früheren Jahrzehnten totzuschweigen, abzureißen und zu überbauen, sondern sich mit der hervorgehobenen Rolle der Stadt im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und das architektonische Erbe als Geschichtsquelle zu bewahren und zur historisch-politischen Bildungsarbeit zu nutzen.

An dem Thementag bekamen die Besucher*innen bei unseren kostenlosen Führungen Informationen über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Zeppelinfeldes und der Zeppelintribüne vermittelt. Städtische Mitarbeiter*innen aus den Bereichen Kultur und Bauen standen allen Interessierten an einem Infopavillon Rede und Antwort.

Von 9 bis fast 19 Uhr führten wir insgesamt 36 Rundgänge durch, darunter auch Touren in verschiedenen Fremdsprachen und mit Gebärdensprachdolmetscherin.

An dem Tag genossen alle Rundgangsleiter*innen ein bisschen „Rundgangsnormalität“ in einer Zeit, in der coronabedingt nur wenige Stadtrundgänge gebucht werden.  

 

Vereinsleben fährt wieder hoch: Führung zum Thema "Holz in Nürnberg"

| Beitrag vom 30. September 2020, von Lena Prechsl

Seit Mitte September finden (endlich!) wieder Veranstaltungen und Fortbildungen für unsere Rundgangsleitungen und Fördermitglieder statt.

Am vergangenen Freitag führte unsere ehrenamtliche Leiterin des Ressorts Nürnberg-Innenstadt ca. 20 Vereinsmitglieder auf den Spuren des Holzhandwerks und Holzabbaus durch die Altstadt. Im ersten Teil der Spezialführung ging es um die Zeit im Spätmittelalter, als Nürnberg als aufstrebende Stadt sehr viel Brenn- und Baumaterial verbrauchte und es Peter Stromer als „Tannensäer“ gelang, die Aufforstung im Nürnberger Reichswald in die Wege zu leiten. Der weitere Weg führte die Gruppe zur sagenumwobenen Linde im Nürnberger Burghof. Außerdem wurden auf der Burg die Pionierleistungen von Maria Sybilla Merian (1647–1717) gewürdigt, die Pflanzen und die dazugehörigen Tiere genau bildlich darstellte. Auf der Kaiserburg wird der bedeutenden Naturforscherin und Künstlerin heute mit dem Maria Sibylla Merian-Garten gedacht.

Im zweiten Teil des Rundgangs besuchte die Gruppe eines der ältesten Fachwerkhäuser Nürnbergs in der Oberen Schmiedgasse. Dort berichtete der Schreiner und Architekt Daniel Votteler über die Bauweise des Hauses und auch über die aktuelle Instandsetzung, vor allem im Hinblick auf den Baustoff Holz. Auch wenn der Verzicht auf unsere Highlights wie die Studienfahrt, aber auch das Sommerfest und die Weihnachtsfeier schmerzhaft ist, so freut es uns unter den gegeben Umständen umso mehr, dass ein unmittelbarer Austausch zwischen den Mitgliedern von Geschichte Für Alle im kleinen Rahmen nun wieder möglich ist.

Alle weiteren geplanten Veranstaltungen finden Sie im Geschichtsrundbrief.

 


Die Geschichte der Hallerwiese

| Beitrag vom 2. September 2020, von Philipp Bayerschmidt

In den Sommermonaten ist die grüne Oase an der Pegnitz zwischen dem Weidenmühlsteg und dem Hallertor ein beliebter Platz, um im Freien das schöne Wetter zu genießen. Die Hallerweise ist die erste Grünanlage Nürnbergs und bereits seit mehr als 600 Jahren ein wichtiger Freizeit- und Festplatz.

1434 erwarb der Rat der Stadt Nürnberg das Gelände von ihrem ursprünglichen Besitzer, einem Mitglied der Patrizierfamilie Haller. Daher leitet sich der heutige Name ab, der sich über die Jahrhunderte halten konnte. Da die Wiese im Hochwasserbereich der Pegnitz lag, konnte sie weder bebaut noch landwirtschaftlich erschlossen werden. Somit war das schon länger von der Allgemeinheit genutzte Gelände die ideale Wahl, um als Versammlungs- und Festplatz mit einem kleinen Park für Sport, Spiel und Feste zu dienen. Die erste öffentliche Grünanlage Nürnbergs war geboren.

Bereits in den 1430er Jahren wurde ein Entwässerungsgraben gezogen und später im westlichen Teil von Stadtbaumeister Paulus Vorchtel mehrere Reihen Linden gepflanzt. Der östliche Teil wurde als Freifläche für Spiel und Festversammlungen belassen. Nahe der Stadtmauer befand sich eine Schießanlage mit „Schießhäuslein“ für die Armbrustschützen. Als weitere Attraktion wurden 1482 drei Röhrenbrunnen errichtet.

Die einladend gestaltete Wiese stand grundsätzlich allen Bürger*innen für Feste und Spiele zur Verfügung, weshalb sie mitunter „Allerwiese“ genannt wurde. Man traf sich, um zusammen Karten-, Würfel und Brettspiele zu spielen oder um die Parkanlage zu genießen.

Im 16. Jahrhundert wandelte sich der Charakter des Geländes hin zu einer Flaniermeile, die nicht den besten Ruf hatte. Das Gebiet stand jedoch unter erhöhtem rechtlichen Schutz und wurde zur Muntat erklärt, einer Zone mit besonderem Rechtstatus. Verstöße gegen geltendes Recht wie Betrug beim Spiel, Beleidigungen oder Körperverletzungen wurden besonders streng geahndet.

