Aktuelle Beiträge

Liebe Geschichtsinteressierte,

wir freuen uns, Ihnen bei unseren öffentlichen Stadtführungen in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg faszinierende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Unser Rundgangsangebot finden Sie in unserem Webshop. Neben unseren öffentlichen Veranstaltungen können Sie sehr gerne hier für Ihre Gruppe eine Führung zu einem Thema Ihrer Wahl an Ihrem Wunschtermin buchen.

Herzliche Grüße

Ihr Team von Geschichte Für Alle e.V.

 


Schuster bleib bei deinen Leisten ?!

Vortrag von Dr. Uta Dehnert "Hans Sachs - Handwerk und Meistergesang in Nürnberg zur Zeit der Reformation"

| Beitrag vom 29. November 2022, von Jennifer Oevermann

Im November hat Geschichte Für Alle im exklusiven Barockvestibül des Stadtmuseums Fembohaus Dr. Uta Dehnert aus Chemnitz zu einem Vortrag eingeladen. Die Hans-Sachs-Expertin schilderte unseren über 60 Zuhörer:innen eindrücklich das Leben des Meistersängers und sein Wirken in und um Nürnberg.

Im Zeitalter der Reformation blühte der Meistergesang auf und der Schuster Hans Sachs verarbeitete die lutherischen Lehren für Laien nachvollziehbar in streng reglementierten Liedern. Diese wurden anderen Sängern auf der Singschule vorgetragen und dort diskutiert. Für Erheiterung sorgte die Vorstellung des Schwanks „Der Ritter St. Georg“. Hans Sachs singt über einen fehlgeleiteten Pfarrer, der Heiligenbilder im Ofen verbrennt, um es bei Zechgelagen schön warm zu haben. Als der Kirchenvorsteher von einem bevorstehenden Gelage des Pfarrers hörte, ließ er eine Statue des heiligen Georgs mit Schießpulver füllen. Als der Pfarrer nun die Statue verbrannte, explodierte die Statue

"mit einem starckem knall,

Sant Joerg mit lawten Hall

Ein ritte durch den offen,

Das die gest all entloffen,

Vnd sties den pfarrer nider,

[…]

Die stueben war vol funcken.

Alle frewd war ertruncken"

Nach diesem fehlgeschlagenen Gelage musste der Pfarrer trotz Beichte seiner Sünden seinen Platz räumen.

Am Ende des Vortrages waren alle froh, dass der Schuster Hans Sachs - trotz der Anweisung des Nürnberger Stadtrats - eben nicht bei seinen Leisten blieb, sondern sich dem Meistergesang widmete.

 

Zitat stammt aus Goetze, Edmund: Sämtliche Fabeln und Schwänke von Hans Sachs, Bd. 1, Halle 1893, Nr. 71, S. 224–225.


Virtual Reality in der Vermittlungsarbeit

| Beitrag vom 16. November 2022, von Pascal Metzger

In unserer zunehmend digitalisierten Lebenswelt ist der Einsatz von Virtual Reality-Technologie in zahlreichen Bildungsbereichen inzwischen Standard und findet zunehmend auch in der Geschichtsvermittlung statt.                 Der Internationale Museumstag 2021 griff das digitale Medium unter dem Motto „The Future of Museums: Recover and Reimagine“ auf.

 

Virtual Reality erlaubt es, Bilder nicht nur zu betrachten, sondern in sie einzutauchen. Diese Anschaulichkeit bietet der Geschichtsvermittlung neue Möglichkeiten, die Vergangenheit zu visualisieren, birgt aber auch die Gefahr einer Verstärkung unerwünschter Effekte. Wir glauben an das positive Potenzial der Technik als didaktisches Hilfsmittel für unsere Vermittlungsarbeit. Deshalb konzipierten wir zusammen mit dem Unternehmen Blickwinkeltour eine 90-minütige Busrundfahrt über das ehemalige Reichsparteitagsgelände, bei der virtuelle Ansichten der Bauwerke, die nicht gebaut oder später wieder abgerissen wurden, gezeigt werden. Die steinernen Zeitzeugen können so in erweitertem Maße zum Sprechen gebracht werden.

 

Mit diesem Pilotprojekt sammeln wir erste Erfahrungen zum Umgang mit Virtual Reality in der Wissensvermittlung. Um unser Vorgehen zu evaluieren, unterstützen wir das Forschungsprojekt ViRaGe – Virtuelle Realitäten als Geschichtserfahrung der Ruhr-Universität Bochum, das den Einsatz geschichtsbezogener Virtual Reality-Anwendungen an außerschulischen Lernorten untersucht, als Praxispartner.


Die Tagung "Nationalsozialismus ausstellen. Zugänge, Perspektiven und Herausforderungen im 21. Jahrhundert"

| Beitrag vom 11. Oktober 2022, von Roxanne Narz

Gibt es eine "Meistererzählung" des Nationalsozialismus? Wie lassen sich neue Forschungsergebnisse räumlich und didaktisch übersetzen? Wie gehen wir mit Leerstellen in der visuellen Überlieferung um? Welches Potential steckt im Konzept der "Glocal History"? Und wie kann multidirektionale Erinnerung gelingen?

Diese und viele andere Fragen wurden letzte Woche (5.-7. Oktober) auf der Tagung "Nationalsozialismus ausstellen. Zugänge, Perspektiven und Herausforderungen im 21. Jahrhundert" mit Blick auf die Neukonzeption der Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände diskutiert. Auch wir waren als pädagogischer Partner dabei und konnten viele Ideen und Anregungen mitnehmen, ganz besonders, was den Einsatz von Bildquellen im Stadtrundgang betrifft. Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter und langjähriger Rundgangsleiter Dr. Pascal Metzger sprang am Freitag spontan ein und diskutierte zuletzt auf dem Podium über die pädagogische Arbeit mit Schulklassen auf dem Gelände. Vielen Dank für den vielfältigen Input, die Organisation der tollen Tagung und das beeindruckende Graphic Recording von Max Höllen!

Materialien und Ergebnisse gibt es unter dem Link go.nuernberg.de/tagungsrueckblick.


Virtual Reality-Tour auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände

| Beitrag vom 05. Oktober 2022, von Dr. Pascal Metzger

Geschichte Für Alle e.V. und das Unternehmen Blickwinkel Tour bieten ein neues Bildungsprogramm auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände an, bei dem VR-Brillen zur Wissensvermittlung eingesetzt werden. Das Bayerische Fernsehen begleitete eine der ersten Touren. Den Film finden Sie hier.

In der 90-minütigen Bustour bereichern virtuelle, dreidimensionale Ansichten historischer Bauwerke die moderierte Führung zur Geschichte des Areals. Virtual Reality Education ist für unseren Verein ein neues Tätigkeitsfeld, das spannende Potenziale bietet. Am 16. Oktober findet um 13 Uhr ein öffentlicher Termin des Programms statt. Einzelbesucher können hier Tickets erwerben.

 


GFA auf dem Informationstag Zeppelinfeld und Zeppelintribüne

| Beitrag vom 04. Oktober 2022, von Roxanne Narz

Im 15-Minuten-Takt starteten am gestrigen Tag der Deutschen Einheit die fast vollständig ausgebuchten, mehrsprachigen Führungen von Geschichte Für Alle e.V. über den Lernort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne. Auch in diesem Jahr hatte die Stadt Nürnberg in Kooperation mit unserem Verein Interessierte dazu eingeladen, sich über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des weitgehend erhaltenen NS-Bauwerks im Südosten der Stadt zu informieren, auf dem anlässlich der Reichsparteitage Mitte der 1930er Jahre Aufmärsche und andere Massenveranstaltungen zu Propagandazwecken abgehalten worden waren. Zum spannenden Bericht von Andreas Schuster (Bayerischer Rundfunk), der sich auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Stadt und Land umhörte (mit Ton), geht es über den folgenden Link: https://www.br.de/nachrichten/bayern/zeppelintribuene-zeppelinfeld-was-mit-den-nazi-bauten-passiert,TJGihv2.


Filmdreh für die Museen der Stadt Nürnberg "3 Fragen an ..."

| Beitrag vom 29. September 2022, von Jenny Oevermann

Die Museen der Stadt Nürnberg befragen in ihrer Reihe „3 Fragen an…“ Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Verbindung stehen haben, wie zum Beispiel Florian Dierl, dem Leiter des Hauses. Jetzt durfte unsere langjährige Rundgangsleiterin Luisa Erhard drei Fragen zu ihrer Arbeit als Rundgangsleiterin für Geschichte für Alle beantworten. Der kleine Film dreht sich um die Vermittlungsarbeit für und im Dokumentationszentrum und auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, über die Arbeit mit verschiedenen Gruppen und was für die neue Dauerausstellung in der Vermittlungsarbeit wichtig ist.

Das Video finden sie hier.

Wenn Sie unsere Stadtrundgänge über das ehemalige Reichsparteitagsgelände gerne live erleben möchten, haben Sie derzeit von Montag bis Freitag, 11 Uhr und Montag bis Sonntag, 14 Uhr die Gelegenheit dazu. Wenn Sie das Gelände lieber lesend erkunden wollen, bietet sich unser Buch „Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg“ oder unser Historischer Spaziergang „Reichsparteitagsgelände. Kurzführer“ an.  


Eine Veranstaltung für Körper und Geist in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche

| Beitrag vom 20. September 2022, von Roxanne Narz

Wer hätte gedacht, dass Geschichtsvermittlung und konditionelles Training so nahe beieinanderliegen können? Am gestrigen Montag führte die Pfarrerin Julia Popp die GFA-Fördermitglieder durch die evangelisch-lutherische Gustav-Adolf-Gedächtniskirche und einen ihrer beiden Türme. Nach mehreren schmalen Treppenpassagen und zahlreichen Stufen wurde der Aufstieg mit einem tollen Ausblick über Nürnberg bei Abendlicht mehr als belohnt.

Zuvor hatte Julia Popp uns in die spannende Geschichte ihrer relativ jungen Kirche eingeführt, die 1930 eingeweiht wurde, nachdem die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde in Lichtenhof durch den wachsenden Sprengel unverzichtbar geworden war. Dass sie ursprünglich als Konzert- und Oratorienkirche geplant war, bevor in unmittelbarer Nachbarschaft die Meistersingerhalle entstand, war an der tollen Akustik deutlich spür- und hörbar. Das unregelmäßig behauene Mauerwerk im Altarbereich zeugt bis heute von dieser Idee. Ein anderes Highlight ist das integrierte Gemeindehaus, das den Kirchenraum seit einigen Jahren für niedrigschwellige kulturelle und soziale Projekte wie die ,Vesperkirche‘ öffnet.

Wer mehr über die Geschichte dieser und anderer Kirchenhäuser in Nürnberg erfahren möchte, dem sei ein Besuch in Lichtenhof, unser Stadtteilbuch ,Im Nürnberger Süden. Vom Petzenschloss zum Hasenbuck‘ oder eine Fördermitgliedschaft bei Geschichte Für Alle e.V. empfohlen.


Fortbildung für Rundgangsleitungen in der Stadtbibliothek Nürnberg

| Beitrag vom 08. September 2022, von Jenny Oevermann

Bei unseren Stadtführungen sind unsere Rundgangsleitungen oft im Freien unterwegs, um Geschichte am Objekt zu vermitteln. Daher haben wir uns sehr gefreut, dass die Leiterin der Historisch-Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadtbibliothek Nürnberg, Dr. Christine Sauer, uns in die verborgenen Magazine mit alten Drucken und Handschriften entführt hat. Unsere Rundgangsleitungen konnten so allerlei Schätze entdecken und wahrhaftig sehen, wie Geschichte geschrieben wurde. Dr. Sauer zeigte uns dabei viele besondere Stücke, wie zum Beispiel die handschriftliche Druckvorlage der Schedelschen Weltchronik mitsamt den Skizzen für die späteren Illustrationen oder eine handgeschriebene Bibel der Dominikanerin Kunigunde Niklasin aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Schreiberin hat in die Handschrift einen kleinen Zettel eingenäht, auf dem der Buchmaler Anweisung erhalten hat, was genau er malen soll.


Geschichtsrundbrief 64: Die Geschichte des Zeltnerschlosses und vieles mehr

| Beitrag vom 24. August 2022, von Lena Prechsl

Zweimal im Jahr finden alle 1.300 Mitglieder unseres Vereins den druckfrischen Geschichtsrundbrief in ihren Briefkästen. Der Mitgliederbrief bietet spannende Informationen rund um die Arbeit von Geschichte Für Alle e.V.

Das Herzstück des Briefs ist der Leitartikel, der ein lokalhistorisches Thema in den Blick nimmt und zugleich eines der Projekte unseres Vereins präsentiert. In der kürzlich erschienenen 64. Ausgabe nimmt unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Roxanne Narz die Leserinnen und Leser mit auf eine Entdeckungstour rund um das Zeltnerschloss im Nürnberger Südosten. Heute befindet sich im Zeltnerschloss ein städtischer Kulturladen, der uns mit der Konzeption eines neuen Stadtteilrundgangs zu diesem Thema beauftragt hatte. Der neue Rundgang feierte im Mai im Rahmen eines Aktionstags Premiere und wird ab 2023 im Jahresprogramm unseres Vereins als öffentlicher Rundgang angeboten.

Darüber hinaus präsentiert der neue Geschichtsrundbrief interessante Einblicke in die Arbeit der Geschäftsstellen, Neuigkeiten zur Aus- und Fortbildung der Rundgangsleitungen und auch Informationen zu Buchneuerscheinungen. Die letzte Seite ist wie immer für unser vielfältiges Veranstaltungsprogramm reserviert, an dem Vereinsmitglieder exklusiv teilnehmen können.

Den Geschichtsrudbrief können Sie unter diesem Link kostenfrei downloaden: Geschichtsrundbrief_64


Buch-Neuerscheinung: Die Marienvorstadt. Nürnbergs erste Stadterweiterung

| Beitrag vom 22. August 2022, von Lena Prechsl

In den letzten beiden Jahren setzte sich ein Team um Daniel Gürtler und Bernd Windsheimer intensiv mit der Geschichte der Nürnberger Marienvorstadt auseinander. Neben einem Stadtrundgang, der sich schwerpunktmäßig mit jüdischen Spuren im Viertel auseinandersetzt, wurde im Rahmen des Projekts auch ein Stadtteilteilbuch erarbeitet. Dieses ist nun im Sandberg-Verlag erschienen. Das Buch kann hier bestellt werden. Außerdem ist es im Henkerhaus und der Nürnberger Geschäftsstelle erhältlich. Wie immer erhalten Rundgangsleitungen und Fördermitglieder einen Rabatt von 40 Prozent, wenn Sie das Buch über Geschichte Für Alle e. V. beziehen.