Die Hallerwiese diente jedoch nicht nur der Erholung, sondern auch der körperlichen Ertüchtigung und wurde nach dem Willen des Rates der erste Nürnberger Sportplatz. Hier übten sich die jungen Männer im Speerwerfen, Ringen, Reiten, Fechten, Stein- oder Stangenstoßen. Dies geschah allerdings nicht nur zum Vergnügen, sondern auch zur Erhaltung der Wehrfähigkeit, um Nürnberg gegen die ständige Bedrohung durch den Markgrafen von Ansbach behaupten zu können. Bis den Armbrust- oder Schnepperschützen im 15. Jahrhundert vom Rat andere Übungsplätze zugewiesen wurden, trainierten diese ebenfalls dort. Heute erinnert noch der Schnepperschützenbrunnen, der einen Schützen zeigt, der auf eine imaginäre Vogelstange zielt, an die Tradition dieses Sportes. Er wurde vom Bildhauer Leonhard Herzog 1904 geschaffen.

1439 beging man hier das erste urkundlich nachweisbare Armbrust-Schützenfest. Solche Feste fanden von nun an alljährlich statt und waren keineswegs nur von lokaler Bedeutung. Aus Weit und Fern lud der Rat zu diesem Spektakel ein. 1579 kamen etwa 100 Schützen von außerhalb angereist. Die Hallerwiese wurde aufwendig und reichlich geschmückt und der Rat scheute keine Kosten und Mühen, um das Unterhaltungsbedürfnis der Bevölkerung zu befriedigen.

Neben dem Brunnen erinnert auch das heutige Café „Schnepperschütz“ mit seinem Namen an diese sportliche Betätigung. Es befindet sich in dem historischen Gemäuer neben dem Hallertor.

 

Literatur zum Thema


Testen Sie Ihr Geschichtswissen

| Beitrag vom 25. August 2020, von Philipp Bayerschmidt

In unserer Quiz-Reihe können Sie Ihr Wissen zu den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg testen.

Hinter jedem der 12 Bilder verbirgt sich eine Frage. Per Klick können Sie diese öffnen und eine Antwortmöglichkeit auswählen. Die Auflösung für das gesamte Quiz gibt am Ende der rote Button neben den Antwortfeldern. 

Um das Quiz starten zu können, müssen Sie die PDF-Datei herunterladen und mit einem PDF-Reader öffnen. Wenn Sie die Datei in ihrem Browser öffnen, funktioniert das Quiz leider nicht.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Rätseln. 

Quiz 1: Die Fürther Innenstadt 
Quiz 2: Das Nürnberger Volksbad

 

Wie die Corona-Pandemie Geschichte Für Alle e.V. trifft

| Beitrag vom 18. August 2020, von Lena Prechsl und Bernd Windsheimer

2020 sind es nicht frühneuzeitliche Pestordnungen oder Akten über die Nürnberger Choleranotspitäler des 19. Jahrhunderts, die uns beschäftigen, sondern die Corona-Pandemie, die die ganze Welt vor ungeahnte Herausforderungen gestellt hat. Es ist zu erwarten, dass auch das neuartige Corona-Virus, wie die Seuchenereignisse der Vergangenheit, weitreichende Folgen haben wird. Für Geschichte Für Alle e.V. könnte die Situation auf jeden Fall nicht weiter von den Erwartungen entfernt sein, die wir zu Beginn des Jahres 2020 hatten.

Die neue Ausgabe unseres halbjährlich erscheinenden Geschichtsrundbriefs gibt einen Überblick zur aktuellen Situation bei Geschichte Für Alle e.V. Die momentane Lage hat große Auswirkungen auf viele Bereiche des Vereins. Für die Saison 2020 erwarteten wir eigentlich erneut ein Jahr, indem wir Führungen für über 12.000 Gruppen anbieten würden. Zwischen März und Juni lag dann aber unsere gesamte Vermittlungsarbeit brach, mit weitreichenden Folgen für den Verein als Ganzes, vor allem jedoch für die angestellten und freien Mitarbeiter*innen.

Wie sehr die Krise Geschichte Für Alle e.V. verändern wird, ist nicht absehbar. Zu unseren öffentlichen Führungen, die wir seit Mitte Juni wieder anbieten, kommen erfreulich viele Teilnehmer*innen. Viele Dinge, die wir uns nicht hätten vorstellen können, wie ein Mindestabstand zwischen Gruppenmitgliedern oder das Führen mit Maske in geschlossenen Räumen, funktionieren mit reichlich Improvisation erstaunlich gut. Und auch große strukturelle Maßnahmen wie das Einrichten eines Webshops für den Vorverkauf der Rundgangstickets (der zur Regulierung der Gruppengröße bei öffentlichen Führungen erforderlich ist) konnten und mussten wir aus dem Druck der gegenwärtigen Lage heraus sehr viel schneller umsetzen, als wir eigentlich geplant hatten.

Doch diese freigesetzten Potentiale und positiven Erfahrungen in der Krise können nicht darüber hinwegtäuschen, dass an Juli-Tagen, an denen 2019 teilweise über 100 Führungen bei uns gebucht waren, in diesem Jahr höchstens zwei Gruppen mit Geschichte Für Alle e.V. in Nürnberg unterwegs waren. Diesen enormen Schock für unsere Arbeit zu überwinden, wird viel Zeit brauchen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in unserem Geschichtsrundbrief.

 


Die Geschichte des Nürnberger Altstadtrings

| Beitrag vom 11. August 2020, von Philipp Bayerschmidt

Ein schöner Blick in die Vergangenheit: der Vestnertorgraben um das Jahr 1907. Die heutige Straße „Vestnertorgraben“ ist Teil des Nürnberger Altstadtrings, der sich einmal um die gesamte Stadtmauer zieht. Ende des 19. Jahrhunderts entsprach es in ganz Europa dem Zeitgeist, die alten Stadtmauern abzureisen, um Platz für den Verkehr und die Stadtentwicklung zu schaffen. Vorbilder hierfür waren das neugestaltete Paris sowie die Wiener Ringstraße.

Nach der Auflösung der Festungseigenschaft, wollte man in Nürnberg die Stadtmauer zum Abriss freigeben. Man sah in ihr weniger ein historisches Denkmal, als vielmehr ein Verkehrshindernis. Zwischen 1868 und 1876 erteilte man den Abriss der Mauer am Sterntor, am Laufer Tor sowie großer Teile der Stadtbefestigung. Demnach sollten am Ende nur die vier runden Tortürme sowie die Mauer zwischen Tiergärtnertor und der Kaiserburg erhalten bleiben. Der Stadtgraben hätte aufgeschüttet werden sollen.

Der Bleistiftfabrikant Lothar von Faber präsentierte 1879 in seiner Denkschrift „Die Zukunft Nürnbergs“ eine ähnliche radikale Lösung. Auf den ehemaligen Befestigungsanlagen sollten Kultureinrichtungen, Theater und Schulen, aber auch weitere Plätze, Brunnen und Monumente entstehen. 

Verhindert wurden diesen Vorhaben nicht von den Nürnbergern. Der Münchener Altertumsverein setzte sich mit Unterstützung des bayerischen Königs Ludwig II. für den Erhalt der Mauer ein. Ein königlicher Erlass verfügte, dass eine Änderung an den Stadtmauern von höchster Stelle genehmigt werden musste. 1890 fand in der Nürnberger Stadtverwaltung ein Umdenken statt, und es setzte sich eine zunehmend positive Bewertung der Stadtmauern als historisches Denkmal durch. 

Zwar wurden manche Einbauten in die Mauer, wie die Musikschule am Hallertor, die Kunsthalle oder Künstlerhaus gebaut, jedoch ging man nun behutsamer vor und verwarf die Idee eines Komplettabrisses. Für einige Mauerpartien, wie etwa jene am Gewerbemuseumsplatz, kam dieser Sinneswandel jedoch zu spät. 

Da der Stadtgraben erhalten blieb, setzen sich die heutigen Bezeichnungen der Straßenzüge des Altstadtrings nach den jeweiligen Stadtmauerabschnitten in Verbindung mit dem Wort „Graben“ zusammen.

Gunter Demnig zur Stolpersteinverlegung in Nürnberg

| Beitrag vom 20. Juli 2020, von Dr. Pascal Metzger

Auch in diesem Jahr kam der Bildhauer Gunter Demnig nach Nürnberg, um Stolpersteine zu verlegen. Das Kunstprojekt der Stolpersteine rief er im Jahr 1992 ins Leben. Mittlerweile erinnern über 77.000 der kleinen Messingtafeln in 24 Ländern Europas an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Frei von jeglichem Pathos erinnern sie an eine Person an deren letztem freigewählten Wohnsitz. Sie sprechen zu jedem, der sie wahrnimmt, ganz einfache Worte: Die Verfolgung begann hier, jeder konnte es wissen.

Die ersten Stolpersteine in Nürnberg wurden 2004 verlegt. Seit 2018 fungiert Geschichte Für Alle e.V. als Gunter Demnigs lokaler Ansprechpartner, um Anfragen zu bündeln, Opferbiografien zu recherchieren und die Verlegung der Steine vor Ort zu koordinieren. In der Stadt gab es bis vor kurzem 92 Stolpersteine, am 16. Juli 2020 verlegte Gunter Demnig 19 weitere.

Den Anstoß zur diesjährigen Verlegung gaben in den meisten Fällen Nachfahren der Opfer, die ihren Angehörigen auf diese Weise ein Andenken bewahren wollen. Zur Verlegung reisten einige der Nachfahren aus dem europäischen Ausland an. Ursprünglich planten auch Familien aus den USA für die Verlegung nach Nürnberg zu kommen, was ihnen aufgrund der aktuellen Umstände, die das Corona-Virus verursacht, aber nicht möglich war.

Unter den Opfern, derer nun mit einem Stolperstein gedacht wird, befindet sich der damals 64-jährige Kaufmann Simon Löb. Er wurde in der sogenannten Reichskristallnacht von SA-Männern in seiner Wohnung in der Pirckheimerstraße totgetreten. Seine Frau Emilie konnte nach Frankreich fliehen und überlebte dort. Die beiden erwachsenen Söhne Fritz und Rudolf wurden in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet.

Eine Nürnberger Schulklasse recherchierte die Geschichte der Geschwister Else und Siegfried Blumenthal, die wie viele andere jüdische Nürnberger 1942 nach Izbica deportiert wurden, wo sich ihre Spur verliert.

Die Presse begleitete diese Verlegung. Das Franken Fernsehen hat einen Beitrag hierzu gedreht und auch in der Frankenschau im BR ist ein kurzer Bericht (ab 19:36) zu sehen.