Erstmals wird in diesem Buch die Entwicklung und vielseitige Geschichte der Marienvorstadt als Nürnbergs erster planmäßiger Stadterweiterung erzählt. Das einstige Villen- und Gewerbeviertel war bis zu seiner nahezu vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein lebendiger Stadtteil und wichtiger Teil der jüdischen Geschichte Nürnbergs. Heute ist die Marienvorstadt geprägt von Büro- und  Verwaltungsgebäuden, aber auch von Institutionen wie der Kunstvilla, dem Deutsch-Amerikanischen Institut oder dem Pressehaus und erst in jüngster Zeit auch zunehmend von Wohnbebauung.
Entdecken Sie die facettenreiche Geschichte der Nürnberger Marienvorstadt und seiner Bewohnerinnen und Bewohner in diesem großzügig bebilderten Band aus der Reihe Nürnberger Stadtteilbücher.


Stadtführer:in bei Geschichte Für Alle werden

| Beitrag vom 18. August 2022, von Dr. Roxanne Narz

In vielerlei Hinsicht kehrte mit Beginn des Jahres 2022 bei Geschichte Für Alle e. V. endlich wieder ein Stück Normalität ein: Die Nachfrage nach unseren Bildungsangeboten stieg erfreulich und in Nürnberg und Bamberg konnte endlich wieder ausgebildet werden. Die Covid-19-Pandemie hatte schließlich nicht nur ein großes Loch in unserem Rundgangsvolumen hinterlassen, sondern auch viele Rundgangsleiterinnen und Rundgangsleiter notgedrungen veranlasst, sich nach einer anderen, virusresistenteren Tätigkeit umzusehen. Um diese Lücke noch rechtzeitig zum Beginn der neuen Saison zu füllen, wurde seit März in fast allen Ressorts fleißig ausgebildet.

Mehr als 80 Interessierte aus verschiedenen Berufsfeldern, Fachbereichen und Studiengängen nahmen bis August an insgesamt acht Ausbildungsseminaren teil. Während es im ersten Teil der Ausbildung („Grundmodul“) um die methodischen und didaktischen Herausforderungen eines Rundgangs geht (Wie gehe ich mit unterschiedlichen Gruppentypen um? Wie setze ich meinen „roten Faden“ um? Wie kommt der Bildordner zum Einsatz?), stehen im zweiten Block („Aufbaumodul“) die Inhalte im Fokus. Idealtypische Rundgänge durch die Bamberger Altstadt oder über das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sollen den zukünftigen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein möglichst authentisches Bild von der Tätigkeit als Rundgangsleitung vermitteln, im anschließenden Intensivtraining werden einzelne Stationen selbst präsentiert und besprochen. Nach den Seminaren, einigen Hospitationen bei erfahrenen Rundgangsleitungen, einer Phase des Selbststudiums und einer begleiteten Einstiegsevaluation steht dem Einstieg bei Geschichte für Alle e.V. nichts mehr im Weg.

Mehr als die Hälfte der neuen Stadtführer:innen hat diese (kleinen) Hürden bereits erfolgreich überwunden und ist nun auf der Kaiserburg, rund um den Hauptmarkt, auf dem Bamberger Domplatz, vor der Kongresshalle oder dem Memorium Nürnberger Prozesse anzutreffen; wie immer erkennbar an den prägnanten Bildordnern. Schon Ende September startet in Nürnberg die nächste und vorerst letzte Ausbildungsrunde für dieses Jahr in Nürnberg. Noch sind einige Plätze frei – wer also Lust hat, Einheimische und Gäste mit der Geschichte seiner Stadt vertraut zu machen, kann sich gerne per E-Mail (bewerbung@geschichte-fuer-alle.de) an uns wenden und bekommt dann ein Bewerbungsformular zugeschickt.


Fernsehbeitrag im Magazin "Capriccio" zum Bau der Oper im Innenhof der Kongresshalle

| Beitrag vom 31. Juli 2022, von Dr. Pascal Metzger

Das Kulturmagazin „Capriccio“ des Bayerischen Fernsehens zeigte in seiner Ausgabe vom 28. Juli einen Beitrag zum Thema Operninterim in der Kongresshalle. Darin sollte auch die Position von Geschichte Für Alle e.V. einfließen. Jedoch stellte der Autor die Frage in den Mittelpunkt, ob in der Kongresshalle Kunst stattfinden darf. Tatsächlich ist das Gebäude seit Jahrzehnten Schauplatz von Kunst und Kultur, zum Beispiel durch die Symphoniker, und das weitgehend unumstritten.

Die aktuelle Diskussion in Nürnberg jedoch dreht sich um die Frage, ob man einen Neubau mitten hinein in die Kongresshalle bauen und dadurch das Aussehen des Denkmals beeinträchtigen darf. Diese beiden Fragestellungen werden in dem Beitrag nicht klar voneinander getrennt, weshalb die Aussagen der zu Wort kommenden Personen nicht recht zueinander passen wollen.

Den Beitrag mit dem Titel "Umstrittene Entscheidung: Ein Opernhaus in NS-Architektur" finden Sie hier in der BR-Mediathek.

 


Fortbildung für Rundgangsleitungen auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Fürth

| Beitrag vom 27. Juli 2022, von Jennifer Oevermann

Stadtführer:innen lernen nie aus. Deshalb ist ein umfassendes Fortbildungsprogramm für Rundgangsleiter:innen ein elementarer Bestandteil unserer Vereinsarbeit. So trafen sich trotz der sommerlichen Hitze am 26. Juli einige Rungangsleitungen auf Initiative unseres ehrenamtlichen Ressorts Fürth zu einer Führung über den Neuen Jüdischen Friedhof in der Kleeblattstadt.

Bei dem Rundgang über den Friedhof, der im Jiddischen als „Guter Ort“ bezeichnet wird, wurden die Gräber bekannter Fürther Bürger jüdischen Glaubens vorgestellt und zugleich die Grundzüge jüdischen Lebens in Fürth vermittelt.  Der Neue Jüdische Friedhof wurde 1906 eröffnet, da der nunmehr Alte Jüdische Friedhof keinen Platz mehr bot.

Aufgrund einer besonderen Geste der dortigen Israelitischen Gemeinde konnte im Rahmen der Fortbildung auch die sonst der Öffentlichkeit verschlossene Aussegnungshalle besucht werden, die von dem bedeutenden Architekten Adam Egerer erbaut wurde. In der Aussegnungshalle sind die Namen 890 jüdischer Fürtherinnen und Fürther auf Mahntafel angebracht, die während der NS-Zeit ums Leben kamen.

Wenn auch Sie Interesse haben, sich mit der jüdischen Geschichte Fürths zu beschäftigen, finden Sie hier die Termine unserer Führung in der Altstadt und hier zu unserer Führung über den Alten Jüdischen Friedhof.


BR-Dokumentation nimmt die Pegnitz in den Blick

| Beitrag vom 25. Juli 2022, von Lena Prechsl

Am 25. Juli, um 21:00 Uhr, zeigt das Bayerische Fernsehen in der Reihe „Bayern erleben“ die Dokumentation „Flusswandern – die Pegnitz“. Der Film folgt einer Kanufahrt entlang der Pegnitz von der Quelle bis zur Mündung und bietet spannende Perspektiven auf Wassersportarten, das Ökosystem und die Orte, durch die der Fluss fließt.

Für Nürnberg-Begeisterte besonders interessant sind dabei die Perspektiven vom Wasser aus, die der Film in der Nürnberger Altstadt einfängt. Den historischen Hintergrund zur Bedeutung der Pegnitz für Nürnberg durfte unser Verein beisteuern. Themen sind beispielsweise die vielen Mühlen, die die Wasserkraft der Pegnitz nutzten, Brücken und auch das Henkerhaus.

Wer am Abend des 25. Juli keine Zeit hat, rechtzeitig vor dem Fernseher zu sitzen, hat in der BR-Mediathek ein Jahr die Gelegenheit, sich den Film auch zu einem späteren Zeitpunkt anzusehen. Die Doku finden Sie hier.


Neuer Rundgang des Arbeitskreises Innenstadt: Ist Nürnberg eine "Musikstadt"?

| Beitrag vom 14. Juli 2022, von Esther Guckenberger

Anlässlich des Landesposaunentags am 9. Juli 2022, an dem ca. 2500 Blechbläser:innen aus ganz Bayern teilnahmen, konzipierte ein Arbeitskreis unseres Ressorts Nürnberg-Innenstadt einen neuen Rundgang in der Altstadt, der die vielfältige und reiche Geschichte in musikalischer Hinsicht in Schlaglichtern aufzeigt und erläutert.

Dazu setzten sich monatelang im Vorfeld verschiedene erfahrene Rundgangsleiterinnen und Rundgangsleiter auseinander, recherchierten, konzipierten, diskutierten, um für Juli einen bunten Reigen an Geschichten zu diesem Themenbereich aufwarten zu können. Eine tolle Zusammenarbeit, bei der jede und jeder seine Expertise und persönlichen Erfahrungshintergrund einbringen konnte. Die Passion für das Thema brachten alle Mitglieder des Arbeitskreises mit: sei es als Musiklehrerin, als Kirchenführer, als Chorsänger, als langjähriger Leiter der Musikschule und natürlich als Historikerinnen und Historiker.

In 12 Rundgängen, die sternförmig aufeinander zuführten, erfuhren über 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was eine „Musikstadt“ in Nürnberg ausmachen könnte: etwa die Tatsache, dass Kaiser Sigmund im Jahr 1431 das Trompeterprivileg verlieh, sich der Ruf der Meistersinger durch Richard Wagner auf der ganzen Welt verbreitete oder welchen Musiker Albrecht Dürer so gekonnt porträtierte, dass er sogar von der koreanischen Post auf einer Briefmarke verewigt wurde?


Sommerfest 2022

| Beitrag vom 13. Juli 2022, von Dr. Roxanne Narz

Auch das gehört zur Vereinskultur: Feste feiern. Weil Feste einfach schön sind und weil sie einen gelösten Rahmen bieten, um die heterogenen Mitglieder von Geschichte Für Alle e.V. an einem Ort zusammenzubringen, feiern wir jährlich gleich mehrere. Eines dieser Feste, vielleicht sogar das schönste, ist das Sommerfest, das nach einer pandemiebedingten Fest-Pause in diesem Jahr endlich wieder stattfinden konnte. Am 1. Juli war es so weit. Alte und neue Rundgangsleiterinnen und Rundgangsleiter, Fördermitglieder, Haupt- und Nebenamtliche aus Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Fürth kamen im Stadtteil Gostenhof zusammen, um sich über ihre Erfahrungen der letzten Jahre, neue Herausforderungen, Interessantes und Kurioses aus den letzten Rundgängen, Historisches und Gegenwärtiges auszutauschen. Dass es zunächst fast pausenlos regnete, war unerfreulich, aber keine Tragödie. Mit einigen helfenden Händen ließ sich der angemieteten Aula in kurzer Zeit ein sommerliches Kleid verpassen. Gekühlte Rhabarberschorle, palmenbedruckte Servietten, eine äußerst versierte Grillmeisterin und die schließlich doch noch herausbrechende Sonne taten ein Übriges, um die traditionelle Sommerfestatmosphäre wiederaufleben zu lassen. Schön, dass Ihr dabei wart!

 


Juryentscheid zur Opernspielstätte im Innenhof der Kongresshalle - unsere Stellungnahme

| Beitrag vom 1. Juli 2022

Eine Experten-Jury hat auf Basis von acht Standortvorschlägen entschieden, dass die Ausweichspielstätte des Nürnberger Opernhauses in den Innenhof der Kongresshalle gebaut werden soll. Hierzu nehmen wir folgendermaßen Stellung:

Geschichte Für Alle e.V. nimmt die Entscheidung für den Standort Innenhof Kongresshalle mit Bedauern zur Kenntnis.

Der Lernort ehemaliges Reichsparteitagsgelände wird durch den Einbau des Opernhauses in den Innenhof der Kongresshalle dauerhaft und unwiderruflich verändert. Als Bildungsträger, der jährlich hunderttausenden Gästen aus aller Welt einen vertieften Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus bei Führungen über das Gelände ermöglicht, wissen wir dabei gerade um den hohen Stellenwert des (leeren) Innenhofs der Kongresshalle.

An keinem anderen Ort auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, aber auch an wenigen anderen Orten in Deutschland kann das Scheitern des NS-Regimes besser verstanden werden. Nachdem sich die Kongresshalle mehr als ein dreiviertel Jahrhundert einer „Be“-nutzung sperrte (außer als Lager), ist sie inzwischen das größte und einzige NS-Bauwerk in diesem originalen Zustand in Deutschland und steht deshalb zu Recht in Gänze unter Denkmalschutz. Leider wurden und werden nun unter vermeintlichen Sachzwängen und künstlichem Zeitdruck ohne ausreichend Zeit für breite und tiefergehende Diskussionen Entscheidungen getroffen, die das Bauwerk als historisches Dokument irreversibel verändern.

Der auf den ersten Blick ersichtlich unfertige Monumentalbau erklärt aus sich selbst heraus, ohne dass es vieler Erläuterungen bedarf, den Größenwahn des Regimes. Dieser Raumeindruck, der bereits jetzt durch die Bildungsarbeit vor Ort von unserem Verein wie auch vielen anderen Trägern, konstruktiv und demokratisch gebrochen wird, geht durch das Opernhaus im Innenraum verloren.

Wir argumentieren, dass dies bei einem Standort an der Außenfassade nicht in gleichem Maß der Fall gewesen wäre. Eine begrenzte Veränderung der Granitfassade, die symbolisch für den Ausschluss von Menschen aus der sogenannten „Volksgemeinschaft“ steht, ist als demokratische Umwandlung des Täterorts für uns sehr viel schlüssiger. Aus diesem Grund hätten wir die Umsetzung des Vorschlags des Architekturbüros Snøhetta AS, der die Spielstätte an der Seeseite der Fassade andockt und den Baukörper überzeugend in Terrassenform zum Teil unterirdisch in die Landschaft einpasst, sehr begrüßt.

Die temporäre, ephemere und vielfältige Bespielung des Innenhofs durch Bildungsarbeit, Kunst und Kultur ist für uns die einzige Möglichkeit, dass sich jede Generation aufs Neue mit der Erinnerung an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte auseinandersetzen kann.

 


Stolpersteinverlegung in Nürnberg

| Beitrag vom 27. Juni 2022, von Dr. Pascal Metzger

Geschichte Für Alle e.V. betreut die Verlegungen und Pflege von Stolpersteinen für Opfer des NS-Regimes in Nürnberg. Die diesjährige Verlegung fand am Sonntag, den 26. Juni 2022, statt. Der Künstler Gunter Deming verlegte an acht Stellen im Stadtgebiet zehn Stolpersteine.

Ein neuer Stolperstein in der Lenbachstraße erinnert an Dr. med. Anna Rodler. Sie kam in der Nähe von Minsk zur Welt und heiratete einen Nürnberger Hautarzt, mit dem sie anschließend gemeinsam eine Praxis betrieb. Als Jüdin war sie in der NS-Zeit zunächst vor der Verfolgung geschützt, da ihr Mann kein Jude war. Nach seinem Tod galt das allerdings nicht mehr: Man deportierte sie in das KZ Theresienstadt, wo sie ermordet wurde. Die Verlegung fand auf Veranlassung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie e.V. statt, Dr. Rodler ist eines ihrer ersten weiblichen Mitglieder gewesen.