 


Nürnberg und die Reichskleinodien

| Beitrag vom 24. Juni 2020, von Andreas Krätzer

Das Heilig-Geist-Spital war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit nicht allein Stätte der Krankenpflege und des religiösen Lebens, sondern gewann auch weit über die Stadt hinaus politische Bedeutung: Dreieinhalb Jahrhunderte (1424–1796), diente das Spital als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien und damit des wichtigsten Schatzes des Heiligen Römischen Reichs. 

Die Reichskleinodien wurden im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein als weltliche, symbolische Herrschaftsinsignien betrachtet. Sie hatten vor allem eine enorme symbolische Bedeutung: Die Vormoderne war eine Zeit, in der viele Menschen nicht Lesen und Schreiben konnten, weshalb noch mehr als heute auf symbolische Kommunikation gesetzt wurde. In der mittelalterlichen Auffassung konnte nur derjenige nach der Wahl zum Herrscher werden, der am richtigen Ort mit den richtigen Herrschaftszeichen gekrönt wurde. Für die Menschen waren also die Reichskleinodien die Verdinglichung des Reiches.

Die 31 Stücke der Reichskleinodien teilen sich auf in die Nürnberger (28 Teile) und die Aachener (3 Teile) Kleinodien und stellen den einzigen mittelalterlichen Kronschatz dar, der bis heute nahezu unverändert erhalten ist. Diese bestanden aus den Krönungsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches (Schwert Karls des Großen, Kaiserkrone Ottos des Großen, Zepter, Reichsapfel, Krönungsgürtel...) und verschiedenen Reliquien (Rock Johannes’ des Evangelisten, Zahn Johannes’ des Täufers, ein Stück der Krippe von Bethlehem, ein Span vom Kreuz Christi und die heilige Lanze).

Die Nürnberger Kleinodien verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie von 1424 bis 1796 in der Kapelle des Nürnberger Heilig-Geist-Spitals aufbewahrt wurden. Nach diversen Aufenthaltsorten entschied sich König Sigmund 1424, die Reichskleinodien für „ewige Zeit“ in Nürnberg zu verwahren.

Die Reichskleinodien fanden ihren Platz in zwei voneinander getrennten Verwahrorten im Heilig-Geist Spital: Die Reichsinsignien (Krone, Reichsapfel, Schwerter etc.) und der Reichsornat (Krönungsmantel, etc.) wurden in einem Gewölbe oberhalb der Sakristei der Kirche in einem Wandschrank deponiert. Die Reichsreliquien wurden im so genannten Heiltumsschrein verwahrt, welcher unter dem Chorgewölbe herabhing. Man wollte den Gläubigen die Präsenz der Reliquien nahe am Altar zeigen – somit waren sie für alle sichtbar und zugleich sicher vor Diebstahl.

Von 1424 bis 1524 wurden die Reichskleinodien und Reichsreliquien einmal im Jahr, am zweiten Freitag nach Ostern zum Fest der Hl. Lanze, auf dem Hauptmarkt dem Volk präsentiert. Für die so genannten Heiltumsweisungen wurde gegenüber der Frauenkirche vor dem Schopperschen Haus (wurde im Krieg zerstört / Hauptmarkt 15) der Heiltumsstuhl aufgebaut. Dies war eine etwa sieben Meter hohe und dreigeschossige hölzerne Konstruktion, von der die Heiltümer „gewiesen“ wurden. An dieses „Event“ schloss sich eine florierende 14-tägige Handelsmesse an. Hier konnten unter anderem Erinnerungsstückegekauft werden. Das waren Pilgerzeichen, Heiltumsbüchlein oder Holzschnitte mit den Abbildungen einzelner Heiltümer. Seitdem die Reichsstadt Nürnberg im Jahre 1525 der Lehre Luthers anhing, betrachtete man die Reliquienverehrung als Abgötterei. Daher wurden die Heiltumsweisungen eingestellt. Die Handelsmesse blieb in der Form des Ostermarktes bis in die heutige Zeit erhalten. Somit ist der Ostermarkt der älteste Markt in Nürnberg.

Erst im 18. Jahrhundert verließen die Reichskleinodien Nürnberg. Aus Furcht vor den herannahenden französischen Revolutionstruppen brachte man den Schatz zuerst nach Regensburg und später nach Wien, wo er bis heute ist. Von der langen Aufbewahrungsdauer des Kronschatzes in Nürnberg leiteten viele Nürnberger*innen ein gewohnheitsmäßiges Eigentumsrecht der Stadt Nürnberg an den Reichskleinodien ab. Dies zeigt sich zum einen an der Tatsache, dass viele – auch prominente – Nürnberger*innen im 19. Jahrhundert immer wieder eine Rückgabe der Reichskleinodien forderten und zum anderen an dem Beinamen „Des Deutschen Reiches Schatzkästlein“, der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts für Nürnberg entwickelte.

Diesen Mythos wollten sich auch die Nationalsozialisten zu Nutze machen. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Willy Liebel wollte die Reichskleinodien zurück nach Nürnberg holen und betrachtete dies gar als eine seiner wichtigsten Aufgaben. So kamen die Reichskleinodien zwischen 1938 und 1946 noch einmal zurück nach Nürnberg.

Heute erinnert an die Zeit der Verwahrung der Reichskleinodien in der Spitalkirche, neben dem originalen Heiltumsschrein im Germanischen Nationalmuseum und den Nachbildungen von Krone, Szepter und Reichapfel – aufbewahrt zuerst im Rathaus und heute im Stadtmuseum im Fembo-Haus – die von Reinhard Eiber modellierte Bronzetafel an der westlichen Außenwand der ehemaligen Kirche.