Marie Haag ist ein nichtjüdisches Opfer der sogenannten Reichskristallnacht. Sie arbeitete als Dienstmädchen bei einem verwitweten jüdischen Hopfenhändler in der Gleisbühlstraße. Als SA-Männer die Wohnung in der Nacht vom 9./10. November 1938 stürmten, wurden beide Bewohner schwer misshandelt. Haag starb einige Tage später im Städtischen Krankenhaus an den Folgen.

Der 1. FC Nürnberg ließ zwei Stolpersteine für seinen früheren Trainer Jenő Konrád verlegen: vor dessen Wohnhaus in der Bingstraße und vor dem Stadion. Konrád war ab 1930 zwei Jahre lang beim FCN beschäftigt. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten angefeindet. Gauleiter Julius Streicher hetzte in seiner Zeitung „Der Stürmer“ gegen Konrád, woraufhin der das Deutsche Reich verließ.

Weitere Informationen zu diesen und den über 100 anderen Stolpersteinen in Nürnberg finden Sie auf www.stolpersteine-nuernberg.de. Dort besteht auch die Möglichkeit, für das Projekt zu spenden.


Versteckte Orte mit Geschichte - das Zeltnerschloss

| Beitrag vom 15. Juni 2022, von Dr. Roxanne Narz

Der Frühling war in diesem Jahr aus mehreren Gründen ein historischer: Geschichte wurde nicht nur wieder täglich vermittelt, analysiert und diskutiert, sondern auch geschrieben. Zum ersten Mal in der Institutsgeschichte führte uns ein Projekt zur Entwicklung einer Rundgangskonzeption nach Gleißhammer, in den Südosten von Nürnberg. Dort stand am 22. Mai unser neuer Stadtteilrundgang „Herrensitz, Lustschloss, Stadtidyll. Die Geschichte des Zeltnerschlosses“ auf dem Programm, der aus einer Kooperation zwischen Geschichte Für Alle e.V. und dem Kulturladen Zeltnerschloss hervorgegangen ist.

Was für die Bewohnerinnen und Bewohner Gleißhammers heute eine der wenigen und darum so wichtigen Grünoasen im dicht bebauten Stadtteil ist, war im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit ein Ort, an dem vor allem die städtische Führungsschicht gerne verweilte: einer von vielen Nürnberger Herrensitzen. Seine Geschichte reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück, als die Besitzer des nahegelegenen Hammerwerks zum Schutz von Dorf und Gewerbe ein Weiherhaus errichten ließen. Daraus ging zu Beginn der Frühen Neuzeit ein befestigter Schlossbau hervor, der den wohlhabenden Patrizierfamilien nunmehr als repräsentatives Lust- und Sommerschlösschen diente. Heute gehen vom Zeltnerschloss als Sitz eines der elf städtischen Kulturläden wichtige Impulse für die soziokulturelle Stadtteilarbeit aus.

Der neu konzipierte Rundgang führte erstmals durch die wechselhafte Geschichte dieses Herrensitzes und seiner unmittelbaren Umgebung und ließ dabei nicht nur die lokalen Gewerbetraditionen des kontrastreichen Stadtteils Gleißhammer sichtbar werden, sondern auch die fundamentalen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts (Arbeit, Technik, Mobilität). Dass er von Anfang an viel Anklang fand – am Treffpunkt versammelten sich so viele Menschen, dass die Gruppen geteilt werden mussten –, hat uns sehr gefreut und spiegelte das große Interesse an diesem historischen Ort wider, der sich durch seine Lage inmitten eines Gleisdreiecks vielen Blicken entzieht.

Neben dem hartnäckigen Sonnenschein und dem blauen Himmel trug freilich auch das kulinarische und musikalische Rahmenprogramm des Kulturladens Zeltnerschloss dazu bei, dass dieser Sonntag ein besonderer werden konnte. Zum Rundgangsauftakt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Schlosshof mit Musik aus der Epoche der Renaissance von der Schembart Gesellschaft empfangen und im Anschluss vor der historischen Kulisse mit kühlen Getränken und Häppchen umsorgt. Im nächsten Jahr wird der Rundgang in das GFA-Jahresprogramm aufgenommen, dann allerdings leider ohne Sektbegleitung.


Aktionstag am 11. Juni 2022: Klimaschutzrundgänge in Erlangen

| Beitrag vom 13. Juni 2022, von Lena Prechsl

Am Samstag, den 11. Juni 2022, feierte eine ganz besondere neue Stadtführung Premiere. Bei der von Katharina Funk, Klimaschutzmanagerin der Stadt Erlangen und Lena Prechsl, Historikerin unseres Vereins, konzipierten Tour durch die Altsatdt geht es einerseits um Klima- und Umweltgeschichte und andererseits um das, was in Erlangen getan wird, um dem Klimawandel etwas entgegen zu setzen.

Ob Heizen, Grünflächen oder Essgewohnheiten – durch historische und aktuelle Perspektiven rücken relevante Aspekte zum Klimaschutz in den Fokus und werden anhand von Beispielen in der Erlanger Innenstadt unterhaltsam und nachvollziehbar präsentiert.

Klimastadtführungen, die unser Verein bereits für Nürnberg, Bayreuth, Bischofsgrün, Pegnitz und Pottenstein konzipiert hat, bieten eine tolle Möglichkeit, vor Ort in den Städten aus verschiedenen Perspektiven das komplexe Thema des Klimawandels zu beleuchten.

Die Premiere der Erlanger Rundgänge war von reichlichem Bergkirchweih-Trubel begleitet, dennoch bestätigten etliche Teilnehmer:innen, dass sie neben historischen und aktuellen Fakten auch einige Handlungsideen mit nach Hause nehmen konnten. Eine weitere Durchführung der Klimastadtführung ist für den Herbst geplant.


Neuer Stadtteilrundgang "Rund um den Wöhrder See"

| Beitrag vom 1. Juni 2022, von Lena Prechsl

In der sommerlichen Hitze ist das Bedürfnis nach Abkühlung groß und viele Nürnbergerinnen und Nürnberger zieht es ans Wasser. Wer nun aber am Wöhrder See nicht nur Plantschen oder Tretbootfahren möchte, kann bei einem neuen Rundgang von Geschichte Für Alle e.V. viel Spannendes zum Stausee im Stadtzentrum erfahren. Zahlreiche Entdeckungen am Wasser präsentiert die neue Führung „Rund um den Wöhrder See“, die im Mai Premiere feierte.

In zwei Stunden erfährt man nicht nur, dass neben der Idee, einen „Sportsee“ in Nürnberg anzulegen, auch der Schutz der Altstadt vor Hochwassern eine bedeutende Rolle für die Flutung der Pegnitzaue in den 1970er Jahren spielte. Es geht vielmehr auch darum, was rund um den Wöhrder See zu entdecken ist. Dabei wird der Bogen quer durch die Geschichte gespannt. Es geht um Mühlen und Hämmer, die im ausgehenden Mittelalter von der Pegnitz und dem Goldbach angetrieben wurden, um den „Norikus“, der in den 1970er Jahren als größter Wohnkomplex Bayerns gebaut wurde und um das Sebastiansspital, das vom Pestlazarett zur Musikhochschule wurde.

Einen besonderen Blick auf den See bekommen die Teilnehmer:innen des Rundgangs von der Dachterrasse der Energie- und Umweltstation am Ostufer des Sees. Von hieraus lässt sich das Ökosystem und die Freizeitnutzung der „Wasserwelt Wöhrder See“ bestens überblicken. Viele interessante Informationen zu Pflanzen, Tieren und auch dem Mähboot „Molly“ schlagen dabei nicht nur eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch zwischen dem Zusammentreffen von Natur und Kultur auf engem (Stadt-)Raum. Wem der Spaziergang am schattigen Seeufer nicht genug Abkühlung war, kann sich danach noch an der Norikusbucht in das Wasser wagen.

Der Rundgang wurde von Bernd Windsheimer und Mitgliedern des Arbeitskreises Nürnberger Stadtteile in Zusammenarbeit mit der Energie- und Umweltstation der Stadt Nürnberg konzipiert. Die nächsten Termine für die öffentlichen Führungen finden Sie hier.

 


Von der Villa Leon zum Schweinauer Buck

| Beitrag vom 18. Mai 2022

Am 25. Juni luden das Umweltamt der Stadt Nürnberg und Geschichte Für Alle e.V. lzu einer 90-minütigen Fahrradtour von der Villa Leon zum Schweinauer Buck ein. Es ging entlang des „Grünen Wegs“, einer Freiraumverbindung, vom Plärrer bis zum Faberwald und dem Rednitztal.

Zum Flyer ->

 

 

 

 


Neuauflage des Standardwerks "Die Geschichte Nürnbergs" erschienen

| Beitrag vom 18. Mai 2022, von Kerstin Gardill

Geschichte Für Alle e. V. freut sich sehr, Ihnen die Neuauflage eines Klassikers präsentieren zu dürfen: Schon im Jahr 2000 erschien im Beck-Verlag, anlässlich des 950. Stadtjubiläums, ein illustriertes Überblickswerk zur Geschichte Nürnbergs. Hauptautor des mittlerweile zum Standardwerk avancierten Buchs ist unser leider schon 2014 verstorbener, wissenschaftlicher Mitarbeiter Martin Schieber.

Mehr als 20 Jahre später haben sich die Mitautor:innen Martina Mittenhuber, Dr. Alexander Schmidt und Bernd Windsheimer wieder zusammengefunden, um das Buch zu aktualisieren. Sie erweiterten die Publikation um ein Kapitel zur jüngsten Vergangenheit, wie zum Beispiel die Amtszeit von Oberbürgermeister Ulrich Maly, oder die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt.

Das Buch ist im Henkerhaus (Trödelmarkt 58) und selbstverständlich auch im Buchhandel zu erwerben. Schauen Sie rein - es lohnt sich.


Herzlich willkommen im Geschäftsstellenteam!

| Beitrag vom 10. Mai 2022, von Kerstin Gardill

Seit kurzem verstärkt die Mediävistin Dr. des. Jennifer Oevermann unser wissenschaftliches Team in der Geschäftsstelle und vertieft mit ihrer Expertise das inhaltliche Spektrum von Geschichte Für Alle e.V. Jennifer hat Geschichtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Historische Hilfswissenschaften an der Eberhard Karls Universität in Tübingen studiert und arbeitete mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Lehrstühlen für Mittlere Geschichte in Stuttgart und Tübingen.

In unserem Verein ist sie jedoch keine Unbekannte: Seit 2016 ist sie Rundgangleiterin bei Geschichte Für Alle und führt seitdem Gruppen über das ehemalige Reichsparteitagsgelände und durch die Nürnberger Altstadt. Auch unser Rundgang zur Bibliotheksgeschichte und die Überblicksführung "Nürnberger Highlights" stammen aus ihrer Feder.

In ihrer neuen Funktion wird Jennifer nun nicht nur Projekte zur Stadtgeschichte bearbeiten, sondern auch Verantwortung für das Veranstaltungs- und Fortbildungsprogramm übernehmen.

 


Jahresprogramm 2022

| Beitrag vom 28. März 2022

Am 1. April starten wir endlich in die neue Stadtführungssaison und rechtzeitig dazu ist unser neuen Jahresprogramm erschienen, das einen Überblick über unser Angebot an öffentlichen Rundgängen in Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Fürth bietet. Wir freuen uns sehr mit Ihnen gemeinsam auf Spurensuche zu gehen. Das Programm können Sie mit Klick auf das Bild downloaden oder hier als Druckexemplar kostenfrei bestellen.


Aktuelle Debatte über die Nutzung der Kongresshalle

| Beitrag vom 14. Februar 2022

Die Debatte über die Nutzung der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände dauert an und wird uns sicher noch länger beschäftigen. Hier finden Sie eine Zusammenstellung verschiedener Zeitungsartikel sowie unser Positionspapier und den offenen Brief der Rundgangsleiter:innen…

Debattenseite


Webseite zu den Nürnberger Stolpersteinen in online

| Beitrag vom 20. Dezember 2021, von Kerstin Gardill

Nach aufwendigen Recherchen ist unsere neue Internetseite zu den in Nürnberg verlegten Stolpersteinen fertiggestellt und online abrufbar www.stolpersteine-nuernberg.de

Mit dieser Internetseite liegen nun eine Übersicht und ein Verzeichnis aller Stolpersteine im Nürnberger Stadtgebiet vor, samt Kurzbiografien und Fotos der Opfer und ihrer letzten frei gewählten Wohnorte.

Seit 2018 ist Geschichte Für Alle e.V. als lokale Stolperstein-Initiative Ansprechpartner für den Künstler und Initiator der europaweiten Stolpersteinverlegungen Gunter Demnig. Wir bündeln die Anfragen für Verlegungen, recherchieren Biografien, organisieren die Termine und kümmern uns um viele kleinere und größere Belange rund um die Stolpersteine in unserer Stadt.


Alles neu im Henkerhaus!

| Beitrag vom 17. November 2021

Geschichte Für Alle e.V. hat die Corona-Zeit genutzt, um das Henkerhaus umfassend umzugestalten. Dies wurde durch eine großzügige Zuwendung der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg ermöglicht.

Bereits seit 2007 zeigt der Verein in der pittoresken Pegnitzüberbauung eine kleine Ausstellung zur Rechts- und Kriminalgeschichte. Diese wurde nun umfangreich erneuert und erweitert. So ist eine Ausstellungseinheit zur Rezeption der Nürnberger Kriminalgeschichte im 19. Jahrhundert entstanden und auch die Gebäudegeschichte sowie die Umgebung des Hauses nehmen in der Ausstellung eine deutlich größere Rolle ein. Dadurch soll das eindrucksvolle Gebäude, das im Spätmittelalter als Teil der „vorletzten“ Stadtmauer errichtet wurde, stärker in die Ausstellung eingebunden werden. Dennoch liegt der Fokus der Ausstellung weiterhin auf den Nürnberger Henkern, die das Henkerhaus jahrhundertelang als Dienstwohnung nutzten.

Neben den Neuerungen in der Ausstellung wurde im Erdgeschoss des Gebäudes ein bis dato ungenutzter Raum für den Publikumsverkehr erschlossen. Hier ist ein offener Treffpunkt für Geschichtsinteressierte entstanden. So gibt es hier Beratung zu den beliebten Stadtführungen von Geschichte Für Alle, es können Tickets und stadt- und kriminalhistorische Publikationen erworben werden. Ein Highlight in dieser Infostelle ist ein ausgewähltes Angebot an Produkten „Made in Nuremberg“. Vom über 100 Jahre alten historischen Blechspielzeug bis zu zeitgenössischer Kunst gibt es hier Unikate für alle, die auf der Suche nach dem Besonderen sind.

Hier der noch mehr Informationen auf unserer Henkerhaus-Webseite.