Alles neu macht Corona? Neustart der öffentlichen Stadtführungen

| Beitrag vom 04. Juni 2020, von Magdalena Prechsl

Als am 1. Juni die erste Gruppe von einer Rundgangsleiterin unseres Vereins über den Johannisfriedhof geführt wurde, lag die letzte Stadtführung von Geschichte Für Alle exakt 77 Tage zurück. Eine derart lange Zeit ohne personelle Geschichtsvermittlung „vor Ort“ gab es in den 35 Jahren seit der Vereinsgründung noch nie. So hatte es zum Beispiel im gesamten Jahr 2019 lediglich zwei Tage ohne Stadtführungen gegeben.

Für die Saison 2020 hatten wir viele Pläne: Zahlreiche neue Rundgangsleitungen haben im Frühjahr ihre Ausbildung absolviert, neue Rundgangs- und Vermittlungskonzepte waren in Arbeit und insbesondere bei den Führungen für Flusskreuzfahrtgäste aus dem englischsprachigen Ausland erwarteten wir in Nürnberg und Bamberg erneut ein sehr hohes Aufkommen. Viele Planungen, Ideen und Erwartungen wurden von der Pandemie und ihren Folgen zunichte gemacht: Statt bis zu 100 Führungen an einem Julitag zu jonglieren, sind unsere Mitarbeiter*innen in der Buchungsabteilung in Kurzarbeit. Viele unserer freiberuflichen Rundgangsleitungen haben mit Existenzsorgen zu kämpfen. Plötzlich war unser einziges Ziel, unseren Verein und damit eine der größten gemeinnützigen Organisationen für historische Bildungsarbeit in Deutschland, zukunftssichernd durch die Krise zu bringen.

Seit Beginn des Lockdowns haben wir uns darauf vorbereitet, wieder mit unseren Führungen loslegen zu können. Lange Zeit war unklar, wie Stadtführungen in Zeiten von Corona aussehen würden. Wir haben also erneut geplant, Pläne verworfen und wieder von vorne mit dem Planen begonnen. In diesem Prozess war wenig so klar, wie dass uns das Abstandsgebot noch sehr lange begleiten wird. Öffentliche Führungen, bei denen alle Interessierten, die zum Treffpunkt kommen, an der Führung teilnehmen können – seien es 2 oder 40 Personen – würden nicht mehr möglich sein.

Die einzige Möglichkeit, die Teilnahmezahl bei öffentlichen Führungen steuern zu können, sahen wir in der Einrichtung eines Kartenvorverkaufs. Und an diesem Punkt trafen unsere alten Pläne für die Saison mit den Herausforderungen der neuen Situation passend zusammen: Unser größtes Jahresziel, die Einrichtung eines eigenen Webshops auf unserer Webseite, mussten wir nun unter Hochdruck umsetzen. Das hat viele Vorteile für Sie als Geschichtsinteressierte: Es ist damit nun nämlich bequem möglich, sich im Vorfeld einer Stadtführung eines der limitierten Einzeltickets zu sichern und auch die Buchung für eine private Gruppe lässt sich nun schnell und einfach online abwickeln.

Wir haben bei der Einrichtung des Webshops darauf geachtet, Ihnen so viel Spontanität wie irgendwie möglich zu erhalten, sodass Tickets bis 1 Minute vor Beginn der gewählten öffentlichen Führung (sofern noch Plätze frei sind) erworben werden können. Zum Schutz unserer Rundgangsleitungen und um die Kontaktnachverfolgbarkeit sicherzustellen, ist damit bis auf weiteres keine Barzahlung bei der Rundgangsleitung mehr möglich.

Neben dieser wohl größten Neuerung spiegeln sich ansonsten bei unseren Führungen die allgemeingültigen Präventionsmaßnahmen wider: Personen, die nicht dem gleichen Hausstand angehören, müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander einhalten. Durch die maximale Gruppengröße von 15 Personen lässt sich dieser einfach einhalten. Eine Mund-Nasen-Bedeckung muss im Freien nicht getragen werden, nur wenn ein geschlossener Raum im Rahmen der Führung betreten wird, ist diese verpflichtend. Genauere Informationen zu unserem Hygienekonzept finden Sie hier.

Wir freuen uns sehr, wieder mit Ihnen in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg auf Spurensuchen zur Stadtgeschichte zu gehen. Es gibt viel zu entdecken.

 


Freie Bildung und ihre Träger in existenzieller Gefahr

| Beitrag vom 28. Mai 2020, von Wolf Hergert

Trotz der anstehenden Lockerungen bleibt die Situation für Geschichte Für Alle e.V. wie auch für viele andere freie Bildungsträger äußerst angespannt und unsicher. Insbesondere die freien Mitarbeiter*innen, die den größten Teil der Bildungsarbeit stemmen, wurden von den staatlichen Corona-Hilfen bis dato kaum bedacht. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hat der Vorstand unseres Vereins einen offenen Brief an Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder verfasst, der von zahlreichen Bildungsträgern der Metropolregion Nürnberg unterzeichnet wurde. Den Brief im Wortlaut finden Sie hier.