 


Wir heißen eine weitere neue wissenschaftliche Mitarbeiterin willkommen

| Beitrag vom 21. Oktober 2021, von Kerstin Gardill

Schon wieder tut sich was im Geschäftsstellen-Team von Geschichte Für Alle e. V.: Wir begrüßen die Historikerin Roxanne Narz ganz herzlich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in unserem Verein. Roxanne wird schwerpunktmäßig bei der Erarbeitung stadtgeschichtlicher Projekte - vom Stadtrundgang bis zur Publikation - mitarbeiten und dabei vor allem ihre zeitgeschichtliche Expertise einbringen. 

Die gebürtige Hessin hat ihr Bachelor- und Masterstudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in den Fächern Geschichte und Europäische Ethnologie abgeschlossen. Von 2017 bis 2021 promovierte sie im Fach Geschichte zum Thema „Kultur im Widerstreit. Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1949 – 1973“. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Zeitgeschichte sowie in der Kultur- und Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts.

Ihr erstes Projekt bei Geschichte Für Alle wird die Erarbeitung eines neuen Stadtteilrundgangs zur Geschichte des Zeltnerschlosses sein.


Leerer Innenhof ist Lernort und Denkmal

| Beitrag vom 04. Oktober 2021

Leerer Innenhof ist Lernort und Denkmal

Hier unsere Position zum aktuellen Vorschlag, den Innenhof der Kongresshalle als Ausweichspielstätte für die Nürnberger Oper zu nutzen:

Geschichte Für Alle e. V. kritisiert die Idee, den Innenhof der Kongresshalle als Ausweichspielstätte für das Opernhaus zu bebauen und fordert zugleich ein transparentes Verfahren sowie eine öffentliche Debatte.

Seit mehr als 30 Jahren setzt sich Geschichte Für Alle e.V. engagiert und kritisch mit dem Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände auseinander. Die aus dieser Beschäftigung hervorgegangenen Führungen und Publikationen sind ebenso wie die pädagogische Arbeit im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zentraler Bestandteil der historisch-politischen Bildung und der Erinnerungskultur auf dem Gelände. Allein im Jahr 2019 (vor Corona) nahmen mehr als 4.000 Besuchergruppen mit über 100.000 Menschen aus aller Welt an Bildungsprogrammen von Geschichte Für Alle e.V. auf dem Reichsparteitagsgelände teil.


Die viele Millionen teuere „Trittfestmachung“ und Öffnung der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes, um die ursprüngliche Raumbezüge und das Gesamtkonzept der Anlage wieder sichtbar zu machen, sind ohne diese historisch-politische Bildungsarbeit nicht denkbar.


Eine ebenso große Bedeutung für die historisch-politische Bildungsarbeit hat die Kongresshalle, das zweite wichtige Propagandabauwerk des Reichsparteitagsgeländes. Geschichte Für Alle e.V. befürwortet ausdrücklich die Schaffung von Räumlichkeiten für Kunst- und Kulturschaffende in den Innenräumen des Rundbaus. Hierbei darf jedoch das äußere Antlitz der unter Denkmalschutz stehenden Kongresshalle nicht nachhaltig verändert werden. Dies gilt für die äußere Blendfassade aus Granit, noch viel mehr aber für den mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums bewusst leergeräumten Innenhof, der wie kein anderer Ort auf dem Reichsparteitagsgelände für den Größenwahn und das Scheitern der NS-Diktatur steht. Dies lässt sich hier nicht nur intellektuell begreifen, sondern auch sinnlich erfahren. Hunderttausende von Besuchern erkunden jährlich in Gruppen oder auf eigene Faust den Innenhof, der mit Sicherheit zu den meistbesuchten Orten Nürnbergs zählt. Gerade der Innenhof der Kongresshalle ist ein Lernort von nationalem und internationalem Rang und daher nicht nur für Geschichte Für Alle e.V. ein zentraler und hochfrequentierter Ort der historisch-politischen Bildung.


Der Kongresshallen-Innenhof ist daher keineswegs „öde und vernachlässigt“ und könne „gebäudlich wie inhaltlich befüllt“ werden, wie OB Marcus König in einer Stellungnahme zur „Ausweichspielstätte Opernhaus“ schreibt. Ein durch einen Neubau, der an seiner höchsten Stelle nahezu die Höhe der Kongresshalle erreichen wird, verstellter Raum und eine Vielzahl eingebauter Fenster würden den erinnerungskulturellen Denkmalwert ein für allemal zerstören.


Eine Entscheidung des Stadtrats dieser Tragweite, die Fakten für die kommenden Jahrzehnte schafft, darf nicht einem als Ausschlussargument angeführten „Zeitdruck“ unterliegen, sondern erfordert zwingend einen öffentlichen Gesprächsraum und Diskurs über den zukünftigen Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.

-> Das Positionspapier zum Download


Neue Gesichter in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Buchhaltung

| Beitrag vom 22. September 2021

Im Zuge der Coronakrise gab es einige Veränderungen im Team von Geschichte Für Alle e.V. Mit Kerstin Gardill und Thomas Rufflar begrüßen wir nun zwei neue Mitarbeiter:innen im Geschäftsstellen-Team.

Kerstin hat in Erlangen und Berlin Geschichte und Politische Wissenschaften studiert. In Ihrer beruflichen Laufbahn hat sie neben vielseitigen historischen Projekten, wie Ausstellungen und Publikationen, den Schwerpunkt auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. In diesem Bereich wird sie uns unterstützen und künftig Ansprechpartnerin sein.

Thomas ist Wirtschaftswissenschaftler und Bilanzbuchhalter und ergänzt seit September unser Team, da sich unsere langjährige Buchhalterin Hanne Ruß in Bälde in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wird. Er sorgt nicht nur dafür, dass die Löhne pünktlich ausgezahlt werden, sondern kümmert sich auch um den Jahresabschluss und hat alle Kostenstellen fest im Blick. Als langjähriges Fördermitglied unseres Vereins sind ihm aber nicht nur Zahlen, sondern auch stadtgeschichtliche Themen durchaus vertraut.

Wir heißen die neuen Kolleg:innen noch einmal herzlich willkommen und freuen uns auf die Zusammenarbeit!


Gibt es in der Fürther Altstadt tatsächlich noch Unbekanntes zu entdecken?

| Beitrag vom 05. Juli 2021, von Claudia Oehm

„Hast du gewusst, dass es in Fürth die Studentenverbindung Corps Baruthia Fürth gab?
Und dass einst ein Gebäude des Pfarrklösterleins mitten in der Heiligenstraße stand?“

Unser erfahrener Rundgangsleiter Norbert Autenrieth versetzte uns übrige Fürther Rundgangsleitungen vor zwei Jahren ordentlich in Erstaunen. Für die Stadt(ver)führungen 2019 stellte er Anekdoten, Kuriositäten und Wissenswertes zusammen und präsentierte diese in den Straßen rund um die Fürther Altstadtkirche St. Michael. Sein Angebot stieß auf außergewöhnlich großes Interesse und so wurde auch unser aller Ehrgeiz geweckt: Wir wollten einen neuen Stadtrundgang entwerfen, der sich einerseits mit weniger bekannten Geschichten und Ereignissen befasst, und andererseits sich auf Straßenzüge konzentriert, die in anderen Stadtspaziergängen eher stiefmütterlich behandelt werden. Es gründete sich schnell eine „SOKO Geheimnisse“ (bestehd aus den Ehrenamtlichen Norbert Autenrieth, Christian Fritsche, Claudia Oehm, Andy Schirm und Brigitte Wünsche). Wir recherchierten in Archiven, Veröffentlichungen verschiedener Vereine und Autoren, im Internet und bei alteingesessenen Fürther:innen, verteilten die Aufgaben und planten und verwarfen Routen, bis wir zufrieden waren mit der Kombination aus Standorten und Laufwegen.

Sage und schreibe 20 „Geheimnisse“ werden wir auf dieser Tour lüften. Und wir hoffen natürlich auch, dass wir durch unsere Teilnehmer:innen das Rätsel der einen oder anderen „harten Nuss“, die wir selbst nicht haben knacken können, lösen können.

Der Rundgang wird u.a. über eines der größten und ältesten Mietshäuser Süddeutschlands berichten; erklären, woher die Namen der Weinstube „Duckla“ oder der Kneipe „Keimling“ kommen; ein – heute fast vergessenes – Mitglied der kurzen Räterepublik Fürth vorstellen; zeigen, wie glücklich wir uns schätzen können, dass der der sog. Schächterle-Plan nicht umgesetzt wurde; erklären, warum Fürth zwar nie eine Stadtmauer hatte, dafür heute aber Stadtmauerhäuser besitzt; die schönste Bedürfnisanstalt zeigen; von einer Naturkatastrophe im Jahre 1909 erzählen.

Wir freuen uns, dass wir nach einer langen Durststrecke endlich wieder auf Tour gehen können und in unserem neuen Rundgang kleine und große Geheimnisse einem geschichtsinteressierten Publikum präsentieren dürfen. Termine und Tickets für den neuen Rundgang finden Sie hier.

 


Auf jüdischen Spuren durch die Marienvorstadt

| Beitrag vom 13. April 2021, von Daniel Gürtler

Im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ führt Geschichte Für Alle e.V. - sobald das Pandemiegeschehen es zulässt - auf jüdischen Spuren durch die Marienvorstadt. Die Marienvorstadt entstand in den 1860er Jahren im Bereich zwischen der Bahnhofstraße und der Pegnitz als erste planmäßige Stadterweiterung Nürnbergs außerhalb der Stadtmauern. Wenige Jahre zuvor war es erstmals - seit mehr als 350 Jahren - Juden und Jüdinnen wieder erlaubt, sich in Nürnberg niederzulassen und das Bürgerrecht zu erwerben. In der Folge zog in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine größere Zahl jüdischer Familien, meist mit ihrem gesamten Unternehmen, nach Nürnberg um. Die Marienvorstadt als Neubauviertel für die gehobene Bürgerschicht entwickelte sich, auch wegen der Nähe zum 1847 eröffneten Centralbahnhof, zu einem der bevorzugten Quartiere für viele der jüdischen Neubürger:innen und ihre Gewerbebetriebe. In ganzen Wirtschaftszweigen wie der Fahrrad- oder der Blechspielwarenindustrie und ganz besonders dem Hopfenhandel waren jüdische Unternehmer lange Zeit führend. Jüdische Familien wie die Bings, Ottenstein, Krakenberger oder Hopf, alle wohnhaft in der Marienvorstadt, hatten einen maßgeblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Aufschwung Nürnbergs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aber auch durch ihr politisches, kulturelles und soziales Engagement prägten diese Familien ihre neue Heimat ganz grundlegend.

Lesen Sie den ganzen Artikel zum jüdischen Leben in der Marienvorstadt in unserem aktuellen Geschichtsrundbrief oder kommen Sie zu einem unserer Rundgänge, die hoffentlich bald wieder stattfinden können.

 


Die Fleischbrücke als wandelbarer "Star" im Stadtrundgang

| Beitrag vom 16. März 2021, von Lena Prechsl

Während wir im Corona-Lockdown sehnlich auf sinkende Fallzahlen und damit auch auf eine Perspektive für den Neustart unserer Stadtführungen warten, beschäftigen wir uns selbstverständlich viel mit der Neukonzeption und Überarbeitung unserer Bildungsprogramme. Dabei freuen wir uns immer wieder, mit welch faszinierenden historischen Bauwerken wir uns in unserer täglichen Arbeit beschäftigen dürfen. Eines davon ist die Nürnberger Fleischbrücke, die in so vielen unserer Stadtrundgänge in der Altstadt besprochen wird. Etliche stadtgeschichtliche Aspekte werden an der Brücke deutlich: So steht sie als Bauwerk an sich für das hohe technische Verständnis, das bereits Ende des 16. Jahrhunderts den Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer in Zusammenarbeit mit den Zimmermeistern Mathes Herdegen und Peter Carl und Baumeister Jacob Wolff d.Ä. im Brückenbau anwendete. Dann lässt sich die im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit so wichtige Handelsverbindung nach Italien illustrieren, ist doch die Fleischbrücke der venezianischen Rialtobrücke nachempfunden. Und wenn eine italienisch anmutende Brücke ihren Platz mitten in einer fränkischen Reichsstadt findet, so zeigt sich, dass nicht nur Güter von Italien nach Nürnberg kamen. Es fand vielmehr auch ein bedeutender Kulturtransfer statt. Die vielen italienischen Einflüsse werden über die Brücke hinaus ja auch an den zahlreichen humanistischen Werken, die in Nürnberg entstanden sind, deutlich.

Doch nicht nur kunst- und kulturhistorisch ist die Brücke interessant. Bei unseren Stadtführungen dient sie auch mit dem an sie anschließenden Ochsenportal als Aufhänger für den Fleischkonsum im Wandel der Zeit. So sind Fleischbrücke und das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Fleischhaus wichtige Stationen unseres ernährungsgeschichtlichen Rundgangs „Rotes Bier und blaue Zipfel“. Die Brücke musste sogar darauf ausgelegt werden, dass ganze aus dem Osten importierte Ochsenherden, die im Fleischhaus geschlachtet werden sollten, das Bauwerk passieren konnten.

Auch rechts- und kriminalgeschichtlich ist die Brücke ein spannender Ort. Auf dem Vorgängerbau der heutigen, 1598 fertiggestellten Brücke befand sich der sogenannte Ohrenstock, in dem der Henker seine Instrumente zur Durchführung von körperlichen Strafen aufbewahrte. Und auch als Ort der Bestrafung „am Leib“ findet die Fleischbrücke ihren Platz in der Nürnberger Kriminalgeschichte und damit auch in unserer Stadtführung „Mörder, Fälscher, Messerstecher“. So wurde hier zum Beispiel einem Mann, der wegen Gotteslästerei verurteilt worden war, von Nürnbergs bekanntestem Henker Franz Schmidt 1591 die Zunge abgeschnitten.

In unserem Rundgang „Romantische Pegnitz?!“ erklären wir am Beispiel der Fleischbrücke hingegen, dass das Fragezeichen im Rundgangstitel völlig zurecht steht. Denn der heute so bekannte, steinerne Bau ist überhaupt erst entstanden, weil ein gewaltiges Hochwasser die hölzerne Vorgängerbrücke 1595 vernichtete. Damit findet die Fleischbrücke auch im Themenkomplex der Umweltgeschichte ihren Weg in unsere Bildungsarbeit.

Anhand der vielen historischen Dimensionen und Zusammenhänge, die an einem einzigen Bauwerk erläutert werden können, zeigt sich, wie faszinierend die Arbeit mit der Stadtgeschichte ist und wie viel es im öffentlichen Raum zu entdecken gibt. Es lohnt sich also immer, ob auf einem Stadtrundgang oder alleine, die Augen offen zu halten. Es gibt viel zu entdecken.

 


Schulprojekt zu Nürnberger "Euthanasie"-Opfern

| Beitrag vom 26. Februar 2021, von Dr. Pascal Metzger

Seit diesem Schuljahr führt Geschichte Für Alle e.V. ein lange geplantes Projekt mit einem P-Seminar des Hermann-Kesten-Kollegs durch. Gemeinsam recherchieren wir die Biografien von Nürnberger*innen, die im NS-Staat Opfer von „Euthanasie“ oder Zwangssterilisationen wurden. Die Seminartreffen finden als Videokonferenzen statt, die Archivrecherchen wurden teilweise schon vor Corona durchgeführt, darüber hinaus sind zahlreiche Mitarbeiter*innen der (derzeit geschlossenen) Archive sehr hilfsbereit. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert und es werden Stolpersteine verlegt. Die Lokalpresse berichtete vor ein paar Tagen über das Vorhaben. Den Bericht finden Sie hier.

 


Nürnberg im Mittelalter: Ein Hörtipp für Geschichtsfans

| Beitrag vom 5. Februar 2021, von Lena Prechsl

Nürnberg war im Spätmittelalter eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reichs. Noch heute zeugt auf der einen Seite die Kaiserburg von der großen Nähe der Stadt zum Kaiser. Von diesem, genauer von Friedrich II., bekam Nürnberg 1219 ein erstes weitreichendes Stadtprivileg. Auf der anderen Seite symbolisieren beispielsweise die beiden mächtigen „Bürgerkirchen“ St. Lorenz und St. Sebald das große Selbstbewusstsein der städtischen Bürgerschaft. Diese etablierte eine ausgedehnte städtische Selbstverwaltung, die um 1400 schließlich die zollerischen Burggrafen aus der Stadt drängte. Nürnberg war damit zu einer Reichsstadt geworden, in der das städtische Patriziat eine sehr große politische Machtfülle auf sich vereinte.

In der Folge entwickelte Nürnberg im 15. Jahrhundert eine große Blütezeit. Noch heute lässt sich diese an kulturellen Schätzen wie den Schriften zahlreicher bedeutender Humanisten oder den Werken zahlreicher sehr bekannter und auch weniger bekannter Künstler ablesen.

Grundlage für diese so positive kulturelle Entwicklung im Spätmittelalter (und auch darüber hinaus) war das geschickte Agieren der Großkaufleute (unter ihnen auch viele Patrizier) und der Einfallsreichtum der Handwerker. So war Nürnberg nicht nur Zentrum für beispielsweise den Textil- und Gewürzhandel, sondern auch viele bedeutende Erfindungen lassen sich in der Reichsstadt verorten. So wurde hier beispielsweise der mechanische Drahtzug, der sich der Wasserkraft bedient, erfunden, was die Stadt zu einem Zentrum der Drahtproduktion machte.

Viele dieser spannenden Aspekte der spätmittelalterlichen Nürnberger Stadtgeschichte lassen sich am besten in der Altstadt selbst ablesen. Wir können es kaum erwarten, unsere Rundgangsteilnehmer*innen vor Ort wieder auf kleine und große Zeugnisse der Vergangenheit aufmerksam zu machen. Wen auch die Sehnsucht nach einer Ladung Stadtgeschichte packt, der oder dem sei der schöne Radiobeitrag „Auf dem Weg zur Metropole“ von Bayern 2 zu Nürnberg im Mittelalter empfohlen. Neben dem langjährigen Leiter des Staatsarchivs Prof. Dr. Peter Fleischmann ist in dem Beitrag auch unsere Rundgangsleiterin Esther Guckenberger zu hören, die von Redakteur Michael Zametzer bei einem Rundgang durch die Altstadt begleitet wurde. Den Beitrag finden Sie hier.

 


Weihnachtsgruß des Vorstands

| Beitrag vom 22. Dezember 2020

Liebe Mitglieder, Mitarbeiter*innen und Geschichtsinteressierte,

ereignisreiche Monate liegen hinter uns. Noch nie in der Geschichte unseres Vereins ist ein Jahr so grundlegend anders verlaufen als wir es erwartet hätten. Die Coronakrise hat die Bildungsarbeit über Monate in weiten Teilen auf Eis gelegt. Auftragsflaute, Kurzarbeit und die nicht immer erfüllte Hoffnung auf staatliche Unterstützung sind nur einige der Folgen.

Und doch: Geschichte Für Alle e.V. lebt seit seiner Gründung vor 35 Jahren vom stetigen Wandel. Das ist, was uns als Institution und als Verein auszeichnet. Es war von Anfang an unser Ziel, neue Wege zu beschreiten: neue Wege in der Auseinandersetzung mit Geschichte, in deren Vermittlung und in der Zusammenarbeit zwischen ausgebildeten Historiker*innen und sog. „Bürgerforscher*innen“ (also historisch interessierten Laien). Das macht uns Mut, auch die großen Herausforderungen, die die gegenwärtige Krise mit sich bringt, langfristig positiv gestalten zu können. Wir haben Lust auf Neues, sei es in den Bereichen Digitalisierung, der Geschichtsvermittlung oder der Projektarbeit. Viele Grundlagen wurden in diesem Jahr gelegt und wir freuen uns darauf, sobald es die Pandemie wieder zulässt, gemeinsam den Geschichtsverein in die Zukunft zu bringen.

Um diesen Weg gehen zu können, waren und sind wir sowohl auf finanzielle als auch auf personelle Unterstützung angewiesen. Wir danken allen Mitarbeiter*innen, die sich mit großem persönlichem Einsatz auf die neue Situation eingestellt haben und einen Beitrag dazu leisten, dass auch in der Zukunft die so relevante Arbeit unseres Vereins sichergestellt ist. Wir danken auch ganz herzlich allen Mitgliedern, die durch ihre Teilhabe am Vereinsleben, aber auch ihre Mitgliedsbeiträge ein Bestehen unseres Vereins auf ideeller und finanzieller Ebene sichern. Ganz besonders sei denjenigen, die uns durch Spenden in der Krise unterstützt haben, gedankt. Die Bereitschaft, Geschichte Für Alle durch Spenden zu unterstützen, hat uns sehr bewegt.

Wir wünschen Ihnen schöne und entspannte Festtage und freuen uns schon, 2021 wieder mit Ihnen die Geschichte der Region zu entdecken. Bleiben Sie gesund und starten Sie glücklich in das neue Jahr!

Herzliche Grüße

Alexander Büttner, Wolf Hergert und Ruth Papadopoulos
Vorstand

 


Radiobeitrag zu den Hexenverfolgungen

| Beitrag vom 08. Dezember 2020, von Lena Prechsl

Unsere lange Erfahrung zeigt, dass Stadtführungen besonders dann auf großes Interesse stoßen, wenn es vor Ort (noch) richtig viele Spuren der Vergangenheit zu sehen gibt. Etwas anders ist die Lage in Bamberg. Hier ist die Führung, für die sich die meisten Menschen interessieren, unser Rundgang zum Thema Hexenverfolgung. Spuren zu diesem dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte finden sich in Bamberg kaum. Dort, wo sich im 17. Jahrhundert das Hexengefängnis („Malefizhaus“) befunden hat, schaut man heute auf eine Bäckereifiliale. Und doch kann man sich in Stadt, wo die Fürstbischöfe in der Frühen Neuzeit drei Verfolgungswellen mit über 1000 Toten verantworteten, anhand der überlieferten Schicksale ein eindrucksvolles Bild der Hexenverfolgungen machen.

Auch der Bayerische Rundfunk hat das Thema nun ein weiteres Mal aufgegriffen und einen Radiobeitrag zu den Hexenverfolgungen (schwerpunktmäßig in Eichstätt) gemacht, bei dem auch unsere Mitarbeiterin Franca Heinsch als Interviewpartnerin zu Wort kommt und die Aspekte der Bamberger Geschichte miteinbringt. Reinhören lohnt sich, den Link zum Beitrag finden Sie hier.

 


"Abgründe"-Podcast zu Gast im Henkerhaus

| Beitrag vom 27. November 2020, von Lena Prechsl

Die aktuelle Folge des „Abgründe“-Podcasts der Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung blickt tief zurück in die Vergangenheit. Unter anderem geht es um Franz Schmidt, den berühmtesten Nürnberger Henker (vermutl. 1555–1634) und sein Diensttagebuch „All mein Richten“.

Franz Schmidt bewohnte, während er als Henker – oder „Nachrichter“ – in der Stadt arbeitete, das Henkerhaus über der Pegnitz. Seit 2007 zeigt Geschichte Für Alle e.V. hier eine Ausstellung zur Rechts- und Kriminalgeschichte. Während sich das kleine Museum vor allem mit Nürnbergs reichsstädtischer Zeit beschäftigt, also dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, spannt die aktuelle Podcast-Folge den Bogen bis in die Gegenwart. Dabei geht es um u.a. um die spannende Frage, wie weit die Ermittlungsbehörden heute bei Verhören gehen dürfen, insbesondere wenn Menschenleben akut gefährdet sind.

Unser Henkerhaus wie auch unsere kriminalhistorischen Stadtrundgänge sind derzeit leider weiterhin in der Corona-Pause. Dennoch sind wir nicht untätig. Im nächsten Jahr wird sich einiges im Henkerhaus tun, bleiben Sie gespannt.

Falls Sie nach dem Hören des Podcasts noch mehr Lust auf die Kriminalgeschichte haben, haben wir hier Lesestoff für Sie. So kann man sich mit der Neuauflage des Tagebuchs von Franz Schmidt selbst auf eine Spurensuche in die Zeit um 1600 machen, Frühneuhochdeutsch inklusive.

 


75 Jahre Nürnberger Prozesse – 20 Jahre GFA im Saal 600 – 10 Jahre Memorium

| Beitrag vom 20. November 2020, von Dr. Pascal Metzger

Am 20. November 1945 begannen die Nürnberger Prozesse. Ein Meilenstein in der Entwicklung des Völkerrechts und Völkerstrafrechts: Zum ersten Mal mussten sich führende Staatsmänner persönlich vor Gericht dafür verantworten, Krieg geführt und Kriegsverbrechen begangen beziehungsweise unterstützt zu haben. Verbrechen gegen die Menschheit von unfassbarem Ausmaß wurden dabei aufgeklärt. Die Nürnberger Prozesse fanden lange keine Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung und keine Nachahmung auf zwischenstaatlicher Ebene, der Weg zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, 2003 konstituiert, war ein langer.

Geschichte Für Alle e.V. nahm im Jahr 2000 die historisch-politische Bildungsarbeit im Saal 600 auf und hielt dort fortan regelmäßig Vorträge für Besucher*innen aus der ganzen Welt. So wie heute waren es damals schon überwiegend Menschen aus den USA, die sich für den historischen Ort interessierten. Ein Besuch des Schwurgerichtssaals war allerdings nur unter der Woche möglich und nur, wenn dort gerade keine Gerichtsverhandlung stattfand, was man oft erst am Tag selbst erfuhr.

Mit einem Festakt am 21. November 2010 eröffnete das Memorium Nürnberger Prozesse seine Dauerausstellung. Als Kooperationspartner des Memoriums führten wir seit 2010 mehrere tausend Gruppen durch die Dauerausstellung und betreuten sie bei moderierten Programmen. In unserem Angebot finden sich Überblicksveranstaltungen ebenso wie individuell wählbare Schwerpunkte, zum Beispiel zu einem der Nachfolgeprozesse gegen Ärzte oder Juristen. Die Teilnehmer*nnen setzen sich dabei nicht nur mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen durch die Alliierten und später in West- und Ostdeutschland auseinander, sondern auch mit aktuellen Fragestellungen zum Völkerrecht und gegenwärtigen Konflikten.

Seit diesem Sommer bieten wir auch eine Außenführung rund um den Justizpalast und vor die Tore der Justizvollzugsanstalt an. Neben der Historie der Nürnberger Prozesse sprechen wir dabei über die Baugeschichte des seit seiner Eröffnung 1916 größten Gerichtsgebäudes in Bayern und über die Architektur und Nutzung des 1868 erbauten Zellengefängnisses. Weitere Infos zu dieser Führung finden Sie hier.

 


Buch-Neuerscheinung: Erlangen. Die Hugenottenstadt

| Beitrag vom 11. November 2020, von Hartmut Heisig

Die vielseitige Geschichte Erlangens von den mittelalterlichen Anfängen bis zur modernen Großstadt erzählt der neu erschienene 17. Band der Reihe „Historische Spaziergänge“.

Erlangen blickt auf über 1000 Jahre Stadtgeschichte zurück. Erstmals erwähnt als „Villa Erlangon“ im Jahr 1002 entwickelte sich vor allem östlich der Regnitz rasch die Siedlung, die später als Hugenottenstadt, Universitätsstadt oder auch Siemensstadt bekannt werden sollte. Insbesondere unter der Herrschaft der Hohenzollern, die von 1402 bis 1806 die Geschicke der Stadt lenkten, entwickelte sich die Erlangen enorm. Die wohl wichtigste Zäsur dieser Zeit war, dass 1686 Markgraf Christian Ernst französische Glaubensflüchtlinge einlud, sich in Erlangen anzusiedeln. Für die Hugenotten, die diesem Ruf folgten, wurde gar eine neue Stadt errichtet und nach einigen Startschwierigkeiten erwies sich das soziale Experiment des Zusammenlebens verschiedener Konfessionen als Motor für die Wirtschaft, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts florierte.

Als Erlangen 1810 an das Königreich Bayern angeschlossen wurde, war diese Blütezeit bereits vorüber und erhebliche Armut herrschte in der Stadt. Doch durch die 1743 gegründete Universität und die infrastrukturelle Anbindung an den Ludwigskanal und die Eisenbahn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Erlangen zu einer Industriestadt. Vor allem für den Export von Bier, Textilien und nicht zuletzt Produkten aus dem Bereich der Medizintechnik wurde Erlangen als Innovationszentrum bekannt.

Während der NS-Zeit wurden in Erlangen schwere Verbrechen begangen. Das bekannteste davon ist die Ermordung von über 2.000 geistig behinderten und psychisch kranken Menschen in der sog. Heil- und Pflegeanstalt. Anders als andere Städte in der Region wurde Erlangen im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört. Nach dem Krieg konnte man so schnell wieder an die wirtschaftlichen Erfolgszeiten anknüpfen und die Stadt an der Regnitz wurde zur „Medizinhauptstadt Deutschlands“.

Das neue, reichbebilderte Büchlein lädt dazu ein, diese und viele weitere Facetten der Erlanger Stadtgeschichte zu entdecken. Anhand von 17 Stationen werden die bekannten und unbekannten Seiten der Stadt unterhaltsam präsentiert. Gerade jetzt während des zweiten Lockdowns ist diese neue Publikation eine tolle Möglichkeit, bei einem Spaziergang Erlangen (besser) kennenzulernen oder gemütlich zu Hause auf dem Sofa in die Stadtgeschichte einzutauchen.

 Weitere Informationen zu der Publikation finden Sie hier.

 


Mit den Händen sehen – blinde und sehbehinderte Menschen erkundeten die Kongresshalle

| Beitrag vom 21. Oktober 2020, von Ulrike Hauffe

In Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände bot Geschichte Für Alle zum ersten Mal einen öffentlichen Rundgang zur Erkundung der Kongresshalle für blinde und sehbehinderte Menschen an.