 


75 Jahre „Tag der Befreiung“

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die nationalsozialistische Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa. Jährlich erinnert der Gedenktag an die tiefe Zäsur von 1945 und an den damit verbundenen Neuanfang. Die bedingungslose Kapitulation wurde am 7. Mai im Hauptquartier der Alliierten im französischen Reims von Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnet und trat am folgenden Tag in Kraft. Am 9. Mai unterzeichnete unter anderem Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel im sowjetischen Hauptquartiert in Berlin-Karlshorst die dortige bedingungslose Kapitulation. Bis heute wird der „Tag der Befreiung“ in zahlreichen europäischen Ländern als Gedenktag begangen.

Nürnberg wurde bereits am 20. bzw. am 22. April 1945 von den US-Streitkräften erobert. Die Eroberung war für die Alliierten vor allem ein wichtiger symbolträchtiger Sieg. „Die Stadt der Reichsparteitage“ war für Adolf Hitler und für die Nationalsozialisten ein Zentrum der NS-Ideologie und der NS-Propaganda. Neben den Reichsparteitagen, die zwischen 1933 und 1938 auf dem eigens hierfür errichteten Reichsparteitagsgelände stattfanden, wurden hier 1935 die Rassegesetze verabschiedet.

Am 16. April erreichten amerikanische Panzerverbände den Osten Nürnbergs und eroberten die Stadt am 22. April 1945. Eine erste Siegesfeier wurde am 20. April 1945 auf dem Hauptmarkt (in der NS-Zeit „Adolf-Hitler-Platz“) als „Flag Raise Ceremony“ durchgeführt. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April wollte man mit der Einnahme Nürnbergs einen symbolischen „Geburtstagsgruß“ senden. In der Südstadt wurde zu dem Zeitpunkt noch gekämpft, bevor auch hier die Waffen am 22. April niedergelegt wurden. Die offizielle Siegesfeier fand dann am 22. April auf dem Zeppelinfeld statt und endete mit der Sprengung des Hakenkreuzes auf dem Zentralbau der Zeppelintribüne.

Der Schweizer Sender SRF hat zu dem Thema einen spannenden Beitrag produziert. Unsere langjährige Rundgangsleiterin Nina Lutz führt hierbei als Historikerin durch die Geschichte Nürnbergs.

Abb.: Siegesparade US-Army auf der Hauptmarkt, 1945, Stadtarchiv Nürnberg


Geschichtsvermittlung in der Krise: Was bedeutet Corona für Geschichte Für Alle e.V.?

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Magdalena Prechsl

An einem schönen Sonntag im Herbst letzten Jahres staunten die Bewohner*innen der Wohnsiedlung Rangierbahnhof nicht schlecht, als sich ein Zug von 135 Personen durch die Straßen bewegte. Handelte es sich dabei um eine Demonstration im sonst eher gediegenen Wohnviertel? Nein, die vielen Menschen waren gekommen, um sich bei einem Stadtteilrundgang unseres Vereins mit der Geschichte der gartenstädtischen Siedlung zu beschäftigen. Für den von dem Ansturm durchaus überraschten Rundgangsleiter war es nicht nur eine stimmliche Höchstleistung, der riesigen Gruppe spannende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Doch viel größer sind die Herausforderungen, denen wir als Verein und in erster Linie als begeisterte Geschichtsvermittler*innen nun ausgesetzt sind. Einen stärkeren Kontrast zu der geschilderten Situation im Herbst könnte es fast nicht geben: Seit Mitte März ist das Durchführen von Stadtführungen untersagt. Die Museen, in denen wir sonst als pädagogischer Partner Workshops und Führungen anbieten, haben geschlossen. Die Absolutheit, mit der die Corona-Pandemie die Möglichkeiten der unmittelbaren, personellen Geschichtsvermittlung unterbunden hat, trifft uns hart.
Unsere Arbeit lebt davon, Menschen jeden Alters – egal ob alteingesessen oder nur für wenige Stunden zu Besuch in der Stadt – ebenso fundiert wie auch unterhaltsam Zugänge zur Geschichte zu ermöglichen. Dabei sind wir überzeugt, dass der beste Weg für einen kritischen Umgang mit der (eigenen) Vergangenheit die selbsttätige Auseinandersetzung mit ihren Zeugnissen ist. Wir wollen den Menschen durch Gespräche mit unseren Expert*innen ermöglichen, sich die Stadt anzueignen und im Stadtbild mehr zu sehen, als Gebäude und Plätze.

Auch wenn digitale Angebote wie auch das altbewährte Buch hierfür in der gegenwärtigen Situation gute Ausweichmöglichkeiten bieten, so sind alle Medien nicht in der Lage, die gewaltigen Potentiale der personellen Vermittlung bei Stadtführungen zu ersetzen.
Für uns bedeutet die Corona-Krise also gerade in erster Linie viel Geduld zu haben und dabei nicht im Stillstand zu verharren, sondern unsere Konzepte konsequent weiterzuentwickeln. Wir wollen, dass auch in Zukunft ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg die Beschäftigung mit Stadtgeschichte „auf der Straße“ ist. Kurzum: Wir freuen uns sehr auf den Zeitpunkt, zu dem wir wieder Führungen anbieten können.

Magdalena Prechsl sprach in einem Interview mit Franken Fernsehen über die aktuelle Lage bei Geschichte Für Alle e.V.


Die Geschichte des 1. Mai als "Tag der Arbeit"

| Beitrag vom 1. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Nürnberg entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur größten Industriestadt Süddeutschlands und wurde so eine Hochburg der Arbeiterbewegung in Bayern. Die Arbeiterkultur zeigte sich in zahlreichen Vereinen, Festen und Zeitschriften und prägte das Leben in der Stadt. Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ und damit verbunden der Kampf für die Rechte der Arbeiter*innen war und ist ein wichtiges Thema in Nürnberg.

Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ hat eine lange Tradition und geht auf eine Demonstration in den USA zurück. Dort war der 1. Mai der Stichtag, an dem viele Arbeitsverträge ausliefen oder neu geschlossen wurden. 1886 demonstrierten über 400.000 Arbeiter*innen in den USA am 1. Mai in mehreren Städten friedlich für die Einführung des Acht-Stunden Tages. Zwei Tage später kam es jedoch bei den anhaltenden Demonstrationen zu einem einem Zwischenfall, bei dem mehrere Streikposten von der Polizei erschossen wurden. Dadurch heizte sich die Stimmung immer weiter auf und während einer Kundgebung gegen das brutale Vorgehen der Ordnungskräfte am 4. Mai auf dem Haymarket in Chicago, mit rund 1000 Arbeiter*innen, eskalierte die Situation erneut. Sieben Polizisten und vermutlich vier Demonstranten kamen durch eine Explosion und eine anschließende Schießerei ums Leben. Die Vorfälle in den USA fanden in der internationalen Arbeiterschaft starken Wiederhall.

Während des zweiten Internationalen Arbeiterkongresses 1889 in Paris beschlossen die sozialistischen Gewerkschaften und Parteien eine große internationale Demonstration am 1. Mai 1890 zu begehen. Hiermit wollte man den Opfern des Haymarket-Massakers gedenken und für die Einführung des Acht-Stunden Tages sowie für die Rechte der Arbeiter*innen demonstrieren.

Im Kaiserreich beschloss die SPD 1889 zwar den 1. Mai als Feiertag der Arbeit zu begehen, allerdings sprach man sich gegen einen allgemeinen Streik aus. In den folgenden Jahren etablierte sich der Tag als Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber erst 1919 von der Weimarer Nationalversammlung einmalig zum gesetzlichen Feiertag bestimmt; und zwar nur für das Jahr 1919. Unter der Herrschaft der NSDAP wurde der 1. Mai ab 1933 in Deutschland als gesetzlicher Feiertag eingeführt, mit dem Ziel, ihn als Propagandamittel zu instrumentalisieren und so die Arbeiterbewegung für die nationalsozialistische Idee zu gewinnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der 1. Mai 1946 durch den Alliierten Kontrollrat als Feiertag bestätig und danach sowohl in der BRD als auch der DDR begangen. Bis heute ist der 1. Mai nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen Ländern ein gesetzlicher Feiertag.

 

Abb.: Kanalarbeiten an der Ziegelsteinstraße, Fotografie 1919, Siedlungswerk Nürnberg GmbH


 

Pest oder Cholera? Katastrophen in der Geschichte Nürnbergs

| Beitrag vom 30. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Ein Ort, um Geschichte hautnah zu erleben, ist der Nürnberger Egidienberg: Dort zeugt die barocke Kirchenfassade vom Großbrand des alten Schottenklosters, die in eine Wand eingemauerte Kanonenkugel nebst Inschrift erinnert an den Zweiten Markgrafenkrieg und die Einschusslöcher am Kaiser Wilhelm-Denkmal stammen aus dem Häuserkampf in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Neben Brand, Kriegen und auch Hochwasser waren es vor allem Epidemien, die der Stadt im Laufe der Jahrhunderte zusetzten. Allen voran die Große Pest, die seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadt immer wieder heimsuchte. Auch hierfür findet sich ein Zeugnis am Egidienberg: Ein kläglicher Ruinenrest neben dem Pellerhaus zeugt noch von dem stattlichen „Peststadel“, der sich früher hier befand. Das mächtige Gebäude, 1481 als  Kornspeicher gebaut, diente zum Unterstellen der Karren, auf denen die Pesttoten hinaus auf den Friedhof transportiert wurden.

Die Einwohner Nürnbergs hatten großen Epidemien an medizinischen Mitteln nichts entgegenzusetzen: Man wusste weder, was die Krankheiten verursachte, noch hatte man Medikamente, um sie zu behandeln. Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die Behandlungsmöglichkeiten auf diätetische Maßnahmen, Urinbeschau oder Aderlass beschränkt. Wer es sich leisten konnte, floh aus der Stadt.

Umso wichtiger waren die Maßnahmen, die der Rat ergriff, um die Seuchen einzudämmen. Seit 1518 war es nicht mehr erlaubt, Tote innerhalb der Stadtmauern zu bestatten: Neben dem Johannisfriedhof, bereits im späten 14. Jahrhundert zum Pestfriedhof erweitert, entstand nun der Rochusfriedhof für die Toten der Lorenzer Stadtseite. Am Pegnitzufer außerhalb der Mauern stiftete die Patrizierfamilie Topler das Sebastiansspital als erstes Pesthaus in Deutschland, fertiggestellt 1528.  All dies konnte nicht verhindern, dass es 1633/34 zur schlimmsten Epidemie der Nürnberger Geschichte kam: Mitten im 30jährigen Krieg, als sich Einheimische, Soldaten und Flüchtlinge innerhalb der engen Mauern drängten, verstarb die Hälfte der Einwohner an der Pest, die Rede ist von 20.000 Toten. Von diesem Bevölkerungsverlust hat sich die Stadt bis zur Industrialisierung nicht mehr erholt.

Eine Seuche, die im 19. Jahrhundert erheblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung hatte, war die Cholera. Da das Nürnberger Trinkwasser hauptsächlich aus dem Grundwasser bezogen wurde und die Abwasserentsorgung mittels Sickergruben unzureichend war, kam es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen. 1854 war die allgemeine Mobilität der Bevölkerung bereits so groß, dass sich die Cholera sehr schnell verbreiten konnte. Nach einem Ausbruch in München erreichte die Krankheit wenig später Nürnberg, unter anderen durch den Industriellen Johann Wilhelm Spaeth, der einer der ersten von 300 Choleratoten (bei 600 Erkrankten) war, damit war man glimpflich davongekommen. Auch hier ergriff die Stadt schnell Maßnahmen, da man eine Einschränkung der Aktivitäten in Verkehr und Handel fürchtete. Eher unwirksam war das Verbot von Jahrmärkten (wegen der Menschenansammlungen) und längeren abendlichen Biergartenbesuchen (wegen der Unterkühlung). Auf lange Frist waren dagegen kommunale Maßnahmen zur besseren Wasserversorgung und -entsorgung von entscheidender Bedeutung.

Mit dem Anwachsen zur Industriestadt hatte Nürnberg weitere Epidemien zu überstehen. Eine der schlimmsten traf die Stadt am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Bevölkerung ohnehin mangelhaft ernährt und medizinisch schlecht versorgt war. Ein erster Ausbruch der sogenannten "Spanischen Grippe“ im Sommer 1918 verlief relativ milde. Im Herbst des Jahres kehrte die Krankheit jedoch zurück. Nun kam das öffentliche Leben zum Erliegen, die Schulen wurden geschlossen. Vom 12.-18. Oktober gab es rund 3.000 Neuinfektionen, Tag für Tag wurden hunderte von Influenzafällen gemeldet. Das große, erst 1897 eingeweihte Krankenhaus hatte Hochbetrieb. Besonders erschreckend war, dass gerade jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren an der Krankheit starben. Insgesamt waren etwa 20.000 Menschen erkrankt, die Zahl der Toten lag bei 1.400. Von den 94 Pflegern im städtischen Krankenhaus starben fünf Krankenschwestern und eine Pflegeschülerin, zudem erlagen noch fünf Hausangestellte der Grippe. Weltweit forderte die Grippepandemie von 1918/19 mehr Tote als der gesamten Erste Weltkrieg.

Medizinischer Fortschritt und steigender Wohlstand haben die Wahrscheinlichkeit von Epidemien bzw. – bei weltweitem Auftreten – Pandemien zwar eindämmen, aber nicht gänzlich verhindern können.  Dass im Winter 2019/20 ein neuartiges Coronavirus globale Verbreitung finden würde, hatte kaum jemand auf dem Schirm. Auch die Stadt Nürnberg ist davon betroffen – unmittelbar mit Erkrankten und Toten sowie in Bayern und Deutschland durch einen nie gekannten Stillstand des öffentlichen Lebens, der Reiseaktivitäten und der persönlichen Freiheiten, aber auch mittelbar durch die Störung von Wirtschaftsaktivitäten und das komplette Einfrieren des Tourismus. Wir erleben gerade die größte Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vielleicht ist es gut, dabei die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren, um das heutige Geschehen besser bewerten zu können.


Entdeckertouren mit der Nürnberger Zeitung

| Beitrag vom 28. April 2020, von Bernd Windsheimer

Gemeinsam mit der Nürnberger Zeitung, machen wir uns seit vielen Jahren auf "Entdeckertour". Die inhaltlichen Beiträge zu spannenden Plätzen, Stadtteilen und historisch bedeutsamen Orten, haben unsere Historiker*innen aufgearbeitet und wurden von der Nürnberger Zeitung als Reihe publiziert. Schauen Sie doch mal rein:


Raten Sie mit und testen Sie Ihr Geschichtswissen

| Beitrag vom 08. April 2020, von Kathrin Lehnerer

Bei der beliebten Reihe "Hä? Das Straßenquiz" auf Franken Fernsehen stehen wir als Geschichtsexpert*innen regelmäßig vor der Kamera. Lust auf Mitraten?


Virtuelle Ausflüge in die Vergangenheit:

| Beitrag vom 06. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Momentan müssen wir mit virtuellen Ausflügen vorlieb nehmen. Dabei sind wir nicht auf die nähere Umgebung beschränkt: Nürnberger Luft ist auch außerhalb der Stadtgrenze zu atmen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Heiligkreuzmünster in Schwäbisch Gmünd.

 

 


Geschichten aus dem Henkerhaus:

| Beitrag vom 01. April 2020, von Magdalena Prechsl

In der 1817 veröffentlichten „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“ macht Clemens Brentano „Meister Franz“, wie sich der berühmteste Nürnberger Henker selbst bezeichnete, zur literarischen Figur.

Dass Brentano die 1801 im Druck erschienen Memoiren von Franz Schmidt kannte, belegt nicht nur die Existenz eines Exemplars in seiner Bibliothek, sondern auch die detailgetreue Schilderung der Örtlichkeiten und der Materie: Die in der Novelle beschriebene „Scharfrichterei“, die Wohnung des Henkers, befindet sich am Rande der Stadt.

 

 

Wie auch Franz Schmidt, der als Wundarzt tätig war, wird der literarische Meister Franz wegen heilender Kräuter aufgesucht. Neben dem seit dem Sturm und Drang häufig verarbeiteten Motiv des Kindesmords thematisiert Clemens Brentano hier die volkstümliche Vorstellung, dass das Richtschwert durch ein Erzittern eine drohende Hinrichtung vorhersagt.

 

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