Die Informationen zu den Reichsparteitagen der Nationalsozialisten in Nürnberg und dem unfertigen Bau der Kongresshalle wurden für die sehr interessierten 13 Teilnehmer*innen nicht nur über die Sprache plastisch. Tastmodelle verdeutlichten die Dimensionen des Geländes und der Bauten, die Fassadenstruktur der Kongresshalle und den Raumeindruck. Steinproben wie Granit oder Marmor ließen die beabsichtigte propagandistische Wirkung der Baumaterialien klarer werden. Mit dem Langstock ließen sich im Arkadengang die Proportionen Gebäude – Mensch nachvollziehen.

In angenehmem Austausch wurden Fragen beantwortet, wurde Wissen zusammengeführt, wurde gelacht und bei den Sehenden ein neues Verständnis für die Darstellung geweckt.

Diese Veranstaltung verstärkte die Motivation, Zielgruppen mit anderen Wahrnehmungsschwerpunkten im Rundgangsprogramm öfter anzusprechen.

Ein Dankeschön an alle, die kamen, die den Rundgang ermöglichten und die freiwilligen Begleitpersonen, die halfen, die kritischen Ecken sicher zu umgehen.

 

 


Das Zeppelinfeld als Geschichtsquelle ersten Ranges

| Beitrag vom 06. Oktober 2020, von Pascal Metzger

Am vergangenen Samstag führten der Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin (vormals Kulturreferat), das Dokuzentrum und Geschichte Für Alle e.V. zum siebten Mal seit dem Jahr 2011 einen Informationstag am Zeppelinfeld durch.

Als Ergebnis eines jahrzehntelangen Diskussionsprozesses mit der Bürgerschaft und Expert*innen entschied sich die Stadtverwaltung für den Erhalt und die Instandsetzung der Bauwerke auf dem Zeppelinfeld.

Geschichte Für Alle e.V. spricht sich ebenfalls dafür aus, das ehemalige Reichsparteitagsgelände nicht wie in früheren Jahrzehnten totzuschweigen, abzureißen und zu überbauen, sondern sich mit der hervorgehobenen Rolle der Stadt im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und das architektonische Erbe als Geschichtsquelle zu bewahren und zur historisch-politischen Bildungsarbeit zu nutzen.

An dem Thementag bekamen die Besucher*innen bei unseren kostenlosen Führungen Informationen über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Zeppelinfeldes und der Zeppelintribüne vermittelt. Städtische Mitarbeiter*innen aus den Bereichen Kultur und Bauen standen allen Interessierten an einem Infopavillon Rede und Antwort.

Von 9 bis fast 19 Uhr führten wir insgesamt 36 Rundgänge durch, darunter auch Touren in verschiedenen Fremdsprachen und mit Gebärdensprachdolmetscherin.

An dem Tag genossen alle Rundgangsleiter*innen ein bisschen „Rundgangsnormalität“ in einer Zeit, in der coronabedingt nur wenige Stadtrundgänge gebucht werden.  

 

Vereinsleben fährt wieder hoch: Führung zum Thema "Holz in Nürnberg"

| Beitrag vom 30. September 2020, von Lena Prechsl

Seit Mitte September finden (endlich!) wieder Veranstaltungen und Fortbildungen für unsere Rundgangsleitungen und Fördermitglieder statt.

Am vergangenen Freitag führte unsere ehrenamtliche Leiterin des Ressorts Nürnberg-Innenstadt ca. 20 Vereinsmitglieder auf den Spuren des Holzhandwerks und Holzabbaus durch die Altstadt. Im ersten Teil der Spezialführung ging es um die Zeit im Spätmittelalter, als Nürnberg als aufstrebende Stadt sehr viel Brenn- und Baumaterial verbrauchte und es Peter Stromer als „Tannensäer“ gelang, die Aufforstung im Nürnberger Reichswald in die Wege zu leiten. Der weitere Weg führte die Gruppe zur sagenumwobenen Linde im Nürnberger Burghof. Außerdem wurden auf der Burg die Pionierleistungen von Maria Sybilla Merian (1647–1717) gewürdigt, die Pflanzen und die dazugehörigen Tiere genau bildlich darstellte. Auf der Kaiserburg wird der bedeutenden Naturforscherin und Künstlerin heute mit dem Maria Sibylla Merian-Garten gedacht.

Im zweiten Teil des Rundgangs besuchte die Gruppe eines der ältesten Fachwerkhäuser Nürnbergs in der Oberen Schmiedgasse. Dort berichtete der Schreiner und Architekt Daniel Votteler über die Bauweise des Hauses und auch über die aktuelle Instandsetzung, vor allem im Hinblick auf den Baustoff Holz. Auch wenn der Verzicht auf unsere Highlights wie die Studienfahrt, aber auch das Sommerfest und die Weihnachtsfeier schmerzhaft ist, so freut es uns unter den gegeben Umständen umso mehr, dass ein unmittelbarer Austausch zwischen den Mitgliedern von Geschichte Für Alle im kleinen Rahmen nun wieder möglich ist.

Alle weiteren geplanten Veranstaltungen finden Sie im Geschichtsrundbrief.

 


Die Geschichte der Hallerwiese

| Beitrag vom 2. September 2020, von Philipp Bayerschmidt

In den Sommermonaten ist die grüne Oase an der Pegnitz zwischen dem Weidenmühlsteg und dem Hallertor ein beliebter Platz, um im Freien das schöne Wetter zu genießen. Die Hallerweise ist die erste Grünanlage Nürnbergs und bereits seit mehr als 600 Jahren ein wichtiger Freizeit- und Festplatz.

1434 erwarb der Rat der Stadt Nürnberg das Gelände von ihrem ursprünglichen Besitzer, einem Mitglied der Patrizierfamilie Haller. Daher leitet sich der heutige Name ab, der sich über die Jahrhunderte halten konnte. Da die Wiese im Hochwasserbereich der Pegnitz lag, konnte sie weder bebaut noch landwirtschaftlich erschlossen werden. Somit war das schon länger von der Allgemeinheit genutzte Gelände die ideale Wahl, um als Versammlungs- und Festplatz mit einem kleinen Park für Sport, Spiel und Feste zu dienen. Die erste öffentliche Grünanlage Nürnbergs war geboren.

Bereits in den 1430er Jahren wurde ein Entwässerungsgraben gezogen und später im westlichen Teil von Stadtbaumeister Paulus Vorchtel mehrere Reihen Linden gepflanzt. Der östliche Teil wurde als Freifläche für Spiel und Festversammlungen belassen. Nahe der Stadtmauer befand sich eine Schießanlage mit „Schießhäuslein“ für die Armbrustschützen. Als weitere Attraktion wurden 1482 drei Röhrenbrunnen errichtet.

Die einladend gestaltete Wiese stand grundsätzlich allen Bürger*innen für Feste und Spiele zur Verfügung, weshalb sie mitunter „Allerwiese“ genannt wurde. Man traf sich, um zusammen Karten-, Würfel und Brettspiele zu spielen oder um die Parkanlage zu genießen.

Im 16. Jahrhundert wandelte sich der Charakter des Geländes hin zu einer Flaniermeile, die nicht den besten Ruf hatte. Das Gebiet stand jedoch unter erhöhtem rechtlichen Schutz und wurde zur Muntat erklärt, einer Zone mit besonderem Rechtstatus. Verstöße gegen geltendes Recht wie Betrug beim Spiel, Beleidigungen oder Körperverletzungen wurden besonders streng geahndet.

Die Hallerwiese diente jedoch nicht nur der Erholung, sondern auch der körperlichen Ertüchtigung und wurde nach dem Willen des Rates der erste Nürnberger Sportplatz. Hier übten sich die jungen Männer im Speerwerfen, Ringen, Reiten, Fechten, Stein- oder Stangenstoßen. Dies geschah allerdings nicht nur zum Vergnügen, sondern auch zur Erhaltung der Wehrfähigkeit, um Nürnberg gegen die ständige Bedrohung durch den Markgrafen von Ansbach behaupten zu können. Bis den Armbrust- oder Schnepperschützen im 15. Jahrhundert vom Rat andere Übungsplätze zugewiesen wurden, trainierten diese ebenfalls dort. Heute erinnert noch der Schnepperschützenbrunnen, der einen Schützen zeigt, der auf eine imaginäre Vogelstange zielt, an die Tradition dieses Sportes. Er wurde vom Bildhauer Leonhard Herzog 1904 geschaffen.

1439 beging man hier das erste urkundlich nachweisbare Armbrust-Schützenfest. Solche Feste fanden von nun an alljährlich statt und waren keineswegs nur von lokaler Bedeutung. Aus Weit und Fern lud der Rat zu diesem Spektakel ein. 1579 kamen etwa 100 Schützen von außerhalb angereist. Die Hallerwiese wurde aufwendig und reichlich geschmückt und der Rat scheute keine Kosten und Mühen, um das Unterhaltungsbedürfnis der Bevölkerung zu befriedigen.

Neben dem Brunnen erinnert auch das heutige Café „Schnepperschütz“ mit seinem Namen an diese sportliche Betätigung. Es befindet sich in dem historischen Gemäuer neben dem Hallertor.

 

Literatur zum Thema


Testen Sie Ihr Geschichtswissen

| Beitrag vom 25. August 2020, von Philipp Bayerschmidt

In unserer Quiz-Reihe können Sie Ihr Wissen zu den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg testen.

Hinter jedem der 12 Bilder verbirgt sich eine Frage. Per Klick können Sie diese öffnen und eine Antwortmöglichkeit auswählen. Die Auflösung für das gesamte Quiz gibt am Ende der rote Button neben den Antwortfeldern. 

Um das Quiz starten zu können, müssen Sie die PDF-Datei herunterladen und mit einem PDF-Reader öffnen. Wenn Sie die Datei in ihrem Browser öffnen, funktioniert das Quiz leider nicht.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Rätseln. 

Quiz 1: Die Fürther Innenstadt 
Quiz 2: Das Nürnberger Volksbad

 


Wie die Corona-Pandemie Geschichte Für Alle e.V. trifft

| Beitrag vom 18. August 2020, von Lena Prechsl und Bernd Windsheimer

2020 sind es nicht frühneuzeitliche Pestordnungen oder Akten über die Nürnberger Choleranotspitäler des 19. Jahrhunderts, die uns beschäftigen, sondern die Corona-Pandemie, die die ganze Welt vor ungeahnte Herausforderungen gestellt hat. Es ist zu erwarten, dass auch das neuartige Corona-Virus, wie die Seuchenereignisse der Vergangenheit, weitreichende Folgen haben wird. Für Geschichte Für Alle e.V. könnte die Situation auf jeden Fall nicht weiter von den Erwartungen entfernt sein, die wir zu Beginn des Jahres 2020 hatten.

Die neue Ausgabe unseres halbjährlich erscheinenden Geschichtsrundbriefs gibt einen Überblick zur aktuellen Situation bei Geschichte Für Alle e.V. Die momentane Lage hat große Auswirkungen auf viele Bereiche des Vereins. Für die Saison 2020 erwarteten wir eigentlich erneut ein Jahr, indem wir Führungen für über 12.000 Gruppen anbieten würden. Zwischen März und Juni lag dann aber unsere gesamte Vermittlungsarbeit brach, mit weitreichenden Folgen für den Verein als Ganzes, vor allem jedoch für die angestellten und freien Mitarbeiter*innen.

Wie sehr die Krise Geschichte Für Alle e.V. verändern wird, ist nicht absehbar. Zu unseren öffentlichen Führungen, die wir seit Mitte Juni wieder anbieten, kommen erfreulich viele Teilnehmer*innen. Viele Dinge, die wir uns nicht hätten vorstellen können, wie ein Mindestabstand zwischen Gruppenmitgliedern oder das Führen mit Maske in geschlossenen Räumen, funktionieren mit reichlich Improvisation erstaunlich gut. Und auch große strukturelle Maßnahmen wie das Einrichten eines Webshops für den Vorverkauf der Rundgangstickets (der zur Regulierung der Gruppengröße bei öffentlichen Führungen erforderlich ist) konnten und mussten wir aus dem Druck der gegenwärtigen Lage heraus sehr viel schneller umsetzen, als wir eigentlich geplant hatten.

Doch diese freigesetzten Potentiale und positiven Erfahrungen in der Krise können nicht darüber hinwegtäuschen, dass an Juli-Tagen, an denen 2019 teilweise über 100 Führungen bei uns gebucht waren, in diesem Jahr höchstens zwei Gruppen mit Geschichte Für Alle e.V. in Nürnberg unterwegs waren. Diesen enormen Schock für unsere Arbeit zu überwinden, wird viel Zeit brauchen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in unserem Geschichtsrundbrief.

 


Die Geschichte des Nürnberger Altstadtrings

| Beitrag vom 11. August 2020, von Philipp Bayerschmidt

Ein schöner Blick in die Vergangenheit: der Vestnertorgraben um das Jahr 1907. Die heutige Straße „Vestnertorgraben“ ist Teil des Nürnberger Altstadtrings, der sich einmal um die gesamte Stadtmauer zieht. Ende des 19. Jahrhunderts entsprach es in ganz Europa dem Zeitgeist, die alten Stadtmauern abzureisen, um Platz für den Verkehr und die Stadtentwicklung zu schaffen. Vorbilder hierfür waren das neugestaltete Paris sowie die Wiener Ringstraße.

Nach der Auflösung der Festungseigenschaft, wollte man in Nürnberg die Stadtmauer zum Abriss freigeben. Man sah in ihr weniger ein historisches Denkmal, als vielmehr ein Verkehrshindernis. Zwischen 1868 und 1876 erteilte man den Abriss der Mauer am Sterntor, am Laufer Tor sowie großer Teile der Stadtbefestigung. Demnach sollten am Ende nur die vier runden Tortürme sowie die Mauer zwischen Tiergärtnertor und der Kaiserburg erhalten bleiben. Der Stadtgraben hätte aufgeschüttet werden sollen.

Der Bleistiftfabrikant Lothar von Faber präsentierte 1879 in seiner Denkschrift „Die Zukunft Nürnbergs“ eine ähnliche radikale Lösung. Auf den ehemaligen Befestigungsanlagen sollten Kultureinrichtungen, Theater und Schulen, aber auch weitere Plätze, Brunnen und Monumente entstehen. 

Verhindert wurden diesen Vorhaben nicht von den Nürnbergern. Der Münchener Altertumsverein setzte sich mit Unterstützung des bayerischen Königs Ludwig II. für den Erhalt der Mauer ein. Ein königlicher Erlass verfügte, dass eine Änderung an den Stadtmauern von höchster Stelle genehmigt werden musste. 1890 fand in der Nürnberger Stadtverwaltung ein Umdenken statt, und es setzte sich eine zunehmend positive Bewertung der Stadtmauern als historisches Denkmal durch. 

Zwar wurden manche Einbauten in die Mauer, wie die Musikschule am Hallertor, die Kunsthalle oder Künstlerhaus gebaut, jedoch ging man nun behutsamer vor und verwarf die Idee eines Komplettabrisses. Für einige Mauerpartien, wie etwa jene am Gewerbemuseumsplatz, kam dieser Sinneswandel jedoch zu spät. 

Da der Stadtgraben erhalten blieb, setzen sich die heutigen Bezeichnungen der Straßenzüge des Altstadtrings nach den jeweiligen Stadtmauerabschnitten in Verbindung mit dem Wort „Graben“ zusammen.


Gunter Demnig zur Stolpersteinverlegung in Nürnberg

| Beitrag vom 20. Juli 2020, von Dr. Pascal Metzger

Auch in diesem Jahr kam der Bildhauer Gunter Demnig nach Nürnberg, um Stolpersteine zu verlegen. Das Kunstprojekt der Stolpersteine rief er im Jahr 1992 ins Leben. Mittlerweile erinnern über 77.000 der kleinen Messingtafeln in 24 Ländern Europas an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Frei von jeglichem Pathos erinnern sie an eine Person an deren letztem freigewählten Wohnsitz. Sie sprechen zu jedem, der sie wahrnimmt, ganz einfache Worte: Die Verfolgung begann hier, jeder konnte es wissen.

Die ersten Stolpersteine in Nürnberg wurden 2004 verlegt. Seit 2018 fungiert Geschichte Für Alle e.V. als Gunter Demnigs lokaler Ansprechpartner, um Anfragen zu bündeln, Opferbiografien zu recherchieren und die Verlegung der Steine vor Ort zu koordinieren. In der Stadt gab es bis vor kurzem 92 Stolpersteine, am 16. Juli 2020 verlegte Gunter Demnig 19 weitere.

Den Anstoß zur diesjährigen Verlegung gaben in den meisten Fällen Nachfahren der Opfer, die ihren Angehörigen auf diese Weise ein Andenken bewahren wollen. Zur Verlegung reisten einige der Nachfahren aus dem europäischen Ausland an. Ursprünglich planten auch Familien aus den USA für die Verlegung nach Nürnberg zu kommen, was ihnen aufgrund der aktuellen Umstände, die das Corona-Virus verursacht, aber nicht möglich war.

Unter den Opfern, derer nun mit einem Stolperstein gedacht wird, befindet sich der damals 64-jährige Kaufmann Simon Löb. Er wurde in der sogenannten Reichskristallnacht von SA-Männern in seiner Wohnung in der Pirckheimerstraße totgetreten. Seine Frau Emilie konnte nach Frankreich fliehen und überlebte dort. Die beiden erwachsenen Söhne Fritz und Rudolf wurden in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet.

Eine Nürnberger Schulklasse recherchierte die Geschichte der Geschwister Else und Siegfried Blumenthal, die wie viele andere jüdische Nürnberger 1942 nach Izbica deportiert wurden, wo sich ihre Spur verliert.

Die Presse begleitete diese Verlegung. Das Franken Fernsehen hat einen Beitrag hierzu gedreht und auch in der Frankenschau im BR ist ein kurzer Bericht (ab 19:36) zu sehen.

 


Nürnberg und die Reichskleinodien

| Beitrag vom 24. Juni 2020, von Andreas Krätzer

Das Heilig-Geist-Spital war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit nicht allein Stätte der Krankenpflege und des religiösen Lebens, sondern gewann auch weit über die Stadt hinaus politische Bedeutung: Dreieinhalb Jahrhunderte (1424–1796), diente das Spital als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien und damit des wichtigsten Schatzes des Heiligen Römischen Reichs. 

Die Reichskleinodien wurden im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein als weltliche, symbolische Herrschaftsinsignien betrachtet. Sie hatten vor allem eine enorme symbolische Bedeutung: Die Vormoderne war eine Zeit, in der viele Menschen nicht Lesen und Schreiben konnten, weshalb noch mehr als heute auf symbolische Kommunikation gesetzt wurde. In der mittelalterlichen Auffassung konnte nur derjenige nach der Wahl zum Herrscher werden, der am richtigen Ort mit den richtigen Herrschaftszeichen gekrönt wurde. Für die Menschen waren also die Reichskleinodien die Verdinglichung des Reiches.

Die 31 Stücke der Reichskleinodien teilen sich auf in die Nürnberger (28 Teile) und die Aachener (3 Teile) Kleinodien und stellen den einzigen mittelalterlichen Kronschatz dar, der bis heute nahezu unverändert erhalten ist. Diese bestanden aus den Krönungsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches (Schwert Karls des Großen, Kaiserkrone Ottos des Großen, Zepter, Reichsapfel, Krönungsgürtel...) und verschiedenen Reliquien (Rock Johannes’ des Evangelisten, Zahn Johannes’ des Täufers, ein Stück der Krippe von Bethlehem, ein Span vom Kreuz Christi und die heilige Lanze).

Die Nürnberger Kleinodien verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie von 1424 bis 1796 in der Kapelle des Nürnberger Heilig-Geist-Spitals aufbewahrt wurden. Nach diversen Aufenthaltsorten entschied sich König Sigmund 1424, die Reichskleinodien für „ewige Zeit“ in Nürnberg zu verwahren.

Die Reichskleinodien fanden ihren Platz in zwei voneinander getrennten Verwahrorten im Heilig-Geist Spital: Die Reichsinsignien (Krone, Reichsapfel, Schwerter etc.) und der Reichsornat (Krönungsmantel, etc.) wurden in einem Gewölbe oberhalb der Sakristei der Kirche in einem Wandschrank deponiert. Die Reichsreliquien wurden im so genannten Heiltumsschrein verwahrt, welcher unter dem Chorgewölbe herabhing. Man wollte den Gläubigen die Präsenz der Reliquien nahe am Altar zeigen – somit waren sie für alle sichtbar und zugleich sicher vor Diebstahl.

Von 1424 bis 1524 wurden die Reichskleinodien und Reichsreliquien einmal im Jahr, am zweiten Freitag nach Ostern zum Fest der Hl. Lanze, auf dem Hauptmarkt dem Volk präsentiert. Für die so genannten Heiltumsweisungen wurde gegenüber der Frauenkirche vor dem Schopperschen Haus (wurde im Krieg zerstört / Hauptmarkt 15) der Heiltumsstuhl aufgebaut. Dies war eine etwa sieben Meter hohe und dreigeschossige hölzerne Konstruktion, von der die Heiltümer „gewiesen“ wurden. An dieses „Event“ schloss sich eine florierende 14-tägige Handelsmesse an. Hier konnten unter anderem Erinnerungsstückegekauft werden. Das waren Pilgerzeichen, Heiltumsbüchlein oder Holzschnitte mit den Abbildungen einzelner Heiltümer. Seitdem die Reichsstadt Nürnberg im Jahre 1525 der Lehre Luthers anhing, betrachtete man die Reliquienverehrung als Abgötterei. Daher wurden die Heiltumsweisungen eingestellt. Die Handelsmesse blieb in der Form des Ostermarktes bis in die heutige Zeit erhalten. Somit ist der Ostermarkt der älteste Markt in Nürnberg.

Erst im 18. Jahrhundert verließen die Reichskleinodien Nürnberg. Aus Furcht vor den herannahenden französischen Revolutionstruppen brachte man den Schatz zuerst nach Regensburg und später nach Wien, wo er bis heute ist. Von der langen Aufbewahrungsdauer des Kronschatzes in Nürnberg leiteten viele Nürnberger*innen ein gewohnheitsmäßiges Eigentumsrecht der Stadt Nürnberg an den Reichskleinodien ab. Dies zeigt sich zum einen an der Tatsache, dass viele – auch prominente – Nürnberger*innen im 19. Jahrhundert immer wieder eine Rückgabe der Reichskleinodien forderten und zum anderen an dem Beinamen „Des Deutschen Reiches Schatzkästlein“, der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts für Nürnberg entwickelte.

Diesen Mythos wollten sich auch die Nationalsozialisten zu Nutze machen. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Willy Liebel wollte die Reichskleinodien zurück nach Nürnberg holen und betrachtete dies gar als eine seiner wichtigsten Aufgaben. So kamen die Reichskleinodien zwischen 1938 und 1946 noch einmal zurück nach Nürnberg.

Heute erinnert an die Zeit der Verwahrung der Reichskleinodien in der Spitalkirche, neben dem originalen Heiltumsschrein im Germanischen Nationalmuseum und den Nachbildungen von Krone, Szepter und Reichapfel – aufbewahrt zuerst im Rathaus und heute im Stadtmuseum im Fembo-Haus – die von Reinhard Eiber modellierte Bronzetafel an der westlichen Außenwand der ehemaligen Kirche.


Alles neu macht Corona? Neustart der öffentlichen Stadtführungen

| Beitrag vom 04. Juni 2020, von Magdalena Prechsl

Als am 1. Juni die erste Gruppe von einer Rundgangsleiterin unseres Vereins über den Johannisfriedhof geführt wurde, lag die letzte Stadtführung von Geschichte Für Alle exakt 77 Tage zurück. Eine derart lange Zeit ohne personelle Geschichtsvermittlung „vor Ort“ gab es in den 35 Jahren seit der Vereinsgründung noch nie. So hatte es zum Beispiel im gesamten Jahr 2019 lediglich zwei Tage ohne Stadtführungen gegeben.

Für die Saison 2020 hatten wir viele Pläne: Zahlreiche neue Rundgangsleitungen haben im Frühjahr ihre Ausbildung absolviert, neue Rundgangs- und Vermittlungskonzepte waren in Arbeit und insbesondere bei den Führungen für Flusskreuzfahrtgäste aus dem englischsprachigen Ausland erwarteten wir in Nürnberg und Bamberg erneut ein sehr hohes Aufkommen. Viele Planungen, Ideen und Erwartungen wurden von der Pandemie und ihren Folgen zunichte gemacht: Statt bis zu 100 Führungen an einem Julitag zu jonglieren, sind unsere Mitarbeiter*innen in der Buchungsabteilung in Kurzarbeit. Viele unserer freiberuflichen Rundgangsleitungen haben mit Existenzsorgen zu kämpfen. Plötzlich war unser einziges Ziel, unseren Verein und damit eine der größten gemeinnützigen Organisationen für historische Bildungsarbeit in Deutschland, zukunftssichernd durch die Krise zu bringen.

Seit Beginn des Lockdowns haben wir uns darauf vorbereitet, wieder mit unseren Führungen loslegen zu können. Lange Zeit war unklar, wie Stadtführungen in Zeiten von Corona aussehen würden. Wir haben also erneut geplant, Pläne verworfen und wieder von vorne mit dem Planen begonnen. In diesem Prozess war wenig so klar, wie dass uns das Abstandsgebot noch sehr lange begleiten wird. Öffentliche Führungen, bei denen alle Interessierten, die zum Treffpunkt kommen, an der Führung teilnehmen können – seien es 2 oder 40 Personen – würden nicht mehr möglich sein.

Die einzige Möglichkeit, die Teilnahmezahl bei öffentlichen Führungen steuern zu können, sahen wir in der Einrichtung eines Kartenvorverkaufs. Und an diesem Punkt trafen unsere alten Pläne für die Saison mit den Herausforderungen der neuen Situation passend zusammen: Unser größtes Jahresziel, die Einrichtung eines eigenen Webshops auf unserer Webseite, mussten wir nun unter Hochdruck umsetzen. Das hat viele Vorteile für Sie als Geschichtsinteressierte: Es ist damit nun nämlich bequem möglich, sich im Vorfeld einer Stadtführung eines der limitierten Einzeltickets zu sichern und auch die Buchung für eine private Gruppe lässt sich nun schnell und einfach online abwickeln.

Wir haben bei der Einrichtung des Webshops darauf geachtet, Ihnen so viel Spontanität wie irgendwie möglich zu erhalten, sodass Tickets bis 1 Minute vor Beginn der gewählten öffentlichen Führung (sofern noch Plätze frei sind) erworben werden können. Zum Schutz unserer Rundgangsleitungen und um die Kontaktnachverfolgbarkeit sicherzustellen, ist damit bis auf weiteres keine Barzahlung bei der Rundgangsleitung mehr möglich.

Neben dieser wohl größten Neuerung spiegeln sich ansonsten bei unseren Führungen die allgemeingültigen Präventionsmaßnahmen wider: Personen, die nicht dem gleichen Hausstand angehören, müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander einhalten. Durch die maximale Gruppengröße von 15 Personen lässt sich dieser einfach einhalten. Eine Mund-Nasen-Bedeckung muss im Freien nicht getragen werden, nur wenn ein geschlossener Raum im Rahmen der Führung betreten wird, ist diese verpflichtend. Genauere Informationen zu unserem Hygienekonzept finden Sie hier.

Wir freuen uns sehr, wieder mit Ihnen in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg auf Spurensuchen zur Stadtgeschichte zu gehen. Es gibt viel zu entdecken.

 


Freie Bildung und ihre Träger in existenzieller Gefahr

| Beitrag vom 28. Mai 2020, von Wolf Hergert

Trotz der anstehenden Lockerungen bleibt die Situation für Geschichte Für Alle e.V. wie auch für viele andere freie Bildungsträger äußerst angespannt und unsicher. Insbesondere die freien Mitarbeiter*innen, die den größten Teil der Bildungsarbeit stemmen, wurden von den staatlichen Corona-Hilfen bis dato kaum bedacht. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hat der Vorstand unseres Vereins einen offenen Brief an Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder verfasst, der von zahlreichen Bildungsträgern der Metropolregion Nürnberg unterzeichnet wurde. Den Brief im Wortlaut finden Sie hier.

 


75 Jahre „Tag der Befreiung“

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die nationalsozialistische Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa. Jährlich erinnert der Gedenktag an die tiefe Zäsur von 1945 und an den damit verbundenen Neuanfang. Die bedingungslose Kapitulation wurde am 7. Mai im Hauptquartier der Alliierten im französischen Reims von Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnet und trat am folgenden Tag in Kraft. Am 9. Mai unterzeichnete unter anderem Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel im sowjetischen Hauptquartiert in Berlin-Karlshorst die dortige bedingungslose Kapitulation. Bis heute wird der „Tag der Befreiung“ in zahlreichen europäischen Ländern als Gedenktag begangen.

Nürnberg wurde bereits am 20. bzw. am 22. April 1945 von den US-Streitkräften erobert. Die Eroberung war für die Alliierten vor allem ein wichtiger symbolträchtiger Sieg. „Die Stadt der Reichsparteitage“ war für Adolf Hitler und für die Nationalsozialisten ein Zentrum der NS-Ideologie und der NS-Propaganda. Neben den Reichsparteitagen, die zwischen 1933 und 1938 auf dem eigens hierfür errichteten Reichsparteitagsgelände stattfanden, wurden hier 1935 die Rassegesetze verabschiedet.

Am 16. April erreichten amerikanische Panzerverbände den Osten Nürnbergs und eroberten die Stadt am 22. April 1945. Eine erste Siegesfeier wurde am 20. April 1945 auf dem Hauptmarkt (in der NS-Zeit „Adolf-Hitler-Platz“) als „Flag Raise Ceremony“ durchgeführt. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April wollte man mit der Einnahme Nürnbergs einen symbolischen „Geburtstagsgruß“ senden. In der Südstadt wurde zu dem Zeitpunkt noch gekämpft, bevor auch hier die Waffen am 22. April niedergelegt wurden. Die offizielle Siegesfeier fand dann am 22. April auf dem Zeppelinfeld statt und endete mit der Sprengung des Hakenkreuzes auf dem Zentralbau der Zeppelintribüne.

Der Schweizer Sender SRF hat zu dem Thema einen spannenden Beitrag produziert. Unsere langjährige Rundgangsleiterin Nina Lutz führt hierbei als Historikerin durch die Geschichte Nürnbergs.

Abb.: Siegesparade US-Army auf der Hauptmarkt, 1945, Stadtarchiv Nürnberg


 

Geschichtsvermittlung in der Krise: Was bedeutet Corona für Geschichte Für Alle e.V.?

| Beitrag vom 8. Mai 2020, von Lena Prechsl

An einem schönen Sonntag im Herbst letzten Jahres staunten die Bewohner*innen der Wohnsiedlung Rangierbahnhof nicht schlecht, als sich ein Zug von 135 Personen durch die Straßen bewegte. Handelte es sich dabei um eine Demonstration im sonst eher gediegenen Wohnviertel? Nein, die vielen Menschen waren gekommen, um sich bei einem Stadtteilrundgang unseres Vereins mit der Geschichte der gartenstädtischen Siedlung zu beschäftigen. Für den von dem Ansturm durchaus überraschten Rundgangsleiter war es nicht nur eine stimmliche Höchstleistung, der riesigen Gruppe spannende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Doch viel größer sind die Herausforderungen, denen wir als Verein und in erster Linie als begeisterte Geschichtsvermittler*innen nun ausgesetzt sind. Einen stärkeren Kontrast zu der geschilderten Situation im Herbst könnte es fast nicht geben: Seit Mitte März ist das Durchführen von Stadtführungen untersagt. Die Museen, in denen wir sonst als pädagogischer Partner Workshops und Führungen anbieten, haben geschlossen. Die Absolutheit, mit der die Corona-Pandemie die Möglichkeiten der unmittelbaren, personellen Geschichtsvermittlung unterbunden hat, trifft uns hart.
Unsere Arbeit lebt davon, Menschen jeden Alters – egal ob alteingesessen oder nur für wenige Stunden zu Besuch in der Stadt – ebenso fundiert wie auch unterhaltsam Zugänge zur Geschichte zu ermöglichen. Dabei sind wir überzeugt, dass der beste Weg für einen kritischen Umgang mit der (eigenen) Vergangenheit die selbsttätige Auseinandersetzung mit ihren Zeugnissen ist. Wir wollen den Menschen durch Gespräche mit unseren Expert*innen ermöglichen, sich die Stadt anzueignen und im Stadtbild mehr zu sehen, als Gebäude und Plätze.

Auch wenn digitale Angebote wie auch das altbewährte Buch hierfür in der gegenwärtigen Situation gute Ausweichmöglichkeiten bieten, so sind alle Medien nicht in der Lage, die gewaltigen Potentiale der personellen Vermittlung bei Stadtführungen zu ersetzen.
Für uns bedeutet die Corona-Krise also gerade in erster Linie viel Geduld zu haben und dabei nicht im Stillstand zu verharren, sondern unsere Konzepte konsequent weiterzuentwickeln. Wir wollen, dass auch in Zukunft ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg die Beschäftigung mit Stadtgeschichte „auf der Straße“ ist. Kurzum: Wir freuen uns sehr auf den Zeitpunkt, zu dem wir wieder Führungen anbieten können.

Magdalena Prechsl sprach in einem Interview mit Franken Fernsehen über die aktuelle Lage bei Geschichte Für Alle e.V.


Die Geschichte des 1. Mai als "Tag der Arbeit"

| Beitrag vom 1. Mai 2020, von Philipp Bayerschmidt

Nürnberg entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur größten Industriestadt Süddeutschlands und wurde so eine Hochburg der Arbeiterbewegung in Bayern. Die Arbeiterkultur zeigte sich in zahlreichen Vereinen, Festen und Zeitschriften und prägte das Leben in der Stadt. Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ und damit verbunden der Kampf für die Rechte der Arbeiter*innen war und ist ein wichtiges Thema in Nürnberg.

Der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ hat eine lange Tradition und geht auf eine Demonstration in den USA zurück. Dort war der 1. Mai der Stichtag, an dem viele Arbeitsverträge ausliefen oder neu geschlossen wurden. 1886 demonstrierten über 400.000 Arbeiter*innen in den USA am 1. Mai in mehreren Städten friedlich für die Einführung des Acht-Stunden Tages. Zwei Tage später kam es jedoch bei den anhaltenden Demonstrationen zu einem einem Zwischenfall, bei dem mehrere Streikposten von der Polizei erschossen wurden. Dadurch heizte sich die Stimmung immer weiter auf und während einer Kundgebung gegen das brutale Vorgehen der Ordnungskräfte am 4. Mai auf dem Haymarket in Chicago, mit rund 1000 Arbeiter*innen, eskalierte die Situation erneut. Sieben Polizisten und vermutlich vier Demonstranten kamen durch eine Explosion und eine anschließende Schießerei ums Leben. Die Vorfälle in den USA fanden in der internationalen Arbeiterschaft starken Wiederhall.

Während des zweiten Internationalen Arbeiterkongresses 1889 in Paris beschlossen die sozialistischen Gewerkschaften und Parteien eine große internationale Demonstration am 1. Mai 1890 zu begehen. Hiermit wollte man den Opfern des Haymarket-Massakers gedenken und für die Einführung des Acht-Stunden Tages sowie für die Rechte der Arbeiter*innen demonstrieren.

Im Kaiserreich beschloss die SPD 1889 zwar den 1. Mai als Feiertag der Arbeit zu begehen, allerdings sprach man sich gegen einen allgemeinen Streik aus. In den folgenden Jahren etablierte sich der Tag als Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber erst 1919 von der Weimarer Nationalversammlung einmalig zum gesetzlichen Feiertag bestimmt; und zwar nur für das Jahr 1919. Unter der Herrschaft der NSDAP wurde der 1. Mai ab 1933 in Deutschland als gesetzlicher Feiertag eingeführt, mit dem Ziel, ihn als Propagandamittel zu instrumentalisieren und so die Arbeiterbewegung für die nationalsozialistische Idee zu gewinnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der 1. Mai 1946 durch den Alliierten Kontrollrat als Feiertag bestätig und danach sowohl in der BRD als auch der DDR begangen. Bis heute ist der 1. Mai nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen Ländern ein gesetzlicher Feiertag.

 

Abb.: Kanalarbeiten an der Ziegelsteinstraße, Fotografie 1919, Siedlungswerk Nürnberg GmbH


 

Pest oder Cholera? Katastrophen in der Geschichte Nürnbergs

| Beitrag vom 30. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Ein Ort, um Geschichte hautnah zu erleben, ist der Nürnberger Egidienberg: Dort zeugt die barocke Kirchenfassade vom Großbrand des alten Schottenklosters, die in eine Wand eingemauerte Kanonenkugel nebst Inschrift erinnert an den Zweiten Markgrafenkrieg und die Einschusslöcher am Kaiser Wilhelm-Denkmal stammen aus dem Häuserkampf in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Neben Brand, Kriegen und auch Hochwasser waren es vor allem Epidemien, die der Stadt im Laufe der Jahrhunderte zusetzten. Allen voran die Große Pest, die seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadt immer wieder heimsuchte. Auch hierfür findet sich ein Zeugnis am Egidienberg: Ein kläglicher Ruinenrest neben dem Pellerhaus zeugt noch von dem stattlichen „Peststadel“, der sich früher hier befand. Das mächtige Gebäude, 1481 als  Kornspeicher gebaut, diente zum Unterstellen der Karren, auf denen die Pesttoten hinaus auf den Friedhof transportiert wurden.

Die Einwohner Nürnbergs hatten großen Epidemien an medizinischen Mitteln nichts entgegenzusetzen: Man wusste weder, was die Krankheiten verursachte, noch hatte man Medikamente, um sie zu behandeln. Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die Behandlungsmöglichkeiten auf diätetische Maßnahmen, Urinbeschau oder Aderlass beschränkt. Wer es sich leisten konnte, floh aus der Stadt.

Umso wichtiger waren die Maßnahmen, die der Rat ergriff, um die Seuchen einzudämmen. Seit 1518 war es nicht mehr erlaubt, Tote innerhalb der Stadtmauern zu bestatten: Neben dem Johannisfriedhof, bereits im späten 14. Jahrhundert zum Pestfriedhof erweitert, entstand nun der Rochusfriedhof für die Toten der Lorenzer Stadtseite. Am Pegnitzufer außerhalb der Mauern stiftete die Patrizierfamilie Topler das Sebastiansspital als erstes Pesthaus in Deutschland, fertiggestellt 1528.  All dies konnte nicht verhindern, dass es 1633/34 zur schlimmsten Epidemie der Nürnberger Geschichte kam: Mitten im 30jährigen Krieg, als sich Einheimische, Soldaten und Flüchtlinge innerhalb der engen Mauern drängten, verstarb die Hälfte der Einwohner an der Pest, die Rede ist von 20.000 Toten. Von diesem Bevölkerungsverlust hat sich die Stadt bis zur Industrialisierung nicht mehr erholt.

Eine Seuche, die im 19. Jahrhundert erheblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung hatte, war die Cholera. Da das Nürnberger Trinkwasser hauptsächlich aus dem Grundwasser bezogen wurde und die Abwasserentsorgung mittels Sickergruben unzureichend war, kam es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen. 1854 war die allgemeine Mobilität der Bevölkerung bereits so groß, dass sich die Cholera sehr schnell verbreiten konnte. Nach einem Ausbruch in München erreichte die Krankheit wenig später Nürnberg, unter anderen durch den Industriellen Johann Wilhelm Spaeth, der einer der ersten von 300 Choleratoten (bei 600 Erkrankten) war, damit war man glimpflich davongekommen. Auch hier ergriff die Stadt schnell Maßnahmen, da man eine Einschränkung der Aktivitäten in Verkehr und Handel fürchtete. Eher unwirksam war das Verbot von Jahrmärkten (wegen der Menschenansammlungen) und längeren abendlichen Biergartenbesuchen (wegen der Unterkühlung). Auf lange Frist waren dagegen kommunale Maßnahmen zur besseren Wasserversorgung und -entsorgung von entscheidender Bedeutung.

Mit dem Anwachsen zur Industriestadt hatte Nürnberg weitere Epidemien zu überstehen. Eine der schlimmsten traf die Stadt am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Bevölkerung ohnehin mangelhaft ernährt und medizinisch schlecht versorgt war. Ein erster Ausbruch der sogenannten "Spanischen Grippe“ im Sommer 1918 verlief relativ milde. Im Herbst des Jahres kehrte die Krankheit jedoch zurück. Nun kam das öffentliche Leben zum Erliegen, die Schulen wurden geschlossen. Vom 12.-18. Oktober gab es rund 3.000 Neuinfektionen, Tag für Tag wurden hunderte von Influenzafällen gemeldet. Das große, erst 1897 eingeweihte Krankenhaus hatte Hochbetrieb. Besonders erschreckend war, dass gerade jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren an der Krankheit starben. Insgesamt waren etwa 20.000 Menschen erkrankt, die Zahl der Toten lag bei 1.400. Von den 94 Pflegern im städtischen Krankenhaus starben fünf Krankenschwestern und eine Pflegeschülerin, zudem erlagen noch fünf Hausangestellte der Grippe. Weltweit forderte die Grippepandemie von 1918/19 mehr Tote als der gesamten Erste Weltkrieg.

Medizinischer Fortschritt und steigender Wohlstand haben die Wahrscheinlichkeit von Epidemien bzw. – bei weltweitem Auftreten – Pandemien zwar eindämmen, aber nicht gänzlich verhindern können.  Dass im Winter 2019/20 ein neuartiges Coronavirus globale Verbreitung finden würde, hatte kaum jemand auf dem Schirm. Auch die Stadt Nürnberg ist davon betroffen – unmittelbar mit Erkrankten und Toten sowie in Bayern und Deutschland durch einen nie gekannten Stillstand des öffentlichen Lebens, der Reiseaktivitäten und der persönlichen Freiheiten, aber auch mittelbar durch die Störung von Wirtschaftsaktivitäten und das komplette Einfrieren des Tourismus. Wir erleben gerade die größte Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vielleicht ist es gut, dabei die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren, um das heutige Geschehen besser bewerten zu können.


Entdeckertouren mit der Nürnberger Zeitung

| Beitrag vom 28. April 2020, von Bernd Windsheimer

Gemeinsam mit der Nürnberger Zeitung, machen wir uns seit vielen Jahren auf "Entdeckertour". Die inhaltlichen Beiträge zu spannenden Plätzen, Stadtteilen und historisch bedeutsamen Orten, haben unsere Historiker*innen aufgearbeitet und wurden von der Nürnberger Zeitung als Reihe publiziert. Schauen Sie doch mal rein:


Raten Sie mit und testen Sie Ihr Geschichtswissen

| Beitrag vom 08. April 2020, von Kathrin Lehnerer

Bei der beliebten Reihe "Hä? Das Straßenquiz" auf Franken Fernsehen stehen wir als Geschichtsexpert*innen regelmäßig vor der Kamera. Lust auf Mitraten?


Virtuelle Ausflüge in die Vergangenheit:

| Beitrag vom 06. April 2020, von Dr. Ruth Papadopoulos

Momentan müssen wir mit virtuellen Ausflügen vorlieb nehmen. Dabei sind wir nicht auf die nähere Umgebung beschränkt: Nürnberger Luft ist auch außerhalb der Stadtgrenze zu atmen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Heiligkreuzmünster in Schwäbisch Gmünd.

 

 


Geschichten aus dem Henkerhaus:

| Beitrag vom 01. April 2020, von Magdalena Prechsl

In der 1817 veröffentlichten „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“ macht Clemens Brentano „Meister Franz“, wie sich der berühmteste Nürnberger Henker selbst bezeichnete, zur literarischen Figur.

Dass Brentano die 1801 im Druck erschienen Memoiren von Franz Schmidt kannte, belegt nicht nur die Existenz eines Exemplars in seiner Bibliothek, sondern auch die detailgetreue Schilderung der Örtlichkeiten und der Materie: Die in der Novelle beschriebene „Scharfrichterei“, die Wohnung des Henkers, befindet sich am Rande der Stadt.

 

 

Wie auch Franz Schmidt, der als Wundarzt tätig war, wird der literarische Meister Franz wegen heilender Kräuter aufgesucht. Neben dem seit dem Sturm und Drang häufig verarbeiteten Motiv des Kindesmords thematisiert Clemens Brentano hier die volkstümliche Vorstellung, dass das Richtschwert durch ein Erzittern eine drohende Hinrichtung vorhersagt.

 

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